Gesundheitskompetenz in benachteiligten Gruppen stärken «Equity by Co-Designing Health Actions»: Internationaler SNF-Workshop an der Careum Hochschule Gesundheit
Ende Oktober 2025 fand an der Careum Hochschule Gesundheit in Zürich ein vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderter internationaler wissenschaftlicher Workshop statt. Ziel des Austausches: Die Ophelia-Methode auf ihre Relevanz für den Schweizer Kontext sowie für benachteiligte bzw. unterversorgte Bevölkerungsgruppen zu prüfen und internationale Kooperationen zu stärken.
Gesundheitskompetenz: Schlüssel zu Chancengerechtigkeit
Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, kritisch zu beurteilen und im Alltag für die Gesundheit und das Wohlbefinden anzuwenden – eine zentrale Voraussetzung für chancengerechte Gesundheitsversorgung. International und in der Schweiz haben bestimmte Bevölkerungsgruppen Schwierigkeiten im Umgang mit Gesundheitsinformationen oder erschwerten Zugang zu Versorgungsleistungen, zum Beispiel Menschen mit chronischen Erkrankungen.
SNF-Workshop bringt internationale Expert:innen zusammen
Um gezielte Unterstützungsmassnahmen für benachteiligte und unterversorgte Bevölkerungsgruppen zu entwickeln, organisierten die Careum Hochschule Gesundheit und das Careum Zentrum für Gesundheitskompetenz, gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF), den internationalen Scientific Exchange «Advancing Health Literacy of Vulnerable Groups in Switzerland».
Im Fokus des Workshops stand der Ophelia-Ansatz (Optimising Health Literacy and Access). Dieser von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Best Practice anerkannte, evidenzbasierte Ansatz zielt darauf ab, die Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung systematisch zu fördern und gemeinschaftsorientierte, bedarfs- und bedürfnisbasierte Gesundheitsinterventionen zu entwickeln.
Der Austausch diente dazu, den Ophelia-Ansatz auf seine Anwendbarkeit in der Schweiz und in Europa zu reflektieren. Im Fokus standen dabei die Erfahrungen der internationalen Expert:innen und konkrete Beispiele aus Forschung, Gesundheitspolitik und -praxis. Gemeinsam wurde diskutiert, wie gestützt auf Ophelia die Gesundheitskompetenz bei benachteiligten Gruppen gestärkt und chancengerechte, nachhaltige Versorgungsleistungen gemeinsam mit den Anspruchsgruppen entwickelt werden können.
Themen des Workshops
Im SNF-Workshop – geleitet von Prof. Dr. Jörg Haslbeck, Dr. Saskia De Gani und Prof. Dr. Karin Ribi – wurden folgende Themen beleuchtet:
- der Ophelia-Ansatz in seiner Systematik, Entwicklung und den Co-Design-Elementen, vorgestellt von Prof. Dr. Richard Osborne und Dr. Melanie Hawkins (La Trobe University, Australien)
- Erfahrungen, um Gesundheitskompetenz zu erheben und zu messen, auch im Kontext der Digitalisierung, erläutert und kommentiert von Prof. Dr. Marc Bakker (Universität Maastricht) und Prof. Dr. Lars Kayser (Universität Kopenhagen)
- konzeptionelle und gesundheitspolitische Aspekte zu Gesundheitskompetenz im Kontext benachteiligter Gruppen, mit Beiträgen von Dr. Saskia De Gani (Careum Zentrum für Gesundheitskompetenz), Susanne Melin (Bosch Health Campus) und Dr. Nadine Zillmann (Gesundheit Österreich)
- Forschung zu und Co-Design von «health actions» für benachteiligte Gruppen, illustriert von Kübra Annac (Universität Witten/Herdecke) und Kristin Ganahl (aks gesundheit Vorarlberg) zu Menschen mit Migrationshintergrund bzw. ohne festen Wohnsitz, Dr. Bettina Schwind (Careum Hochschule Gesundheit) zu gendergerechter End-of-Life-Care, Dr. Friederike Haslbeck (UniversitätSpital Zürich) zu Musiktherapie bei Frühgeburt und Prof. Dr. Maria João Marques (Universidade Nova de Lisboa) zu Menschen mit Fluchterfahrung
- Gesundheitskompetenz im Kontext von Krebs, Patient:innen-Beteiligung und Symptommanagement mit Einsichten vom INSIDE-Projekt von Tami Wehrmann und Dr. Julia Seinsche (Careum Hochschule Gesundheit) sowie aus Studien und Projekten von Prof. Dr. Marika Bana und Dr. Nicolas Sperisen (Haute école de Santé Fribourg, Krebsliga Schweiz), Karin Holm (Genf), Prof. Dr. Alexander Wünsch (Insel-Spital Bern) sowie Dr. Nadja Nestler (Paracelsus Medizin Universität Salzburg)
Ausblick: Gemeinsame Forschung und Co-Design
Im viertägigen Wissenschafts-Dialog schufen die Vorträge, Diskussionsrunden und interaktiven Concept-Mapping-Sessions die Grundlage, um international enger zusammenzuarbeiten. Der Ophelia-Ansatz bildet die Grundlage für zukünftige gemeinsame Anträge zu Forschungsprojekten. Mittels Co-Design sollen bedarfs- und bedürfnisgerechte Unterstützungsmassnahmen für benachteiligte Bevölkerungsgruppen entwickelt werden.
