Interview mit Business Analyst Patrick Bucheli

Aus der Praxis: Business Analyst Patrick Bucheli setzt den Fokus auf den Faktor Mensch

Im Rahmen unserer Interviewreihe haben wir diesmal mit Patrick Bucheli gesprochen. Patrick Bucheli (BScBA) ist seit rund 15 Jahren im Bereich Treuhand, Banken und Versicherungen tätig. Seit gut 5 Jahren arbeitet er als Business Analyst innerhalb eines internationalen Projektumfelds und übernahm dabei auch schon mehrfach fachliche Führungsaufgaben. Der 34-Jährige hat im Oktober 2015 sein Betriebswirtschaftsstudium an der Kalaidos FH mit Vertiefung Wirtschaftspsychologie erfolgreich abgeschlossen - neben seiner Vollzeitanstellung. Erfahren Sie in seinem Portrait wieso er als Business Analyst sich mit wirtschafts-psychologischen Themen beschäftigt. 

Was machen Sie seit Ihrem Studium der Wirtschaftspsychologie anders?

In meinem Beruf als Business Analyst und Projektmanager ist der Mensch ein zentraler Faktor. Durch mein wirtschaftspsychologisches Wissen verstehe ich Verhaltensweisen meiner Mitmenschen besser und bin mir meines eigenen Verhaltens bzw. meiner Wirkung bewusster geworden. Allgegenwärtige und dabei immer wieder interessante Phänomene wie z. B. Confirmation Bias oder kognitive Dissonanz fallen mir stärker auf. Zudem achte ich intensiver auf individuelle Bedürfnisse wie etwa denen nach Anerkennung oder Entwicklung und sehe Möglichkeiten diese Themen noch besser in einem Unternehmen umzusetzen.

Warum haben Sie sich entschlossen Wirtschaftspsychologie zu studieren?
Ich war von jeher ein sozial interessierter Typ. Die Assessments der beiden Berufsberatungen, die ich im Alter von 16 und 22 Jahren gemacht habe, ergaben bei mir jedes Mal die Empfehlung doch die berufliche Richtung Sozialpädagoge einzuschlagen. Daran hab ich mich nicht ganz gehalten, mein Interesse für den Faktor Mensch ist geblieben. Meiner Überzeugung nach stimmt langfristig bei allen, sei es Sachbearbeiter oder Topmanagement, nur dann die erbrachte Leistung, wenn auch persönliche Zufriedenheit, Arbeitszufriedenheit und Motivation stimmen. Mit dem Studium wollte ich mir das notwendige Wissen aneignen, um Verbesserungen in diesen Bereichen zu fördern.

Worin sehen Sie den Mehrwert von Wirtschaftspsychologie für Unternehmen?
Viele Unternehmen messen die Leistung Ihrer Mitarbeitenden an Lieferobjekten bzw. via Management by Objectives. Der Mensch, welcher hinter den Lieferobjekten steht, gerät durch diesen Fokus häufig in den Hintergrund. Dabei ist der Mitarbeiter die Grundvoraussetzung für jedes Lieferobjekt. Hier muss angesetzt werden. Methodische Kenntnisse können mittels geeigneter Schulungen vermittelt werden, Motivation aber steht und fällt mit der Qualität von Beziehung, Arbeitsplatzbedingungen und weiteren Faktoren. Die Wirtschaftspsychologie kann unter anderem genau hier helfen zentrale menschliche Bedürfnisse mehr in den Vordergrund zu rücken. Sie kann dem Management helfen das Potenzial der Mitarbeitenden langfristig abzurufen und sie nachhaltig an das Unternehmen zu binden.

Wie setzen Sie Ihr Know-how in Wirtschaftspsychologie konkret ein?
Oder anders gefragt: Wie integrieren Sie Inhalte, Methoden und Erkenntnisse aus Ihrem Studium in die Arbeit?

Das geht von der Berücksichtigung sozialpsychologischer Aspekte wie den charakteristischen Phasen der Teambildung bis hin zur Rollenverteilung innerhalb der Gruppe (“Wer positioniert sich wo und wie?“). Diese Erkenntnisse helfen mir mit den Beteiligten adäquat umzugehen und individuell auf sie einzugehen. Auch arbeitspsychologische Gesichtspunkte wie die Gestaltung eines Raumes oder organisationspsychologische Aspekte wie die Implikationen der Position eines Teams in der Linienorganisation treffe ich täglich an. Hier nutze ich meinen Wissenshintergrund, um möglichst ideale Bedingungen zu schaffen, wenn ich mit einer Gruppe Workshops durchführe. Mit Lernpsychologie habe ich ebenfalls täglich Berührung. Zu verstehen wie der Mensch lernt und wie er Erlerntes auch behält, unterstützt mich dabei anderen das Lernen leichter zu machen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus?
Zum Glück habe ich keinen typischen Arbeitsalltag. Der Berufsalltag auf Projekten ist geprägt von Unvorhergesehenem. Vor allem in der Anfangsphase von Projekten arbeite ich sehr viel mit Menschen, halte Workshops und muss im Anschluss die Ergebnisse zusammenfassen und visualisieren. Bei diesen Veranstaltungen geht es darum, die Anforderungen an eine Software bei allen Anspruchsgruppen abzuholen. Aufgrund von Gruppendynamik läuft das in der Realität dann gar nicht so rein rational ab wie es klingt und erfordert eine gewisse Sensibilität für Befindlichkeiten. Zudem teste ich die entwickelte Software auf Funktionstüchtigkeit und hinterfrage kritisch, ob sie den gewünschten Anforderungen entspricht.

Ressourcen einmal vorausgesetzt: Mit welchem Thema/Fragestellung würden Sie sich beruflich gerne einmal beschäftigen bzw. welches Thema möchten Sie vorantreiben?
Talentmanagement! Viele Unternehmen verfügen über äusserst talentiertes Personal, welches unabhängig vom Alter grosses Potenzial mitbringt. Diese Personen sind häufig sehr leistungsmotiviert und verfügen über hohe intrinsische Motivation. Ich würde gerne dazu beitragen, ihr Potenzial optimal auszuschöpfen, ihnen Entwicklungsmöglichkeiten anzubieten, sie zu motivieren und weiterzubringen. Wichtig ist mir dabei aber auch ein Umfeld zu schaffen, das geprägt ist von Offenheit für Neues, Vertrauen und Rückendeckung.

Wo sehen Sie aktuell die grösste Herausforderung in Ihrem Arbeitsfeld?
Unternehmen werden im Moment von Kostensparmassnahmen überschwemmt, was unglücklicherweise auch viele Entlassungen mit sich bringt. Die Personen, welche im Unternehmen bleiben können, sind deswegen häufig einem grösseren Druck ausgesetzt. Vor allem bei Projekten steigt der Kostendruck dadurch immens. Weil man einerseits gewisse Projekte nicht stoppen kann aber im Gegenzug häufig weniger Geld zur Verfügung hat und der Anspruch an den Lieferumfang und die Qualität konstant bleibt, was den Druck an das Individuum noch weiter erhöht.

In welchem Bereich der Wirtschaftspsychologie haben Sie vor Ihre Kenntnisse noch zu vertiefen?
Da ich mein Studium erst kürzlich abgeschlossen habe, plane ich aktuell keine Vertiefung. Grundsätzlich habe ich allerdings drei Themen, welche mich besonders interessieren: Arbeits- & Organisationspsychologie, Sozialpsychologie und Motivationspsychologie. Wie ich finde allesamt Themen, denen man im Berufsalltag täglich begegnet. Konkret würde ich gerne noch mehr über motivierende Arbeitsbedingungen, Wissensmanagement und Teamarbeit erfahren.

Haben Sie Tipps für unsere Studierenden der Wirtschaftspsychologie?
Plant Eure Freizeit und redet viel! Ich habe während des Studiums Vollzeit gearbeitet und spiele aktiv Handball. Ohne eine Planung meiner Freizeit, die mir meine Lernfenster gezeigt hat, hätte es nicht funktioniert, denn Stoff und Prüfungen sind gehaltvoll. Damit sich Partner, Freunde und Familie auf Eure Situation einstellen können, bittet frühzeitig und auch zwischendurch immer wieder um Verständnis.
Versucht das Besprochene im Berufsalltag wiederzuerkennen oder überlegt Euch, wie Ihr das Erlernte am besten in das eigene Unternehmen integrieren könnt! Das wird Euch helfen neues Wissen besser in Erinnerung zu behalten und wer weiss, vielleicht sogar einige Türen im eigenen Unternehmen öffnen.

Wir danken Patrick Bucheli für das Gespräch.

 

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