Die Careum Hochschule Gesundheit forscht nicht über, sondern mit Menschen. Deshalb standen am Montag, 7. September 2020, sorgende Gemeinschaften im Zentrum. Ziel des eintägigen Workshops «Partizipative Gesundheitsforschung» war, die verschiedenen Formen partizipativer Forschung kennenzulernen. 

Der Workshop mit Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis und Interessierten aus der Bevölkerung, der im Rahmen des Doktorierendenprogramms «Emerging Health Care Leaders» (EHCL) stattfand, fand grossen Anklang. «Fruchtbare Vorträge und ein guter Austausch», «Informativer und bereichernder Austausch zu Fragen um partizipative Forschung im Gesundheitsbereich» so das Echo der Teilnehmenden.

Das EHCL ist ein innovatives Programm für Nachwuchsforschende, die im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Gesundheitsversorgung» (NFP 74) tätig sind. Erklärtes Ziel des NFP 74 ist es, eine starke Forschungsgemeinschaft aufzubauen, die weltweit führende Gesundheitsversorgungsforschung durchführt. Auch die Careum Hochschule Gesundheit hat mit dem Workshop ihren Beitrag dazu geleistet. 

Lebendiger Workshop

Der Workshop bestand aus Beiträgen von Expertinnen und Experten, Diskussionen und Arbeitsgruppen. Der Vormittag war geprägt von Vorträgen: Im ersten Vortrag erläuterte Prof. em. Dr. Jarg Bergold von der Freien Universität Berlin die Kennzeichen Partizipativer Forschung. So den Anspruch, soziale Wirklichkeit nicht nur zu verstehen, sondern sie zum Wohle benachteiligter Gruppen zu verbessern. Der zweite Vortrag von Erich Kohler gab Einblicke in die Aktivitäten des Projektes «Caring Community Living Labs» in Obfelden aus der Sicht eines beteiligten Co-Forschers. Den Abschluss machte Pflegefachfrau (MPH, MScN) Rachel Jenkins der Spitex Zürich Limmat. Sie beleuchtete die strukturellen Herausforderungen, denen Praxis-Organisationen in partizipativen Forschungsprojekten gegenüberstehen.

Am Nachmittag fand ein «Pro Action Café» statt. Hier standen der Austausch und das gegenseitige Lernen im Zentrum. Vier Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellten Herausforderungen aus eigenen partizipativen Projekten vor, die dann in wechselnden Kleingruppen diskutiert wurden. Da ging es um die Frage, wie Diversität unter den Beteiligten erreicht werden kann. Aber auch um zivilgesellschaftliche Gesundheitsinitiativen in deutschen Städten, um den Aufbau einer Wohngemeinschaft für Menschen am Lebensende und um die Durchführung partizipativer Prozesse in totalitär regierten Gesellschaften. 

Gemeinsames Lernen

Mit dem Workshop bot die Hochschule einen Raum für den Austausch und für gemeinsames Lernen über fachliche Grenzen hinweg – zwischen Wissenschaft, Bevölkerung und Fachpersonen aus der Praxis. Publikum wie Referentinnen und Referenten waren gemischt: einige Teilnehmende haben einen universitären Background, andere kommen von Fachhochschulen unterschiedlicher Disziplinen, sind in Gesundheitsberufen tätig oder aber privat in partizipativen Projekten organisiert oder daran interessiert, solche aufzubauen.

In der Schlussdiskussion wurde deutlich, dass partizipative Gesundheitsforschung ein Prozess ist. Kontinuierliches, gegenseitiges Lernens ist zentral. Die Organisatorinnen und Organisatoren brachten eine zentrale Frage hervor, um die sich partizipative Forschung eigentlich immer dreht: «Wie bringen wir Forschung auf die Strasse, nach Hause, ans Krankenbett, in die Schule?»

Heidi Kaspar
Erich Kohler
Rachel Jenkins

Zur Person

Dr. Jacqueline Suzanne Martin arbeitete seit 1987 am Universitätsspital Basel in diversen Führungsfunktionen, die letzten neun Jahre als Direktorin Pflege/MTT mit Einsitz in der Spitalleitung. Neben dieser operativen Tätigkeit übernahm sie Verwaltungsratsmandate zur strategischen Führung in Spitälern: von 2014 bis 2019 im Verwaltungsrat des Kantonsspitals Baselland und seit Januar 2020 im Verwaltungsrat der Universitären Altersmedizin Felix Platter in Basel. Zudem ist sie seit 2017 Member des Sciana Health Leaders Network. (Mehr erfahren)

Warum sich mit partizipativer Gesundheitsforschung beschäftigen?

Partizipative Forschung strebt nach demokratischeren Prozessen der Wissensproduktion, nach dem Motto «Keine Forschung über uns ohne uns». Zwar ist mittlerweile anerkannt, dass Interessengruppen in Forschungsprojekte involviert sein sollten. Dies wird in der Ausschreibung von Projekten oft eingefordert. Aber in der Praxis ist die Beteiligung längst noch nicht Standard. Die partizipatorische Forschungsagenda tatsächlich umzusetzen, ist sehr komplex und herausfordernd.

Das Forschungsteam «Ageing at home» der Hochschule Gesundheit

Das Forschungsteam der Careum Hochschule Gesundheit (Ageing at home) um Dr. Heidi Kaspar, Prof. Dr. Claudia Müller, Dr. Katharina Pelzelmayer, Anita Schürch, Karin van Holten und Shkumbin Gashi macht sich für Partizipative Ansätze in der Gesundheitsforschung stark. «Wir forschen nicht über, sondern mit Menschen», lautet die Devise der Forschenden. Ziel ist, die soziale Wirklichkeit, namentlich die Gesundheitsversorgung, zu verstehen und zu verändern, so dass sie besser zu den tatsächlichen Bedürfnissen passt.

Forschungsteam Ageing at home
Team Ageing at home: v. l. n. r. Anita Schürch, Katharina Pelzelmayer, Claudia Müller, Shkumbin Gashi, Heidi Kaspar

CareComLabs – Sorge für andere geht alle etwas an.
Kümmern wir uns darum!

Die Forschungsgruppe der Hochschule Gesundheit führt verschiedene partizipative Projekte durch. Eines davon ist «Caring Communities Living Labs». Auch bei umfassendem Unterstützungsbedarf möchten Menschen zu Hause wohnen. Um dies zu ermöglichen, entwickelt das Projekt gemeinsam mit den Menschen vor Ort innovative Modelle von Sorgenden Gemeinschaften. Ziel ist es, die häusliche Sorgearbeit auf mehrere Schultern zu verteilen, zum Beispiel durch nachbarschaftliche Netzwerke oder neue Unterstützungsangebote.

Im Rahmen dieses Projektes sind Forschende in verschiedenen Gemeinden und Quartieren im Raum Zürich und Bern dabei, mit Co-Forschenden, mit Freiwilligen aus der Bevölkerung, vor Ort Interviews zu führen und diese zu analysieren. So lässt sich besser verstehen, was Menschen, die in ihrem Alltag Unterstützung benötigen, tatsächlich brauchen. Bereits konnten erste Auswertungen stattfinden.

So hat eine Gemeinde im Kanton Bern während des Corona-Lockdowns in kurzer Zeit Unterstützungsangebote unter dem Label «Caring Communities» auf die Beine gestellt: Freiwillige haben alle älteren Menschen in der Gemeinde angerufen und sich nach ihrem Wohlergehen erkundigt. In einer anderen Aktion wurden Postkarten verteilt als Einladung, Bekannten eine persönliche Nachricht zu schicken.

Die Aktivitäten des Projektes stossen auf grosses Interesse: Es gibt Anfragen von weiteren Gemeinden, die «Caring Communities» initiieren möchten.


Mehr erfahren

Forschungsprogramm Caring Community Living Labs

Andere laufende Forschungsprojekte des Forschungsprogramms «Ageing at home»

 

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