Fachhochschule oder Uni: Same Same, but different!

Mittwoch, 18. September 2019

Sie haben das Recht zu schweigen …
… aber sie tun es nicht – sondern reden offen und direkt über das Studium an unserer Law School.

Senta Cottinelli

Kurzinterview mit Senta Cottinelli, Anwalt, Mitinhaberin & Partner bei Cottinelli Advokatur und Notariat GmbH, Dozentin an verschiedenen Bildungsinstituten

Ihr Aus- und Weiterbildungsportfolio umfasst beinahe alles, was das Schweizer Bildungssystem zu bieten hat: Von einer Berufslehre über das eidg. Diplom, einem Fachhochschulstudium bis hin zum Studium an einer Eliteuni. Welcher dieser Ausbildungsabschnitte hat Sie ganz speziell geprägt?
Ich kann das nicht an einer Ausbildungsinstitution festmachen. Mich haben hauptsächlich Mitstudentinnen und -studenten geprägt. Ich durfte während meiner ganzen Aus- und Weiterbildung spannende Menschen kennenlernen, mit welchen ich noch heute Kontakt pflege. Das Networking war extrem wertvoll. So habe ich auch heute, obwohl meine Kanzlei in St. Gallen ist, sehr viele Zürcher und Deutschschweizer Mandanten oder auch internationale Kunden, die ich zum Teil nur via Videokonferenz sehe.

Geprägt haben mich sicher auch die besondere Praxisnähe der Dozierenden und der Austausch mit praxiserprobten Studierenden an der Kalaidos FH. Wir waren sehr fordernd und kritisch, konnten uns – inklusive Lehrpersonen – dafür aber kontinuierlich weiterentwickeln, persönlich und fachlich.

Folgende Situation: Ihnen liegen zwei Praktikumsbewerbungen vor. Ein Bewerber mit universitärem MLaw, ein Bewerber mit Masterabschluss der Kalaidos Law School. Worauf würden Sie bei unserem Absolventen ganz speziell achten?
Als Unternehmerin mit viel Erfahrung in der Rekrutierung von juristischen Praktikanten lege ich besonderen Wert auf Praxiserfahrung. Welche Art Berufserfahrung spielt mir keine Rolle; wichtig ist nur, dass die Person weiss, was Arbeiten bedeutet! Diese Praxiserfahrung könnte bei Absolventen der Kalaidos Law School höher sein. Ich würde die Bewerbung aber so wie jede andere auch behandeln.

Auch eine gewisse Verbindung mit der Region ist mir wichtig, denn gute Praktikanten stelle ich später gerne als Anwälte ein. Der Notenschnitt des Masters sollte zwischen 4.5 und 5.5 liegen. Bei allem, was darüber liegt, frage ich mich, ob sich der Student/die Studentin auch Zeit für Sport, Pflege sozialer Kontakte oder eben für einen Nebenjob nimmt. Ich messe diesen Dingen einen hohen Stellenwert bei.

Angenommen, Sie wären in einer Art Beirat der Kalaidos Law School. Was wären Ihre ersten kritischen Inputs?
Ich würde mich noch stärker dafür einsetzen, dass der Fachhochschulabschluss überall als gleichwertig zum Universitätsabschluss anerkannt wird. Damit einher geht auch die Zulassung zur Anwaltsprüfung der Masterabsolventen der Law School. Ich habe die Fachhochschule und die Universität absolviert. Meiner Meinung nach müssen sich die Fachhochschulabsolventen keineswegs hinter den Uniabsolventen verstecken.

Und da ich im Bereich Schulrecht und Arbeitsrecht sowohl Bildungsinstitutionen als auch Studierende und Schüler/innen vertrete, wären mir überdies für beide Seiten transparente und faire Prüfungsprozesse wichtig.

 

Lesen Sie hier Teil 1 unserer Interviewserie mit Prof. Dr. Roland A. Müller
Lesen Sie hier Teil 2 unserer Interviewserie mit Prof. Dr. iur. Marco Donatsch
Lesen Sie hier Teil 3 unserer Interviewserie mit Dr. iur. Anna Plisecka