Gesundheitsversorgung im Privathaushalt

Betreuung von Angehörigen durch Angehörige: Zu diesem gesellschaftlich relevanten Thema forscht die Careum Hochschule Gesundheit. Welche Unterstützung brauchen betreuende Angehörige? Wie vereinbart man Angehörigenbetreuung und Erwerbsarbeit? Und wie kann man in der vertrauten Umgebung alt werden, vielleicht sogar bis zum Lebensende?

Rund die Hälfte der Bevölkerung steht im Verlauf des Lebens vor der Herausforderung, für pflege- und betreuungsbedürftige Nächste zu sorgen. Ohne Angehörige könnte die oft zeitintensive Betreuung weder finanziell noch strukturell geleistet werden. Bis heute leisten Angehörige diese enorme Arbeitsleistung unentgeltlich. Und die Tendenz zur häuslichen Versorgung steigt: Immer mehr Menschen werden immer älter. Demgegenüber stehen ein wachsender Fachkräftemangel im Gesundheitswesen und ständig steigende Gesundheitskosten. Auch die gesundheitspolitische Maxime «ambulant vor stationär» lässt den «Gesundheitsstandort Privathaushalt» zu einem immer wichtigeren, aber gleichzeitig auch höchst fragilen Schauplatz werden. 

Innovative Versorgungs- und Wohnformen im Kommen

Klar ist: Es braucht Massnahmen, Angebote und neue Ideen, um betreuende Angehörige zu unterstützen und zu entlasten. Gefragt sind neue Formen der häuslichen Gesundheitsversorgung. Die verschiedenen Leistungsanbieter müssen verstärkt koordiniert und besser vernetzt werden. Benötigt werden innovative Versorgungs- und Wohnformen, damit ältere und hochaltrige Menschen selbstbestimmt zu Hause alt werden können – teilweise auch technikunterstützt.

Der Forschungsbereich der Careum Hochschule Gesundheit untersucht aktuelle Fragen der Pflege- und Versorgungsforschung praxisbezogen und mit einem interdisziplinären Team von Forschenden aus den Pflege-, Gesundheits-, Sozial-, Geistes- und Rechtswissenschaften, oft kooperativ mit nationalen und internationalen Partnern. 

Angehörigenforschung über die ganze Lebensspanne

Pflegende Angehörige sind keineswegs nur Personen mittleren oder höheren Alters. In jedem Lebensabschnitt können Menschen in die Situation geraten, dass Familienmitglieder oder nahestehende Personen erkranken, verunfallen und Pflege und Betreuung benötigen. Manchmal übernehmen bereits Kinder oder Jugendliche Pflege- oder Betreuungsaufgaben. Erwachsene und beruflich geforderte Personen meistern oft Betreuungssituationen, wenn Eltern alt werden oder Familienangehörige schwerwiegend erkranken. Pflegende Angehörige können bereits selbst im Pensionsalter sein, wenn sie sich um ihre Lebenspartner oder pflegebedürftige Nächsten kümmern. Dieser weite Blickwinkel auf Angehörige aller Altersgruppen spiegelt sich auch in den drei Forschungsprogrammen: «Young Carers», «work & care» und «Ageing at home». Die drei Forschungsprogramme setzen spezifische Schwerpunkte, arbeiten jedoch in übergreifenden Themen vermehrt eng zusammen.

«Young Carers»

In der Schweiz betreuen und pflegen fast acht Prozent der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen nahe Angehörige. Häufige Absenzen, schulische Beeinträchtigungen, Konzentrationsschwäche und Schlafmangel können zu schlechteren Bildungschancen führen. Das mehrjährige Forschungs- und Entwicklungsprogramm «Young Carers» erarbeitet deshalb konkrete Unterstützungsmassnahmen – praxisnah und zusammen mit betroffenen jungen Menschen. Ein Schwerpunkt in den laufenden Projekten liegt auf dem kritischen Übertritt von der Schule in den Beruf. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollen die nötige Hilfe erhalten, damit ihnen trotz Pflegeaufgaben ein erfolgreicher und möglichst reibungsloser Start ins Arbeitsleben gelingt.

«work & care»

Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege vereinbaren: Das ist seit 2007 das zentrale Thema des Programms «work & care». Wo finden erwerbstätige Angehörige Entlastung und Unterstützung? Wie können Betriebe eine «work & care»-freundliche Unternehmenskultur fördern? 

«Ageing at home»

Das Forschungsprogramm «Ageing at home» untersucht eine breite Palette an Fragen zum Thema «Älterwerden». Im Zentrum steht dabei immer der ältere oder hochaltrige Mensch, der in ein soziales, pflegerisches, medizinisches und wirtschaftliches Gefüge eingebettet ist. Mehrere Projekte forschen z. B. über das Thema alternde Gesellschaft und Technik.