Können einzelne Gründerinnen und Gründer künftig Unternehmen mit Milliardenbewertungen aufbauen, ganz ohne Team dahinter? Diese Frage steht im Zentrum der wissenschaftlichen Analyse, die Absolventin Carmen Segattini im Rahmen ihrer Abschlussarbeit durchgeführt hat. Die Arbeit, betreut von Prof. Dr. Markus Prandini, untersucht anhand internationaler Fallbeispiele, wie Künstliche Intelligenz zentrale Unternehmensfunktionen übernimmt und damit Geschäftsmodelle ermöglicht, die früher nur mit grossen Teams realisierbar waren. Im Fokus stehen hochautomatisierte, digital skalierbare Ein-Personen-Unternehmen, die weltweit Umsätze erzielen bei minimalen Fixkosten.

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Die Analyse greift eine These auf, die zuletzt auch in der Tech-Welt für Aufmerksamkeit sorgte. Meta-CEO Mark Zuckerberg erklärte Anfang 2025, dass Projekte, für die früher grosse Teams nötig waren, heute von einer einzigen sehr talentierten Person umgesetzt werden können*. Die Hochschularbeit ordnet diese Entwicklung erstmals systematisch ein und zeigt, unter welchen Bedingungen solche Modelle wirtschaftlich tragfähig werden.

KI verschiebt die Grenzen des Unternehmertums

Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage, wie Künstliche Intelligenz klassische Skalierungsgrenzen aufhebt. Die Ergebnisse zeigen: KI übernimmt heute zentrale Unternehmensfunktionen, die früher Teams, Agenturen oder grosse Budgets erforderten. Automatisierte Prozesse, datengetriebene Personalisierung und globale digitale Distribution ermöglichen es einzelnen Gründerinnen und Gründern, international zu operieren und hohe Umsätze zu erzielen, bei gleichzeitig tiefen Fixkosten.

«Wir sehen eine neue Form des Unternehmertums entstehen, skalierbar, international und KI-gestützt, auch ohne Team», sagt Autorin Carmen Segattini. «Was früher strukturell unmöglich war, wird durch KI zu einem realistischen Geschäftsmodell.»

Zentrale Ergebnisse der Studie

Die Arbeit basiert auf einer qualitativ-explorativen Fallstudienanalyse mit bekannten Beispielen aus dem internationalen Solopreneurship-Umfeld, darunter Pieter Levels, Justin Welsh und Sahil Lavingia. Analysiert wurden Geschäftsmodelle, bei denen KI nicht nur unterstützend wirkt, sondern integraler Bestandteil der Wertschöpfung ist.

Zu den wichtigsten Erkenntnissen zählen:

  • Starke Umsatzskalierung ohne Personalaufbau: KI ermöglicht personalisierte Angebote, automatisiertes Marketing und globale Reichweite ohne proportionale Kostensteigerung.
  • Signifikante Kostensenkungen: Funktionen wie Kundenservice, Buchhaltung, Content-Produktion oder Softwareentwicklung lassen sich weitgehend automatisieren.
  • Neue Bewertungslogiken: Klassische, VC-zentrierte Unicorn-Definitionen greifen bei hochautomatisierten Ein-Personen-Unternehmen zu kurz. Umsatz- und Effizienzkennzahlen gewinnen an Bedeutung.

Prof. Dr. Markus Prandini, Professor für Entrepreneurship und International Business, ordnet die Ergebnisse ein: «Diese Studie zeigt, dass Unicorns kein Privileg grosser Teams mehr sind. Mit KI verschieben sich die Spielregeln der Gründung fundamental.»

Ein Modell für Ein-Personen-Unicorns

Ein zentrales Ergebnis der Arbeit ist ein Modell, das die entscheidenden Erfolgsfaktoren für KI-basiertes Solopreneurship systematisch darstellt. Dazu gehören unter anderem der Automatisierungsgrad, die globale Skalierbarkeit digitaler Produkte, datenbasierte Entscheidungsfindung sowie die Fähigkeit, KI als eigenständiges Geschäftsmodell zu nutzen. Dieses Modell eignet sich besonders für die Einordnung aktueller Entwicklungen in Wirtschaft, Tech und Bildung.

Modell Erfolgsfaktoren KI-basiertes Solopreneurship

Starke Relevanz für Wirtschaft und Förderlandschaft

Die Studienergebnisse haben auch gesellschaftliche und wirtschaftspolitische Relevanz. Sie werfen Fragen zur heutigen Startup-Förderung, zu Bewertungsmodellen und zur Chancengleichheit im Unternehmertum auf. KI-gestützte Ein-Personen-Unternehmen eröffnen neue Möglichkeiten für Gründer ohne Zugang zu Kapital, Netzwerken oder grossen Teams – und könnten die nächste Phase der digitalen Wirtschaft prägen.

Carmen Segattini

Die Abschlussarbeit «Die Evolution des Solo-Unicorns» von Carmen Segattini entstand im Rahmen des Bachelorstudiengangs Business Administration mit Schwerpunkt Entrepreneurship. Sie wurde unter der Betreuung von Prof. Dr. Markus Prandini verfasst und befasst sich mit neuen unternehmerischen Organisationsformen im Kontext von Künstlicher Intelligenz.

*Quelle: Meta-Statement von Mark Zuckerberg, Analystenkonferenz vom 28.01.2025
https://ca.finance.yahoo.com/news/meta-dramatically-change-ai-zuckerberg-001623524.html

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