Plädoyer für das FH-Jus-Studium?

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Sie haben das Recht zu schweigen …
… aber sie tun es nicht – sondern reden offen und direkt über das Studium an unserer Law School.

Davide Passeri

Kurzinterview mit Davide Passeri, Head Legal & Compliance VZ Gruppe

Herr Passeri, Sie sind direkt nach Ihrem Jusstudium in die Privatwirtschaft eingestiegen. Was führte zu diesem Entscheid?
Genug studiert! Ich wollte möglichst rasch Praxiserfahrungen sammeln und die Bestätigung erhalten, dass meine Ausbildung die richtige Wahl war. Zusätzlich war ich natürlich motiviert, endlich beweisen zu können, dass ich mit meinem Bildungsrucksack in der Wirtschaft auch bestehen kann.

Wie würden Sie die Entwicklung der Komplexität hinsichtlich Legal & Compliance-Themen in Unternehmen beschreiben?
Durch die zunehmende Regulierungsflut wird die Unterstützung des Managements in Legal & Compliance-Themen immer komplexer. Dies, da in immer mehr unterschiedlichen Rechtsgebieten geprüft werden muss, ob ein geplantes Produkt oder eine Dienstleistung in der gewünschten Form überhaupt noch möglich sind ohne in Konflikt mit regulatorischen Vorgaben zu kommen. In der Folge werden auch die notwendigen Geschäftsprozesse immer komplexer und leider auch administrativer.

Die Komplexität führt meiner Ansicht nach jedoch auch dazu, dass Tätigkeiten im Legal & Compliance-Bereich weiterhin enorm abwechslungsreich und spannend bleiben. Ein Rückgang an neuen Regularien oder auch nur eine Reduktion von Anpassungen derselben ist nicht absehbar. Es gilt somit auch künftig viele interessante Herausforderungen zu meistern.

Geben Sie ein kurzes Plädoyer ab, warum man Rechtswissenschaften auch einer Fachhochschule studieren können sollte – respektive warum nicht?
Ob Studierende den Ausbildungsweg via universitäre Hochschulen oder via Fachhochschulen einschlagen, ist meines Erachtens sekundär. Wichtig ist, dass im Rahmen der Ausbildung die Grundlagen angeeignet werden können um danach Fragestellungen aus dem Legal & Compliance-Bereich sauber und effizient bearbeiten zu können.

Bei der Anstellung von neuen Mitarbeitenden war und ist es für mich jeweils weniger wichtig, an welcher Hochschule sie die Ausbildung abgeschlossen haben, sondern wie sie mit dem erworbenen Wissen umgehen. Und dass sie ein grosses Verständnis für Fragestellungen aus der Praxis mitbringen, ist ebenso relevant. Tendenziell sehe ich dabei die Fachhochschulen in einem Vorteil.

Lesen Sie hier Teil 1 unserer Interviewserie mit Prof. Dr. Roland A. Müller
Lesen Sie hier Teil 2 unserer Interviewserie mit Prof. Dr. iur. Marco Donatsch
Lesen Sie hier Teil 3 unserer Interviewserie mit Dr. iur. Anna Plisecka
Lesen Sie hier Teil 4 unserer Interviewserie mit Senta Cottinelli