Young Carers: Neue Erkenntnisse

Mittwoch, 17. April 2019

Prof. Dr. Agnes Leu und ihr Team präsentierten erste Ergebnisse einer breit angelegten Befragung am BBZ Olten. Von über 2000 Teilnehmenden konnten 11 % als «Young Carers» identifiziert werden.

Forschungsteam Young Carers
Bild: Das Forschungsteam Young Carers (v.l.): Prof. Dr. Agnes Leu, Hannah Wepf,
Alexandra Wirth, Elena Guggiari, Sarah Rabhi-Sidler

Seit 2015 beteiligt sich die Gesundheitlich-Soziale Berufsfachschule GSBS des Berufsbildungszentrums Olten am Forschungsprojekt «Young Carers», das von der Careum Stiftung durchgeführt wird. Von Beginn weg war die GSBS involviert, da die Lernenden und Studierenden täglich mit dieser Problematik konfrontiert werden. Im Mai 2018 fand nun eine Vollerhebung am BBZ Olten statt, an welcher sich weit über 2000 Lernende der Schule beteiligten.

Das Ziel dieser breit angelegten Befragung am BBZ Olten war, Jugendliche und junge Erwachsene zu finden, die eine nahestehende Person mit gesundheitlicher Beeinträchtigung massgeblich und regelmässig unterstützen, um die Problematik besser verstehen zu können. Das Problem ist nämlich, dass sowohl in der Schweiz als auch in Europa nur wenige Erkenntnisse und kaum Unterstützungsangebote existieren.

11 Prozent als «Young Carers» identifiziert

Die Ergebnisse der Befragung am BBZ Olten wurden von Prof. Dr. Agnes Leu und ihrem Team in der Sansibar der GSBS präsentiert. Von insgesamt 2117 Teilnehmenden aus 153 Klassen konnten 11 % als «Young Carers» identifiziert werden. 39 % der Fragebogen deuteten darauf hin, dass eine nahestehende Person gesundheitliche Beeinträchtigungen hat. Die andere Hälfte der Jugendlichen hat keine Personen in ihrem Umfeld, die Unterstützung ihrerseits bedarf.

Die Hilfe der «Young Carers» wird meist für ein Familienmitglied oder eine sehr nahestehende Person erbracht. Das kann von emotionaler Unterstützung oder sozialer Begleitung über die Hilfe im Haushalt und im Alltag gehen. Administrative Aufgaben wie planen oder koordinieren sowie die Betreuung und Pflege in medizinischen Belangen gehören aber genauso dazu. Die Befragung zeigte, dass betroffene Jugendliche eher weniger zufrieden sind mit ihren Leistungen als die anderen Lernenden. Mehrheitlich fühlen sie sich zwar gut unterstützt, aber fast die Hälfte findet, dass sie im Betrieb oder in der Schule nicht ausreichend verstanden würde. Dies könnte, wie die Studie zeigt, auch daran liegen, dass sich die Jugendlichen eher nicht an Ansprechpersonen oder Beratungsstellen wenden.

Eine App als Unterstützung?

Eine Referentin der Careum Stiftung wagte einen Blick voraus und stellte eine App vor, welche aus den Interviews mit den «Young Carers» entstehen könnte. Das Problem, das europaweit besteht, ist allerdings, dass sich viele der Betroffenen nicht für Interviews zur Verfügung stellen wollen, auch wenn sie in der anonymen Studie als «Young Carers» erkannt wurden. Eine weitere Referentin stellte ein Buchprojekt vor, welches allen beteiligten Stellen als Ratgeber dienen kann. Die Entwicklung entsprechender Angebote für junge Menschen mit Unterstützungsaufgaben steht nun also konkret an, damit diese ihrerseits unterstützt werden können. Die Betroffenen und ihr Alltag sollen im Fokus stehen. Somit ist die Forschung bewusst partizipativ aufgebaut worden, um den Jugendlichen das zu geben, was diese wirklich brauchen.

Daniel Hofer, Rektor der GSBS, brachte es in seinem Schlussvotum noch einmal auf den Punkt. Der Grund für das Engagement in dieser Studie sei ein einfacher: Es gehe ihm darum, Verantwortung zu übernehmen, um die Bildungschancen aller zu erhöhen. Und hier sei das BBZ Olten die perfekte Schnittstelle.

Autor: Christoph Heinzmann, BBZ Olten

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