In meinem letzten Beitrag habe ich mich mit der Bedeutung der Blockchain für Zentralbanken und den Effizienzpotenzialen beschäftigt. Diese Diskussion wird hier vertieft und es wird auf konkrete Projekte und Anwendungen wie z.B. Bitcoin eingegangen.

Welche konkreten Aktivitäten sind im Bereich von Blockchain und Bitcoin beobachtbar?
 
Welche konkreten Aktivitäten sind im Bereich von Blockchain und Bitcoin beobachtbar (Symbolbild)?

Konkrete Blockchain-Projekte

Auf ganz ähnlichen Prinzipien wie Jasper fusst das Projekt Ubin, ein Projekt der Zentralbank von Singapur (Money Authority of Singapur, MAS) und der Finanzindustrie. Schliesslich haben auch die Bundesbank und die deutsche Börse ein zahlungsseitig vergleichbares Projekt realisiert – das indes darüber hinaus auch den reinen Wertpapiertransfer (Free of Paymanet Matching, FoP) sowie die Zug-um-Zug-Abwicklung von Wertpapieren gegen zentral ausgegebene digitale Werteinheiten (Delivery versus Payment, DvP) ermöglicht.

Nicht direkt mit Zentralbankgeld bezahlt wird demgegenüber beim sogenannten Utility Settlement Coin (USC). Vielmehr handelt es sich um einen privat emittierten Wert, der indes mit den wichtigsten staatlichen Währungen in Form von Einlagen bei Zentralbanken unterlegt sein soll und bei Bedarf in konventionelle Bankguthaben dieser Währungen konvertiert werden kann. Eine Reihe von Geschäftsbanken plant, den USC künftig für gegenseitige Devisengeschäfte einzusetzen. Erst später, wenn Effekten ebenfalls auf der Blockchain buchbar sind, soll der USC auch in diesem Bereich zum Einsatz gelangen. Offiziell sollen so Realtime-Erfüllungen vermehrt an die Stelle von Netting-Abkommen treten, die Abwicklungszeiten reduziert und bislang gebundene Sicherheiten rascher wieder freigegeben werden können. Gemutmasst wird aber auch, dass die Ausgabe der USC allenfalls einem Drittvehikel übertragen werden könnte.

Dieses hielte fortan die für die Abwicklung benötigte und eventuell auch überschiessende Liquidität auf den (teils negativ verzinsten) Zentralbankkonten – was die einzelnen Banken kostenmässig entlasten würde. Vorausgesetzt ist dafür freilich das Platzet und die Kooperation der Zentralbanken, deren Währungen als Deckung eingesetzt werden sollen. Beides scheint noch keineswegs gesichert, würde doch im Erfolgsfall mit dem neuen Vehikel (dessen Sitz und Beaufsichtigung erst noch festzulegen wären) auch eine zusätzliche Institution von systemischer Bedeutung geschaffen.

Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass etwa die Gruppe Deutsche Börse mit dem sogenannten CollCo (Collateralised Coin) nochmals einen anderen Weg eingeschlagen hat: Ihre digitale Münze soll zwar ebenfalls auf der Blockchain ausgegeben werden. Die Deckung soll durch private Sicherheiten (die bei Clearstream, dem Zentralverwahrer der Gruppe gebucht sind) erfolgen. Der Transfer von CollCo erfolgt sodann nach den Regeln der Eurex Clearing, dem zentralen Kontrahenten (Central Counterparty, CCP) der Gruppe, d.h. zusammen mit der Übertragung der Sicherheiten.

Bitcoin als Zahlungsmittel

Noch gar nicht angesprochen wurden bislang die ebenfalls auf der Blockchain zirkulierenden publikumsgängigen Zahlungsmittel – allen voran Bitcoin – die Anfang September eine Marktkapitalisierung von mehr als 170 Mrd. USD erreicht haben. Hinzugetreten sind jüngst die sogenannten Initial Coin Offerings (ICOs). Diese qualifizieren sich je nach Ausgestaltung bald als (unerlaubte) Entgegennahme von Einlagen, bald in der Nähe von klassischen Initial Public Offerings (IPOs) und haben in der Schweiz erst jüngst Reaktionen seitens der FINMA ausgelöst.
In meinem nächsten und letzten Beitrag gehe ich auf konkrete Projekte und Anwendungsbeispiele ein.

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