Rückblick Insight Bankentransformation 2/2017

Resilienz in Banken

Die Konferenzreihe „Insight Bankentransformation“ des Schweizerischen Instituts für Finanzausbildung (SIF) greift Themen auf, die das Banking von morgen massgeblich beeinflussen. Forschungsergebnisse und Best Practice-Beispiele werden managementgerecht und „ready-for-implementation“ präsentiert.

Die dritte Veranstaltung der Reihe stellte das Thema „Resilienz in Banken“ in den Mittelpunkt. Sie fand am 2. Februar 2017 an der Kalaidos FH in Zürich-Oerlikon statt. Der Anlass wurde von zahlreichen Mitarbeitenden von Banken sowie Fachexperten besucht.

Die zentralen Aspekte des Themas hatte Prof. Dr. Bernhard Koye, Leiter des Schweizerischen Institutes für Finanzausbildung und Moderator der Veranstaltung, in einem ausführlichen Beitrag auf der Blogseite „Banking und Finance“ beleuchtet. Das digitale Zeitalter stellt die Banken vor zahlreiche Herausforderungen. In diesem Kontext kommt Resilienz besondere Bedeutung zu: Resilienz ist die Fähigkeit, disruptive Veränderungen und eigentliche Schocks zu absorbieren. Für Banken beinhaltet sie die Fähigkeit, ihre Strukturen und Aktivitäten trotz langfristigem Stress, hohem Veränderungsdruck und Unsicherheit in Richtung zukunftsfähiger Geschäftsmodelle zu transformieren. Die zweite wesentliche Komponente ist die Agilität: Die Fähigkeit einer Organisation, flexibel, aktiv, anpassungsfähig und mit Initiative in Zeiten des Wandels und der Unsicherheit zu agieren.

Mit Methoden wie Design Thinking und Customer Journey können Banken die Entwicklung der Kundenbedürfnisse jedoch permanent monitoren. Für Koye ist auch das Zürcher Modell der kundenzentrierten Bankarchitektur ein wichtiges Tool, um die Kundenbedürfnisse in den Mittelpunkt der strategischen, strukturellen und auch kulturellen Analysen zu stellen und den Orientierungsrahmen für die agile Veränderung der Geschäftsmodelle zu erhalten. Auch in den einleitenden Worten zur Abendveranstaltung wies Prof. Dr. Bernhard Koye darauf hin, dass Agilität und Resilienz eine strategische, strukturelle und kulturelle Komponente enthalten.

Anschliessend präsentierte Prof. Dr. Stefanie Auge-Dickhut die zentralen Ergebnisse der Studie „Resilienz im Banking - Verfügen Schweizer Banken über ausreichende Widerstandskraft und Agilität um künftige Veränderungen zu meistern?“. Dabei zeigte sich, dass die Schweizer Banken insgesamt einen ausreichend hohen Resilienzwert erreichen, der allerdings knapp unter der Schwelle zu einer guten Bewertung liegt. Im Detail zeigt sich beispielsweise, dass Entscheidungen recht verbreitet von der Seniorität der Entscheider und erst anschliessend durch fachliche Qualifikation geprägt werden. Mit Blick auf Netzwerk und Beziehungen wiederum sind die Voraussetzungen für eine reibungslose Zusammenarbeit vorhanden.

Dann folgte der Vortrag „Agil macht stabil: Resilienz dank Vertrauen & Agilität“ von Beatrice Sidler-Gisler, Leiterin Marktsupport und Mitglied der Geschäftsleitung der Obwaldner Kantonalbank (OKB). Bei der agilen Arbeitsweise der OKB kommt demnach den Individuen und deren Zusammenarbeit ein höherer Stellenwert zu als den Prozessen und Tools. Im Fokus steht das kundenzentrierte Endprodukt und nicht lange Diskussionen über Dokumentationen oder Prozessreports. „Man muss den Mindset haben, um aus alten Denkmustern auszubrechen“, stellte Sidler-Gisler fest.

Danach referierte Mathias Herrmann, Member of the Executive Committee bei Daimler Financial Services. Sein Vortrag lautete „Resilienz - zurück zum Ausgangszustand?“ In den vergangenen 18 Monaten habe sich das Unternehmen mehr verändert als in den 20 Jahren vorher. VUCA (Volatility, uncertainty, complexity and ambiguity) gehört jetzt zum festen Vokabular des Managements. Er selbst als Risk Manager arbeitet zunehmend nicht mehr mit Rückwärtsoptik sondern vermehrt Predictive Analysis, wozu Twitter- oder Wirtschaftsdaten herangezogen werden.

Daimler Financial Services vereint mittlerweile eine ganze Reihe von Mobilitätsdienstleistern und -angeboten unter seinem Dach. Dazu gehören Apps wie moovel, welche die schnellste oder günstigste Transportmöglichkeit innerhalb von ausgewählten Städten findet. Damit möchte Daimler Financial Services beim Kunden schon dann präsent sein, wenn ein Mobilitätsbedürfnis entsteht. Dieses möchte man komplett abwickeln und alle damit zusammenhängenden Transaktionen übernehmen. Für Herrmann geht der Trend in die Richtung von Serviceplattformen, die immer weniger materielle Substanz haben.

Der Anlass endete nach einer kurzen Fragerunde mit einem reichhaltigen Apero, welcher der ideale Rahmen für vertiefende Gespräche war.

 

 
 
02. Februar 2017Programm
18:00 - 20:00
Jungholzstrasse 43, 8050 Zürich

Resilienz in Schweizer Banken