Die vorliegende Studie untersucht, wie weit die Industrialisierung bei Schweizer Banken fortgeschritten ist und ob nach Meinung der Befragten die Industrialisierung die Zukunftsfähigkeit der Banken unterstützen kann. Dabei wurde die Industrialisierung in die drei Schritte Standardisierung, Automatisierung und Spezialisierung unterteilt.

Nur eine Minderheit der Banken (41%) verfügt nach Einschätzung der Befragten über eine klare Industrialisierungsstrategie. Die Standardisierung der Prozesse ist bei allen Banken in einer mittleren Range (40-77%) ausgeprägt. Das Fundament für das Vorantreiben der Industrialisierung ist somit gelegt. Allerdings ist die Standardisierung nur im Bereich der Abwicklung schon wirklich weit fortgeschritten.
Die vorliegende Studie hat sich vor dem Hintergrund der aktuellen Margensituation und der Herausforderungen durch das digitale Zeitalter mit der Frage auseinandergesetzt, wie resilient und veränderungsfähig Schweizer Banken sind. Unter Resilienz wird die systemische Widerstandsfähigkeit gegenüber Störungen und Veränderungen verstanden. Hierbei wird zwischen einer proaktiven Form (Agilität) und einer reaktiven Form (Robustheit) unterschieden.

Es wurden drei Indikatoren zur Messung des Resilienz-Wertes von Banken herangezogen. Nachfolgend finden sich die Kernerkenntnisse in Bezug auf jeden Indikator.

Führung und Kultur: Die Entscheidungsstrukturen der Banken sind tendenziell noch stark hierarchisch geprägt. Mitarbeiter werden zwar zum Mitdenken aufgefordert, aber „out-of-the-box“-Denken wird mehrheitlich nicht belohnt. Das digitale Zeitalter bedingt eine Stärkung der Entscheidungsfindung entlang von fachlichen Verantwortlichkeiten. Diese strukturelle und kulturelle Agilität ist Voraussetzung für die zur Modernisierung der Geschäftsmodelle notwendigen Innovationsfähigkeit. Daher gilt es, das „out-of-the-box“-Denken formell und informell vermehrt zu fördern.

Netzwerke und Beziehungen: Die Banken sind im Tagesgeschäft gut in der Lage, bereichsübergreifend zusammen zu arbeiten. In Bezug auf die obenerwähnte strukturelle und kulturelle Agilität gilt es jedoch, unternehmensintern vermehrt Freiräume, Incentivierung und Vertrauen für die zukunftsfähige Umgestaltung der Geschäftsmodelle zu schaffen. Zudem ist die Erhöhung der externen Netzwerk- und Kooperationsfähigkeit auf technologischer, struktureller und kultureller Ebene eine entscheidende Grundvoraussetzung für die Zukunftsfähigkeit der Banken. Die Kompetenz zum Einbezug von Partnern zur Optimierung einzelner Elemente der Wertschöpfung wird noch als herausfordernd bzw. teilweise als noch nicht existent angesehen.

Veränderungsbereitschaft: Banken sind bereits sehr effizient in ihrem Tagesgeschäft. Grundsätzliche Veränderung wird aber noch als herausfordernd empfunden und oftmals als einmalige Abweichung vom Tagesgeschäft verstanden. Schon die Fähigkeit, einmalige Veränderungen zu managen, weist aus Sicht der Befragten Optimierungspotential auf. Die Kernherausforderung des digitalen Zeitalters ist darüber hinaus jedoch die Entwicklung von permanenter organisationaler Lern- und Veränderungsfähigkeit. Die Dualität von Tagesgeschäft und emergenter Strategieentwicklung, die Entwicklung agiler Prozesse und Kooperationsformen auf Augenhöhe sind Bausteine dieser zukunftsgerichteten Veränderungskompetenz von Firmen. Hier weisen die Banken noch deutliche Entwicklungspotenziale auf.

> Artikel in der Handelszeitung vom 06.07.2017 "Was Schweizer Bankern für die nächste Krise fehlt"

Institutsleiter
Bernhard Koye

Prof. Dr. Bernhard Koye

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Yves Schuster

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