Rückblick Insight Bankentransformation 2/2016

Digitalisierung in Schweizer Banken

Die Konferenzreihe ‚Insight Bankentransformation‘ des Schweizerischen Instituts für Finanzausbildung (SIF) der Kalaidos Fachhochschule greift Themen auf, die das Banking von morgen massgeblich beeinflussen. Forschungsergebnisse und Best Practice-Beispiele werden managementgerecht und „ready-for-implementation" präsentiert.

Die zweite Konferenzdurchführung zum Thema ‚Digitalisierung im Banking‘ fand am 19. September 2016 in Zürich-Oerlikon statt und stiess auf breites Interesse, sowohl bei Mitarbeitenden von Banken als auch der Presse.

Konferenz INSIGHT Bankentransformation - Digitalisierung in Schweizer Banken 09/2016

Matthias Niklowitz (Head Research e-foresight, Reporter Schweizer Bank), Laura Meyer (Head of Digital Distribution, UBS Switzerland AG), Prof. Dr. Stefanie Auge-Dickhut (Forschungsleiterin SIF, Kalaidos FH), Felix Buschor (Bereichsleiter Service Center, Mitglied der Geschäftsleitung St. Galler Kantonalbank), Peter Bauer (Leiter Marketing, Luzerner Kantonalbank), Prof. Dr. Bernhard Koye (Institutsleiter SIF, Kalaidos FH)

„Wie gehen wir damit um, wenn der Kunde künftig im Mittelpunkt steht?“, fragte einleitend Konferenzleiter Prof. Dr. Bernhard Koye, Institutsleiter des SIF. Er wollte die Digitalisierung bei weitem nicht nur als Programm zur Effizienzsteigerung und Automatisierung von Bankprozessen verstanden wissen.

Nach den Einzelreferaten von Prof. Dr. Stefanie Auge-Dickhut (Forschungsleiterin des SIF), Felix Buschor (Bereichsleiter Service Center, Mitglied der Geschäftsleitung St. Galler Kantonalbank) und Laura Meyer (Head of Digital Distribution, UBS Switzerland AG) wurde das Thema in einer gehaltvollen Paneldiskussion unter der Leitung von Prof. Dr. Bernhard Koye mit berufspraktischen Erfahrungen der Teilnehmenden verzahnt. Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Apero, der den Rahmen für rege Diskussionen und lebhaften Austausch bildete.

Stefanie Auge-Dickhut präsentierte zur thematischen Einführung die Resultate einer noch nicht publizierten Studie des SIF zum Thema ‚Digitalisierung von Schweizer Banken aus Kundensicht‘. Diese untersuchte den Umgang der Kunden mit den bisherigen digitalen Bankangeboten. Es zeigte sich, dass zwar viele Kunden im Allgemeinen um die Existenz bestimmter Angebote wissen, nicht aber ob ihre Bank diese auch führt. Laut der Studie könnten deshalb folgende Massnahmen noch wesentliche Potenziale der Digitalisierung erschliessen:

a) eine allgemein verbesserte Aufklärung der Kunden über mögliche digitale Bankprodukte,

b) eine verbesserte Aufklärung der Bankkunden zum jeweiligen digitalen Angebot ihrer Bank,

c) eine verbesserte Analyse der Präferenzen der Kunden hinsichtlich Angebot und Angebotsdesign.

Die Differenz der Nutzungsintensität zwischen Social Media Plattformen und digitalen Bankangeboten kann den Banken einerseits Hinweise geben, wie sie ihre digitalen Angebote optimieren können. Auf der anderen Seite – vor allem auch im Hinblick auf die laufende dritte Welle der Digitalisierung im Bankenumfeld, der Schaffung von Technologieplattformen - zeigt sich aber auch, das mögliche Bedrohungspotential für Banken als Unternehmen, sollte einer der grossen Internetkonzerne konsequent Finanzdienstleistungen anbieten.

Felix Buschor schilderte in seinem Referat die Entwicklung der digitalen Strategie der St. Galler Kantonalbank. Seinen Worten nach sind die Kunden „immer flüchtiger“ und zunehmend bereit, rascher die Bank zu wechseln. Für die St. Galler Kantonalbank geht es bei ihrer digitalen Strategie vor allem um drei Ziele:

1) Wachstum: Stärkung der Position im eigenen Marktgebiet und nicht, wie andere Kantonalbanken, dadurch ausserhalb des angestammten Marktgebietes zu wachsen.

2) Innovation: Neue innovative Produkte stehen nicht ganz oben auf der Prioritätenliste. Zentral ist es als „Fast Follower“ potenziell gute neue Anwendungen rasch für die eigenen Kunden zugänglich zu machen, um diesen kein Wechselargument zu geben.

3) Transformation: Buschor betrachtet die time-to-market als zentrale Grösse im digitalen Banking. Man müsse unbedingt sehr umsetzungsstark und schnell sein, wenn ein neuer Trend aufkomme.

Für Buschor besteht der wesentliche Beitrag der Digitalisierung an die Ertragslage der Bank in einer Senkung der operationellen Kosten durch die notwendige Automatisierung. Die Ertragssteigerung durch neue Produkte ist wesentlich weniger bedeutsam. Für Buschor geht es vor allem darum, Effizienzpotenziale auszuschöpfen und bei neuen Trends dabei zu sein, damit die Erträge nicht wegen Margen- und Konkurrenzdruck wegbrechen.

Anschliessend präsentierte Laura Meyer die Eigensicht der UBS in der Welt des digitalen Bankings. Eingangs betonte sie, dass Banking nicht vollends digital werden dürfte. Die Kunden wollten auch in Zukunft verschiedene Kontaktkanäle zu ihrem Finanzdienstleistungsanbieter haben und nutzen können. Entsprechend setzt UBS darauf, viele digitale, aber auch filialgestützte Kontaktmöglichkeiten anzubieten. „Wir wollen ein Ökosystem für bankbezogene Angelegenheiten sein“, stellte Meyer fest. Wie das iPhone die Kamera, den Brief und den Notizblock in sich vereint habe, solle die Funktionalitätenbündelung idealerweise auch bei der UBS erfolgen. Meyer verwies auf den steten Strom digitaler Produktlancierungen in den vergangenen Jahren, insbesondere das kürzlich vorgestellte Digital Onboarding.

Ihr Konkurrenzumfeld gliedert die Bank in drei Gruppen:

1) Peers wie Postfinance oder Credit Suisse, die auf dem Markt eine starke Position einnehmen

2) Attacker wie Migrosbank, Glarner KB oder Twint, die zwar klein sind aber mit kompetitiven Angeboten am Markt auffallen

3) Traditionelle Player wie Raiffeisen oder Valiant, welche sich bisher nicht stark exponiert haben, nun aber wirkungsvolle Kooperationen eingehen können. Weil sie vergleichsweise viele Kunden haben, erfahren sie besondere Beachtung seitens UBS.

Meyer lobte schliesslich noch die stete Unterstützung des Senior Management und insbesondere die des kürzlich abgetretenen Schweiz-CEOs Lukas Gähwiler für die digitalen Bestrebungen der Bank.

Die anschliessend von Bernhard Koye moderierte Paneldiskussion führte zu vielen angeregten Fragen aus dem Publikum. Die anwesenden Bankvertreter betonten jeweils ihre „Fast Follower“ Strategie, wobei natürlich der Fokus der relevanten Innovatoren von UBS und St. Galler KB unterschiedlich gesetzt werden. Die Diskussion, ab wann die Einführung digitaler Produkte als erfolgreich angesehen werden kann, und wie Handlungsempfehlungen an die Geschäftsleitung und die Mitarbeiter zum erfolgreichen Handling der Digitalisierung aussehen könnten, wurde an diesem Anlass mit spannenden Einsichten und Aspekten der Anwesenden angereichert.

 
 
19. September 2016Programm
18:00 - 20:00
Jungholzstrasse 43, 8050 Zürich

INSIGHT BANKENTRANSFORMATION - Digitalisierung in Schweizer Banken