Digitalisierung

Extended Reality: Wie wir lernen und lehren

12. März 2020

In den letzten Jahren war eine exponentielle Beschleunigung bei der Entwicklung neuer Technologien zu beobachten. Damit einhergehend nahm auch die Bedeutung dieser neuen Technologien in Alltag und Arbeit zu. Während für diese Entwicklung noch kein Ende in Sicht ist, erzeugt sie zudem einen Digitalisierungsdruck, der Anpassungen erzwingt. Wie wir uns am besten anpassen bzw. lernen und wie die neuen Technologien das Lehren beeinflussen – darüber haben wir uns mit Fabrizio Palmas unterhalten. Der Spezialist für Extended Reality Training ist Creative & Technical Director bei straightlabs GmbH & Co. KG und Dozent an der Kalaidos Fachhochschule.

Fabrizio Palmas, Spezialist für Extended Reality Training

(Bild: Kalaidos FH)

Herr Palmas, wie können wir uns an die fortschreitende Digitalisierung anpassen?

Wie wir kommunizieren, wie wir lernen, wie wir arbeiten und wie wir, auch im Alltag, Informationen aufnehmen hat sich deshalb bereits verändert. Diese Vorgänge passen sich weiter an. Um uns im Arbeitsmarkt der Zukunft zurechtfinden zu können, müssen wir dazu bereit sein, uns kontinuierlich weiterzubilden, um unsere Kompetenzen und unser Wissen stets auszubauen. Wir alle, egal welchen Alters, werden Zeit und Energie in Upskilling- und Reskilling-Massnahmen, also Umschulung und Weiterbildung, investieren müssen.

Wie verändern die neuen Technologien das Lernen? Gehört die Aneignung von Wissen als Abspeichern von Fakten der Vergangenheit an?

Das aktuelle Geschehen (Corona-Ausbruch 2020) demonstriert uns mit Nachdruck, welchen Einfluss auch externe Faktoren auf unternehmensinterne Vorgänge - und somit auch Kunden und Geschäftspartner - haben können. Durch die sinnvolle Nutzung der Möglichkeiten neuer Technologien können wir derartigen Bedrohungen künftig besser vorbereitet entgegentreten und allzu gravierende Konsequenzen vermeiden. Im Kern wird aktives und zukunftsweisendes Lernen mit Hilfe dieser Technologien allerdings zu einem kontinuierlichen Lernvorgang in jeder Lebensphase. Auch wenn gespeichertes Faktenwissen nicht verschwinden wird, ist es bereits heute jederzeit online verfügbar, wenn man denn darauf zugreifen möchte. Daher verfügen wir bereits jetzt über eine Art „erweiterte Intelligenz“. Zukünftige Lernvorgänge werden sich an diese Gegebenheiten anpassen müssen. Meiner Meinung nach sollten wir Lernen als erfahrungsbasierten, konstruktiven Prozess verstehen, der sich an unseren Aufgaben und unserer Arbeit orientiert. Neuartige technologische Ansätze können in diesem Veränderungsprozess eine grosse Rolle spielen.

Studierende im CAS FH in Digital Marketing & Corporate Innovations erproben die Möglichkeiten von Extendend Reality

Studierende im CAS FH in Digital Marketing & Corporate Innovations erproben die Möglichkeiten von Extendend Reality (Bild: Kalaidos FH)

Wie genau wirkt sich die Nutzung dieser neuen Technologien auf die Lernenden aus?

Beim Eintauchen in virtuelle Trainingswelten fühlen sie sich (die Lernenden), als seien sie selbst aktiv in diesen Welten präsent. Dieses Gefühl wird Immersion genannt. Diese gesteigerte Wahrnehmung des Lernszenarios unterstützt den Transfer von Wissen. Praxisnahes Lernen, auch für die berufliche Aus- und Weiterbildung, wird in diesem Fall also realistisch erlebt. Um diesen Effekt bestmöglich nutzen zu können, verwenden wir Augmented-, Virtual und Mixed Reality. Sie werden unter dem Begriff der Extended Reality, oder xR, zusammengefasst. Das x steht hierbei auch für neue Technologien dieser Art, die uns möglicherweise in der Zukunft zur Verfügung stehen werden.

Fotorealistische Avatare in Virtual Reality

Fotorealistische Avatare in Virtual Reality (Bild: Fabrizio Palmas)

Welche Vorteile bringt das Lernen mit Hilfe von Extended Reality mit sich?

Der Vorteil liegt darin, dass komplexe Entscheidungen in diesen immersiven Lernwelten zwar realistische Konsequenzen nach sich ziehen, diese in der realen Welt jedoch ausbleiben. Somit können Arbeitserfahrungen mit Bezug zur Praxis gesammelt werden, welche sich dann leicht in der realen Welt anwenden lassen. Die Wirksamkeit lässt sich, durch eine beliebige Anzahl an Wiederholungen der Trainings in der digitalen Welt, durch effektive, realitätsbasierte Feedbacksysteme und nicht zuletzt durch die motivierende Wirkung dieser technologischen Umsetzungen optimieren.

Was bedeuten diese Veränderungen auf der anderen Seite für die Lehrenden?

Um von dieser neuen Art der der Kompetenz- und Wissensvermittlung optimal profitieren zu können, werden sie ihre digitalen Kompetenzen ausbauen und für eine angemessene Ausstattung mit didaktischen Angeboten sorgen müssen.

Wie sehen die Grundvoraussetzungen für die Anwendung dieser xR-basierten Lernvorgänge aus?

An erster Stelle wird hierfür der Mut zur Veränderung und der Wille, auch neue Formate effektiv umzusetzen, benötigt. Letztlich ist also eine offene Innovationskultur erforderlich. Nur auf Grundlage einer solchen Einstellung werden wir das Potenzial des Lernens mit neuen Technologien optimal abrufen können.

Herr Palmas, herzlichen Dank für das Interview.

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