Wie erlebten Gesundheitsfachpersonen die erste COVID-Welle? Über welchen Wissenstand verfügten sie zu dieser Zeit? Welche physischen und psychischen Herausforderungen und Stresssituationen mussten sie stemmen? Lassen sich Lehren für weitere Wellen oder Pandemien ziehen und wenn ja, welche? Eine lesenswerte neue Studie der Careum Hochschule Gesundheit geht diesen Fragen nach.

Es ist ein hochaktuelles Thema: COVID-19 wirkt sich auf die physische und psychische Gesundheit von Gesundheitsfachpersonen aus und bringt Gesundheitssysteme an den Rand der Belastungsgrenze – oder gar darüber hinaus.

In diesem Zusammenhang lesenswert ist eine soeben erschienene Studie der Careum Hochschule Gesundheit. Die beiden Autoren, Dr. Marco Riguzzi und Shkumbin Gashi, führten in ihrer Studie «Lessons From the First Wave of COVID-19: Work-Related Consequences, Clinical Knowledge, Emotional Distress, and Safety-Conscious Behavior in Healthcare Workers in Switzerland» eine Querschnittsbefragung mit Schweizer Gesundheitsfachkräften durch.
Die Befragung fand im Sommer 2020 statt, also kurz nachdem die erste Welle von COVID-19 überstanden war und es zu Lockerungen kam. Die befragten Gesundheitsfachpersonen absolvierten einen Weiterbildungskurs bei Careum Weiterbildung oder hatten in den letzten Jahren einen solchen Kurs besucht. Alle hatten während der Pandemie direkten Patientenkontakt. Die vorliegende Studie ist die erste von zwei Untersuchungen zum Thema, die im Rahmen eines Forschungsprojektes durchgeführt wurden.

Aus der ersten Welle lernen

Im Zentrum der Befragung stand, über welches klinische Wissen Gesundheitsfachpersonen in der ersten Welle über COVID-19 verfügten, auf welche Wege sie sich Informationen beschafften, wie es um ihre emotionale Belastung und Risikowahrnehmung stand, wie sie Präventionsrichtlinien einhielten und wie sie ihre veränderte Arbeitssituation während der Pandemie bewältigten.

Die Studie zeigt psychosoziale Faktoren auf, die in Kombination die Gesundheit des Gesundheitspersonals während einer Pandemie beeinträchtigen können. Dabei handelt es sich nicht um spezifische psychologische Diagnosen oder psychische Beeinträchtigung wie Depression, Angst oder Burnout, sondern um ein breiteres Spektrum an Themen, die für das Wohlbefinden von Gesundheitsfachpersonen und ihre Handlungsfähigkeit wichtig sind. So emfanden z.B. viele der Befragten erheblichen emotionalen Stress. Dabei stand nicht die eigene Gesundheit im Zentrum, sondern sie sorgten sich mehr um ihre Patienten, um ältere Menschen und Familienmitglieder. Die meisten Teilnehmer sahen sich nicht nur mit einem Mangel an Schutzmaterialien konfrontiert, es fehlte auch an Personal, Strukturen, Prozessen und Notfallpläne.

Die Gesundheitsfachpersonen benannten zudem spezifische Lehren, die aus ihrer Sicht für die Bewältigung weiterer Pandemiewellen gezogen werden müssten, z.B. bessere medizinische Ausrüstung, ein besserer Schutz für die eigene psychische und physische Gesundheit, mehr (zugewiesenes) Personal, umfassendere Informationen über die Krankheitssymptome und ein System zur Frühwarnung.

Die Studie ist hier im Volltext downloadbar.

Literaturangabe

Riguzzi, M., Gashi, S. (2021). Lessons From the First Wave of COVID-19: Work-Related Consequences, Clinical Knowledge, Emotional Distress, and Safety-Conscious Behavior in Healthcare Workers in Switzerland. Frontiers in Psychology, 12:628033, February 9, 2021. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2021.628033

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Zum Forschungsprojekt COVID-19: Befragung von Studierenden im Gesundheitswesen

 

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