Unaufmerksamkeitsblindheit (inattentional blindness) ist ein bekanntes Phänomen der kognitiven Psychologie: Etwas ganz Offensichliches wird übersehen, weil man sich gerade auf etwas Anderes konzentriert. Diesen Effekt im auditiven Bereich nachzuweisen, war Ziel dieser Studie, am Beispiel der Sonate für Geige und Klavier von W. A. Mozart (KV 296): Die Sonate wurde so eingespielt, dass in der Mitte des Stückes die Geige aufhörte und eine Flöte deren Stimme übernahm. Gleichzeitig wurden in der Klavierstimme „Fehler“ eingespielt, d. h. offensichtlich unpassende Noten wie Synkopen oder misstönende Harmonien. Wenn die Zuhörenden (Personen ohne musikalischen Hintergrund) nun die Aufgabe hatten, diese Fehler in der Klavierstimme zu zählen, überhörten 87% von ihnen den Wechsel von der Geige zur Flöte – ein Wechsel, den bei normalem Hören der Sonate (d. h. ohne Fokus auf dem Klavier) bloss ca. 40% der Zuhörenden verpassten. Das gleiche Experiment wurde auch mit Musikstudierenden durchgeführt, und von ihnen bemerkten alle den Wechsel, selbst wenn sie sich auf das Klavier konzentrierten. Diese Studie zeigt einerseits, dass Unaufmerksamkeitseffekte analog zum visuellen auch im auditiven Bereich existieren, und dass diese andererseits stark abhängig sind von der fachlichen Expertise der Zuhörenden.

Projekttitel

Inattentional Deafness and Expertise

Projektdauer

Mai 2013 – Sept 2014

Projektleitung

Dr. Sarah Chiller-Glaus

Leiterin Musikforschung
Sarah Chiller Glaus

Prof. Dr. Sarah Chiller-Glaus

Zum Profil
Forschung | Musik | Wirtschaftspsychologie
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