Steuerrecht

STAF 2020: Eine Herausforderung (2/2)

09. Dezember 2019

Im ersten Teil unseres Beitrags zur STAF 2020 hat unser Autor Achilles Wellis ausgeführt, wie die Statusgesellschaften, welche ihr Steuerprivileg aufgeben müssen, die zukünftige Mehrbelastung bei der Gewinnsteuer abfedern können. Der zweite Teil unseres Beitrags widmet sich der Kapitalsteuer.

Leeres Sitzungszimmer

Bis anhin steuerlich privilegierte Gesellschaften müssen sich Gedanken machen, wie sie die STAF umsetzen wollen. (Symbolbild)

In den meisten Kantonen profitierten die Statusgesellschaften von tieferen Kapitalsteuern. Mit der Einführung der STAF jedoch heben die meisten Kantone die privilegierte Kapitalbesteuerung auf. Bei der Aufdeckungsmethode ist zu beachten, dass in den meisten Kantonen die steuerlich aufgedeckten stillen Reserven bzw. der Goodwill bei der Bemessung des steuerbaren Eigenkapitals als versteuerte stille Reserven zu berücksichtigen sind. Im Zeitpunkt der steuerwirksamen Abschreibung der versteuerten stillen Reserven reduziert sich auch die Bemessungsgrundlage für die Kapitalsteuer. Bei der Sondersatzmethode erfolgt keine steuerbilanzielle Aufdeckung und somit erhöht sich auch die Bemessungsgrundlage für die Kapitalsteuer nicht.

Ermittlung der stillen Reserven bzw. des Goodwills

Sowohl bei der Aufdeckungs- als auch bei der Sondersatzmethode sind die stillen Reserven bzw. Goodwill anhand einer anerkannten Bewertungsmethode zu ermitteln. Die Wahl der Bewertungsmethode ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Zulässig sind sowohl vergangenheitsbezogene wie z. B. die im Kreisschreiben 28 der SSK ausgeführten Methoden, als auch zukunftsorientierte wie z. B. die Ertragswert- oder die DCF-Methode. Die angewandte Bewertungsmethode muss das Geschäftsmodell angemessen berücksichtigen und die Annahmen müssen realistisch und nachvollziehbar sein.

Bei der Wahl der Bewertungsmethode sollte darauf geachtet werden, dass diese zweckmässig eingesetzt werden kann. Somit führt bei einem Unternehmen mit steigendem Wachstumspotential und geplanten Veränderungen eine zukunftsorientierte Bewertungsmethode zu einem aussagekräftigeren Ergebnis als die Anwendung einer vergangenheitsbezogenen Methode, vorausgesetzt, dass die zugrundeliegenden Planzahlen zuverlässig ermittelt werden können. Bei der Bewertung der stillen Reserven bzw. des Goodwills ist insbesondere Folgendes zu beachten:

  • Eine steuerunwirksame Aufwertung von Immobilien zum Verkehrswert ist nicht möglich, da Erträge aus schweizerischem Grundeigentum bereits vor dem Statuswechsel zum ordentlichen Satz besteuert wurden. Die Immobilen müssen deshalb für die Bewertung der stillen Reserven bzw. des Goodwills ausgesondert werden.
  • Bei qualifizierten Beteiligungen von mindestens 10% dürfen die stillen Reserven höchsten bis zu den Gestehungskosten steuerunwirksam aufgedeckt werden, sofern der Gewinnsteuerwert unter den Gestehungskosten liegt (wiedereingebrachte Abschreibungen). Eine Aufwertung zum Verkehrswert ist aus steuersystematischen Gründen nicht möglich, da die positive Differenz zwischen dem Verkehrswert und den Gestehungskosten bei einer späteren Veräusserung dem Beteiligungsabzug unterliegt.
  • Immaterielle Vermögenswerte können grundsätzlich zum Verkehrswert für die Bewertung berücksichtig werden. Dieser kann entweder über eine Kapitalisierung der Erträge oder über Wertvergleiche von Gütern ermittelt werden.

Der Goodwill ist ein wichtiger Bestandteil des Unternehmenswertes und reflektiert die positiven Zukunftserwartungen wie z. B. den Kundenstamm, Know-how, Reputation des Unternehmens sowie die Qualität der Mitarbeitenden und des Managements. Bei einer reinen Holdinggesellschaft wird es im Gegensatz zu einer gemischten Gesellschaft in der Praxis schwierig sein, einen entsprechenden Goodwill nachzuweisen. Die eigentlichen Aufgaben einer Holdinggesellschaft ist das Halten und Verwalten von Beteiligungen sowie die Wahrnehmung der Konzerninteressen. Entsprechende operative Erträge fehlen.

Die stillen Reserven auf den übrigen Vermögenswerten können grundsätzlich steuerunwirksam aufgedeckt werden.

Bei der Bewertung ist zu beachten, dass nur die bisherige steuerfreie Quote an den stillen Reserven und am Goodwill für die steuerunwirksame Aufdeckung bzw. Feststellung qualifizieren. Bei einer reinen Holdinggesellschaft beträgt die steuerfreie Quote, unter Berücksichtigung der oben genannten Besonderheiten, grundsätzlich 100%. Bei den Domizil- bzw. gemischten Gesellschaften enstpricht diese Quote dem Umfang der bisherigen Auslandquote.

Die vom steuerpflichtigen Unternehmen angewandte Bewertung der aufgedeckten stillen Reserven bzw. des Goodwills sowie die Wahl der Übergangsmassnahme sind mittels eines entsprechenden Vorbescheids (Steuerruling) rechtzeitig, d.h. grundsätzlich vor Einreichung der Steuererklärung 2019, der kantonalen Steuerverwaltung mitzuteilen. Die Steuerverwaltung prüft das eingereichte Steuerruling, wobei sie sämtliche Aspekte hinterfragen sowie vertiefte Abklärungen durchführen kann.

Statuswechsel: Übergangsmassnahmen 2020 – ein kantonaler Vergleich

Die unten aufgeführte Tabelle vermittelt anhand von ausgewählten Kantonen einen Überblick der in Bezug auf den Statuswechsel anwendbaren Übergangsmassnahmen ab 1.1.2020 unter Einbezug der kantonalen Gewinn- und Kapitalsteuersätze:

Slider-sr-1194-Grafik 

Fazit

Ob nun die Aufdeckungsmethode oder die Sondersatzmethode zu einem steuerlichen besseren Ergebnis führt, hängt von verschiedenen Faktoren ab und kann nicht abschliessend beurteilt werden. Die Aufdeckungsmethode ist aber in denjenigen Kantonen attraktiver, wo die stillen Reserven bzw. der Goodwill während 10 Jahren steuerwirksam abgeschrieben werden können. Dabei ist aber zu beachten, dass für eine solche lange Abschreibungsdauer genügend aufgedeckte stille Reserven bzw. Goodwill vorhanden sein sollten. Einzelnen Kantone wie z. B. Zürich erlauben auch eine Kombination der Sondersatzmethode für die ersten 5 Jahre (2020-2024) mit der Aufdeckungsmethode für die restlichen 5 Jahre (2025-2029), wobei die stillen Reserven bzw. der Goodwill je hälftig auf die beiden Methoden aufgeteilt werden.

Nicht nur die Wahl der Übergangsmassnahme muss gut überlegt sein, sondern auch die Anwendung einer zweckmässigen Bewertungsmethode für die Ermittlung der stillen Reserven bzw. des Goodwills ist entscheidend. Dies erfordert nicht nur eine frühzeitige Analyse der bestehenden Unternehmens- bzw. Gruppenstruktur, sondern auch eine möglichst zuverlässige Planung der nächsten 5 bis 10 Jahre.

# # #

Thema: Steuerrecht

Autor: Achilles Wellis

Datum: 09. Dezember 2019

Schlagworte: Step-up, Unternehmenssteuer

Verwandte Artikel