Screenshot der Webseite von swisspeers.ch
Bild: Screenshot der Webseite von swisspeers.ch, einem FinTech, das sich auf KMU-Kredite spezialisiert hat.

Die Digitalisierung verändert die Gesellschaft, die Wirtschaft und seit geraumer Zeit auch die Finanzwelt. Seit der Finanzkrise 2008 hat das Vertrauen der Bankkunden in das traditionelle Finanzsystem stark nachgelassen. Im Zuge der Digitalisierung haben sich zur gleichen Zeit auch die Kundenbedürfnisse verändert. Die Kunden möchten ihre Bank 24 Stunden an sieben Tagen die Woche online verfügbar haben.

In meiner Masterarbeit mit dem Titel „Der Einfluss der Digitalisierung auf das Kreditgeschäft mit KMU von Schweizer Banken“ wurden solche Effekte untersucht. Die Arbeit entstand im Rahmen meines Masterstudiums in Banking & Finance am Schweizerischen Institut für Finanzausbildung der Kalaidos FH. Vor allem im Firmenkreditgeschäft lässt sich ein neuer Trend feststellen. 

Branchenfremde Technologieunternehmen (FinTechs), haben die Gunst der Stunde genutzt. Manche von Ihnen haben sich mit Hilfe von Online-Plattformen auf einen Teilbereich der Wertschöpfungskette von Banken fokussiert. Diese FinTechs bieten den Kunden noch nie dagewesene Kundenerlebnisse an, ein hohes Mass an Transparenz, vollautomatisierte Prozesse und einen orts- sowie zeitunabhängigen online Zugang.

KMU-Kredite als lohnendes Feld für FinTechs

Dies verändert nicht nur das Private- und Retailbanking, sondern hinterlässt auch Spuren im Firmenkundengeschäft. So schufen FinTechs in der Schweiz mit Crowdfunding einen alternativen Kanal zur Kapitalbeschaffung für KMU. Crowdinvesting bietet KMU eine neue Möglichkeit zur Eigenkapitalfinanzierung und Crowdlending eine moderne Variante zur Fremdkapitalfinanzierung. Plötzlich haben Schweizer KMU die Möglichkeit Kredite aufzunehmen ohne eine Bank jemals kontaktiert zu haben.

Für die privaten oder kommerziellen Investoren, welche diese alternative Finanzierungsvariante durch ihre Investitionen erst ermöglichen, bietet Crowdfunding eine neue und gleichzeitig attraktive Anlageklasse, gerade in Zeiten volatiler Märkte und rekordtiefen Zinsen.

Banken verlieren an Boden

Banken bekommen in zwei wesentlichen primären Hauptfunktionen über den digitalen Kanal plötzlich branchenfremde Konkurrenz zu spüren. Da KMU in der Schweiz mit einem prozentualen Anteil von 99,6 Prozent an allen registrierten Firmen das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft bilden, hat das Kreditgeschäft mit KMU für Schweizer Banken eine zentrale Bedeutung. Um ihre Position auch zukünftig behaupten zu können, wäre es für die Schweizer Banken hilfreich, ihren Kundenfokus zu schärfen, digitale sowie transparente Kreditprozesse zu schaffen, digitale Beratungsplattformen einzurichten und massgeschneiderte Finanzierungslösungen für KMU anzubieten.

Die Strukturen der Banken sollten den neuen Stellenwert des Firmenkundengeschäfts besser reflektieren. Das vorhandene Kunden Know-how könnte beispielsweise in einer auf die Schweiz fokussierten Einheit gebündelt werden, um kundenspezifische Synergien effizienter zu nutzen und die Swissness wieder zu stärken. Paketlösungen bieten den Firmenkunden weder die geforderte Transparenz noch die gewünschte Individualität. Persönliche Beratungsgespräche durch Involvierung von kompetenten Fachspezialisten sowie Entscheidungsträgern bieten Unternehmern einen Mehrwert und drücken grosse Wertschätzung aus.

Fazit:
Falls Schweizer Banken sich den neuen Marktgegebenheiten nur unzureichend anpassen, laufen sie Gefahr, im so bedeutenden Firmenkundengeschäft schrittweise Marktanteile an branchenfremde Technologieunternehmen zu verlieren.

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