Hören wir richtig?

Montag, 9. November 2015

Nun ist es erforscht: Das Cembalo kann laut und leise. Doch hören wir es auch?

Es ist eine gängige Auffassung, dass das Cembalo aufgrund seiner Zupfmechanik kein dynamisches Spiel erlaubt. Entgegen dieser Annahme konnten wir auf einem 1788 von Pascal Taskin restaurierten Cembalo nachweisen, dass sich alleine durch die Anschlagtechnik hörbare Dynamikunterschiede spielen lassen – und zwar nicht nur beim Vergleich einzelner Töne, sondern in polyphonen Stücken. Denkbar also, dass mit Dynamikangaben versehene Werke aus der Blütezeit solcher Cembalos (d. h. Paris, zweite Hälfte des 18. Jh.) durchaus für Cembalo komponiert waren, und nicht ausschliesslich für Pianoforte.

Die Wahrnehmung dieser Dynamik ist nun aber abhängig von der Erwartung der Zuhörerschaft: Wenn man davon ausgeht, ein Stück ohne Dynamik zu hören, dann nimmt man die – physikalisch messbaren – dynamischen Unterschiede tatsächlich viel weniger wahr, als wenn man meint, es folge nun ein dynamisches Stück; so gemessen in einem Experiment mit rund 80 Personen. Voreingenommenheit beeinflusst also unsere Wahrnehmung der Musik – in der Psychologie nichts Neues, aber in diesem Kontext bisher noch nicht nachgewiesen.

Die Studie wurde durchgeführt in Kooperation mit dem Conservatorio della Svizzera Italiana und der University of Western Sidney.

Download der Studie