Wirtschaftspsychologie

Digitalisierung und Weiterbildung

29. Januar 2020

Die Digitalisierung wird vermehrt dazu führen, dass Routinetätigkeiten durch moderne Technologien ersetzt werden. Eine Studie zeigt auf: Personen mit einem hohen Anteil an Routinetätigkeiten bilden sich seltener weiter. Dabei sind gerade ihre Berufe durch die Digitalisierung bedroht.

Slider Weiterbildung Digitalisierung
Die Digitalisierung bedroht vor allem Stellen mit einem hohen Anteil an Routinetätigkeiten (Symbolbild) 

Studie zu Digitalisierung und beruflicher Weiterbildung

Pascal Hess, Simon Janssen und Ute Leber (2019) vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung nahmen sich in ihrer Studie (2019) der Frage an, in welchem Ausmass sich Personen weiterbilden, deren Beruf durch die Digitalisierung bedroht wird. Nehmen diese Personen überdurchschnittlich an Weiterbildungen teil, um sich für die Zukunft zu wappnen? Oder gerade das Gegenteil, belegen sie weniger Weiterbildungen? Aus welchen Gründen?

Digitalisierung und Arbeitsmarkt

Die Autoren beschreiben, dass sich durch die Digitalisierung Branchen, Berufe und Anforderungen verändern. Um mit der digitalen Transformation Schritt halten zu können, gewinnen Weiterbildungen an Bedeutung. Dies gilt in besonderem Ausmass für Personen, deren Tätigkeit einen hohen Anteil an standardisierten Routinearbeiten aufweist. Diese sind am ehesten durch neue Technologien ersetzbar.

Personen mit viel Routinearbeiten bilden sich seltener weiter

Die Studie zeigt das Gegenteil von dem, was man sich erhoffen würde: Personen, deren Tätigkeit besonders durch die Digitalisierung bedroht ist, bilden sich seltener weiter. Während 41 Prozent der Personen mit geringem Anteil an Routinetätigkeiten min. einen Weiterbildungskurs im letzten Jahr besuchten, waren es gerade mal 27 Prozent in der Gruppe mit einem hohen Anteil an Routinetätigkeiten.

Diese Gruppe bildet sich nicht nur weniger häufig, sondern auch weniger intensiv weiter: Im Durchschnitt 24 Stunden/Jahr, während Beschäftigte mit wenig Routinearbeiten sich 41 Stunden/Jahr weiterbilden.

Seltenere Weiterbildung hängt nicht mit tieferer Qualifikation zusammen

Allgemein nehmen Personen häufiger an Weiterbildungen teil, je höher ihr Bildungsabschluss ist. Die Vermutung stand im Raum, dass Personen mit mehr Routineaufgaben niedriger qualifiziert sind und daher weniger oft Weiterbildungen machen. In der Tat waren Personen mit einem geringeren Anteil an Routinetätigkeiten deutlich höher qualifiziert. Die tiefere Weiterbildung in der Gruppe mit hoher Routinetätigkeit konnte aber nicht durch eine tiefere Qualifikation erklärt werden. Auch individuelle Merkmale wie Alter oder Migrationshintergrund tragen nur unwesentlich zur Erklärung der Unterschiede der Gruppen bei.

Betriebliche Merkmale relevant

Die Unterschiede in den Weiterbildungen konnten vor allem durch Merkmale des Betriebs erklärt werden. Ist ein Unternehmen aktiv im Bereich der Weiterbildung und gibt es zum Beispiel entsprechende Weiterbildungsvereinbarungen, dann nehmen mehr Personen an Weiterbildungen teil. Noch wichtiger ist die Unterstützung des Betriebs bei Weiterbildungen. Sei es durch die zumindest teilweise Übernahme der Kosten und/oder die Freistellung der entsprechenden Tage. Allerdings scheint auch dann zu gelten, dass Personen mit mehr Routineaufgaben weniger von diesen Angeboten profitieren und sie weniger oft in Anspruch nehmen.

Weiterbildungen sind gerade in Berufsbildern, die durch die Digitalisierung bedroht sind, sowohl für Berufstätige als auch den Arbeitgeber zentral. Weiterbildungen und Fördermöglichkeiten sollten im Betrieb sollten möglichst gut aufgezeigt werden – mit einem spezifischen Augenmerk auf Berufsbilder, die es eventuell in ein paar Jahren nicht mehr so geben wird wie heute.

Weiterführende Informationen und Quellen:

Hess, P., Janssen, S. & Leber, U. (2019). Beschäftigte, deren Tätigkeiten durch Technologien ersetzbar sind, bilden sich seltener weiter. IAB-Kurzbericht 16/2019. Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Verwandte Artikel