IAT-Experimente

Der Implizite Assoziationstest: Unbewusste Einstellungen entdecken

Ein Schwerpunkt unserer Forschung ist die Erkundung verborgener Einstellungen und mentaler Modelle. Diese basieren oft auf automatischen Assoziationen, die entweder dem Bewusstsein nicht zugänglich sind oder wegen sozialer Erwünschtheit nicht ohne Weiteres erfragt werden können. Falls Sie gerne mehr über unbewusste Assoziationen und Vorurteile erfahren möchten, auch über Ihre eigenen, so würde es uns freuen, wenn Sie an unseren aktuellen Studien teilnehmen würden. Sie unterstützen damit unsere Forschung und leisten einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung ungeklärter, aktueller Fragen.

Unsere aktuellen Untersuchungen

Haben Schweizer Vorurteile gegenüber Ausländern? Zusammen mit der Sendung «Einstein» des Schweizer Fernsehens waren wir auf der Strasse und haben Menschen nach ihren Vorurteilen gegenüber Ausländern gefragt und ihre bewussten Antworten dann mit den unbewussten Einstellungen verglichen. Der Implizite Assoziationstest (IAT) eignet sich auch hervorragend, um Markenpräferenzen und politische Einstellungen aufzudecken. Im IAT-Forschungsprojekt haben wir deshalb auch untersucht, ob die UBS oder die Raiffeisenbank das bessere Image hat. Zudem hatten unsere Versuchsteilnehmenden die Möglichkeit, ihre unbewussten Präferenzen für die Parteien SVP und SP auszuloten.

Einstein vom 11.03.2010

 

 

Der Implizite Assoziationstest - Informationen über das verwendete Testverfahren

Der Implizite Assoziationstest (IAT) wurde 1998 von Greenwald, McGhee und Schwartz entwickelt. Die Wissenschaftler suchten nach einer Möglichkeit, verborgene Assoziationen aufdecken zu können. Vorurteile bestehen zu einem grossen Teil aus solchen verborgenen Assoziationen. Deshalb lassen sich aus dem Vorhandensein von verborgenen Assoziationen Rückschlüsse daraus ziehen, ob jemand unbewusste Vorurteile hat.

Dies bedeutet aber nicht, dass man seinen unbewussten Assoziationen ausgeliefert ist. Vielmehr ist es so: Wenn man weiss, dass es unbewusste Vorurteile gibt, und wenn man motiviert und in der Lage ist, die Aktivierung entsprechender Stereotypen zu unterdrücken, so schafft man das in der Regel auch.

Dies ist der Hauptgrund, warum wir diese Untersuchungen durchführen: um den Menschen zu zeigen, dass sie unbewusste Assoziationen haben. Diese bleiben dem Bewusstsein verborgen und widersprechen möglicherweise dem eigenen Willen, doch sie lassen sich durchaus kontrollieren, wenn man über sie Bescheid weiss und motiviert ist, nicht vorurteilsbehaftet zu handeln.

Ein weiteres Ziel unserer Studien mit dem IAT-Verfahren ist die Überprüfung seiner weiteren Einsatzgebiete. Erste Versuche haben uns gezeigt, dass man unbewusste Einstellungen nicht nur gegenüber Menschen, sondern auch gegenüber Ländern, Firmen, Politikern, Parteien, Marken oder Berufsgruppen aufzeigen kann. Daraus ergeben sich mannigfaltige Möglichkeiten für die Erforschung der Rolle des Unbewussten im jeweiligen Zusammenhang.

Zur Funktionsweise des IAT

Das Prinzip des Impliziten Assoziationstests beruht darauf, dass Bilder und Wörter, die im assoziativen Gedächtnis eines Menschen gut zueinanderpassen, schneller verarbeitet werden können als solche, die nicht gut zueinander passen. In unserem Experiment über Vorurteile müssen Bilder von Ausländern auf die eine Seite des Bildschirms zugeordnet werden, Bilder von Schweizern auf die andere. Abwechselnd mit den Bildern müssen positive und negative Wörter zugeordnet werden. Wer jetzt Ausländer und Schweizer gleich schnell zuordnet, hat keine unbewussten Vorurteile. Wer jedoch länger braucht, um Ausländer und positive Begriffe zu verarbeiten, der hat unbewusste Vorurteile Ausländern gegenüber.

Warum verwenden wir klischeehafte Bilder von Ausländerinnen und Schweizern?

Für das Experiment war es entscheidend, dass die Bilder sofort und unmittelbar zur passenden Kategorie zugeordnet werden können. Dies gelingt nur mit Bildern, die dem gängigen Stereotyp entsprechen. Natürlich sind wir keinesfalls der Ansicht, dass die gezeigten Bilder ein repräsentatives Bild von Schweizern und Ausländerinnen abgeben. Dies ist nicht Gegenstand dieser Untersuchung. Diese Untersuchung dient stattdessen dazu, das prinzipielle Vorhandensein unbewusster Vorurteile und ihr Ausmass aufzuzeigen. Dies ist gelungen. Unsere Erkenntnisse dienen nun zur weiteren Erforschung von automatischen Assoziationen, Vorurteilen und deren Vermeidung.