HR und Leadership

Perfekte Passung bei der Talentgewinnung

11. Dezember 2019

Wer es versteht, die grössten Potentiale aus dem authentischen Kern von Mitarbeitenden zu erkennen und diese im Zuge des stetig wachsenden Fachkräftemangels voll zu entfalten, gewinnt in mehrfacher Weise: Mitarbeitende, welche mit Begeisterung ihre Potentiale in sinnstiftenden Jobs entfalten und mit maximaler Energie das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft katapultieren. Denn der authentische Kern von Mensch und Unternehmen ist gleichzeitig die grösste Quelle für eine klare Differenzierung, Innovation und echtes Wachstum. Um dies zu erreichen, ist nicht nur inspirierende Führung, sondern auch ein Perspektivenwechsel in der Auswahl von Talenten notwendig: Fokus weg von der Qualifikation hin zu Sinn und Begeisterung eines jeden einzelnen. 

Wenn Talente und Anforderungen perfekt passen

Wenn Talente und Anforderungen perfekt passen (Symbolbild)

Einige Fakten stützen diese Behauptung. Gemäss einer persönlichen Studie von Heike Engel-Wollenberg (2017) besitzen weniger als 50 Prozent aller Menschen ein klares Bild über ihre Berufung, sprich grösstes Potential. Von denjenigen, die eigentlich wüssten, welches ihre Berufung ist, setzen weniger als 10 Prozent der Befragten diese auch wirklich in die Tat um. Folglich sitzen viele Menschen in Jobs, die weder Spass machen noch irgendeinen Sinn stiften. Dies bestätigen auch Gallup-Studien (2018): Zwei Drittel machen nur Dienst nach Vorschrift, 15 Prozent haben sogar schon innerlich gekündigt.

Die Konsequenz daraus: Mitarbeitende und folglich Unternehmen erreichen nur einen Bruchteil der notwendigen Energie, um ihre Höchstleitung und letztlich Erfüllung zu erreichen. Eines der entscheidenden Ziele ist es somit, die grössten Potentiale zu erkennen und Jobs zu schaffen, welche diese in voller Kraft entfalten. Führungskräfte müssen also nicht nur Talente aufspüren, sondern Rahmenbedingungen schaffen, damit letztere ihr grösstes Potential leben.

Potentialentfaltung trotz null Erfahrung!

Wie geht man am besten vor, um dieses Ziel zu erreichen? Bereits vor mehr als 20 Jahren bin ich intuitiv auf eine mögliche Lösung gekommen. Beim Bau eines grossen Wasserkraftwerkes im Jahre 1994 war ich als junger Abteilungsleiter gezwungen, einen Experten für den Bau einer riesigen unterirdischen Kaverne zu finden. Doch die letzten grossen Kavernen in der Schweiz waren in der Hochblüte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts gebaut worden. Als Konsequenz war ich gezwungen, im Zuge des bereits damals herrschenden Fachkräftemangels, wie wir heute in vielen Branchen sehen, unkonventionelle Wege zu gehen. Also lud ich Bewerber ein, die zwar aus artverwandten Berufen stammten, doch nicht über die notwendigen Qualifikation oder Erfahrung verfügten. Für mich war klar, dass nur diejenigen Kandidaten den Job erfolgreich ausüben konnten, welche eine grosse Begeisterung für die Aufgabe zeigten. Intuitiv entschied ich mich trotz aller Warnungen für einen Kandidaten, der NULL Erfahrung vorwies, jedoch hungrig genug war, um die fehlenden Skills zu lernen.

Während des 10-jährigen Baus des Kraftwerkes entpuppte sich der Kandidat als enormes Talent und entwickelte sich zu einem der gefragtesten Experten auf seinem Gebiet. Dieses Prinzip bestätige sich immer und immer wieder, als ich hungrige Menschen in Jobs katapultierte, die es ihnen ermöglichte, ihre Potentiale zu entfalten. Gleichzeitig stellte sich natürlich auch das Gegenteil ein: Unzufriedene Mitarbeitende, welche allmählich ihre wahre Berufung entdeckten, verliessen das Unternehmen, um sich anderswo oder -weitig besser zu entfalten. Obwohl der Abgang solcher Mitarbeitender anfänglich schmerzte, entstand eine Win-Win-Situation: das Unternehmen machte Platz für Mitarbeitende, die wirklich in die Kultur und zur Aufgabe passten, und diejeinigen, die das Unternehmen verliessen, hatten die Chance, anderswo ihre berufliche Erfüllung zu leben. Die Konsequenz sind letztlich begeisterte Menschen, die kraftvolle Unternehmen gestalten. In Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels und Unternehmen, welche nach Innovation schreien sowie immer mehr Menschen, welche nach beruflicher Erfüllung suchen, gilt das Erfolgsprinzip: Begeisterung und Sinn schlägt Qualifikation.

Neues Mindset für die Führung und Rekrutierung

Folgende Ratschläge sind für einen neuen Führungs- und Rekrutierungsmindset hilfreich:

  1. Nicht das CV oder entsprechende Aus-/Weiterbildungen, welche oft falsch oder fremdgesteuert gewählt wurden, sondern Sinn und Begeisterung sind entscheidende Kriterien.
  2. Die Kernessenz eines Jobs definieren: Welche Aufgaben und Kernelemente enthält der Job? Wie passt dieses zum authentischen Kern des idealen Kandidaten / der idealen Kandidatin? Handelt es sich um Aufgaben, in welchen die Kandidaten/Kandidatinnen aufblühen und ihre Potentiale, die sie allenfalls noch gar nicht kennen, voll entfalten können?
  3. Mut zur Lücke: Sollten Qualifikation oder Erfahrung fehlen, steht Prinzip 1 im Vordergrund (Begeisterung und Sinn).
  4. Umdenken der Vorgesetzten: Potentiale erkennen und entfalten erzeugt Kreativität, Innovation und beschleunigtes Wachstum.
  5. Wer sich als Vorgesetzter mit seinen eigenen Potentialen und der Berufung auseinandergesetzt hat, lernt diese Prinzipien professionell anzuwenden.
  6. Als Vorgesetzte/r im Bewerbungsgespräch sich mit dem Ansatz der inspirierenden Führung (Potentiale wecken, visionär denken) klar differenzieren und Top Kandidaten anziehen.
  7. Mut, die "besten" Mitarbeitenden ziehen zu lassen, falls sie anderswo glücklicher werden. 

 

Quellen und weiterführende Informationen

Gallup Institut Deutschland, Engagement Index 2018.
Engel-Wollenberg, H. (2017). Die eigene Berufung finden. Berlin: Budrich inspirited.

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Thema: HR und Leadership

Autor: Andreas Dudas

Datum: 11. Dezember 2019

Schlagworte: Rekrutierung, Führung, Führungskraft

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