Banking und Finance

Generierung von Geschäftsmodellinnovation (2/2)

02. Dezember 2019

Nachdem wir vorgängig bereits über mögliche Grundsätze im Hinblick auf die Geschäftsmodellinnovation berichtet haben, beschäftigt sich dieser Beitrag mit drei bewährten Methoden. Diese werden idealerweise parallel angewendet, da sie einander ergänzen und das Unternehmen aus unterschiedlichen Perspektiven auf mögliche Innovationen hin untersuchen.

Generierung von Geschäftsmodellinnovation

Generierung von Geschäftsmodellinnovation (Symbolbild)

Die Szenariotechnik – Geschäftsmodellinnovation auf Basis von Trends

Ausgehend von den Trends, die im Trendradar ihren Niederschlag gefunden haben und gleichzeitig das Geschäftsmodell in hohem Ausmass beeinflussen, werden alternative Szenarien abgeleitet, die jeweils unterschiedliche Ausprägungen der erhobenen Trends darstellen. Für jedes der Szenarien wird im Anschluss daran ein Geschäftsmodell erarbeitet. Veränderungen im Geschäftsumfeld können somit frühzeitig antizipiert und adressiert werden.

Das Unternehmen kann aktiv mit der Umsetzung jenes Geschäftsmodells beginnen, von dem es glaubt, dass es in Zukunft relevant werden wird. Alternativ besteht die Möglichkeit reaktiv vorzugehen, indem der Markt beobachtet wird und das Geschäftsmodell erst dann aus der Lade gezogen wird, wenn der Markt in die prognostizierte Richtung geht.

Customer Experience Design – Kundenbedürfnisse im Fokus

Bei dieser Methode, deren Ursprung im Marketing liegt, wird der Fokus auf die speziellen Bedürfnisse einzelner Kundengruppen gelegt. Ein Hersteller beliefert beispielsweise Grosshandelsmärkte, oder Einzelhändler, welche direkt einkaufen. Für jede dieser Kundengruppen wird nun anhand ausgesuchter Kunden ein „Customer Experience Design“ erstellt, das sämtliche Berührungspunkte und Probleme dieses Kunden mit dem Unternehmen im Verlauf einer Customer Journey dokumentiert. Auf diese Weise können Ansatzpunkte zur Verbesserung des Kundennutzens aufgedeckt werden, woraus neue, massgeschneiderte Geschäftsmodelle entwickelt werden können:

  1. Auswahl einer spezifischen Zielgruppe
  2. Detaillierte grafische Beschreibung der Kundenreise (Customer Journey)
  3. Beschreibung der Berührungspunkte und Systeme „on stage" (persönlicher oder sonstiger Kontakt mit einer Person) und „backstage“ (beispielsweise eine App, die im Hintergrund unterstützt, jedoch kein Personenkontakt zustande kommt.)
  4. Hinzufügen der Kundeneinstellung
  5. Identifikation von Problemen und Chancen

 

Insbesondere Unternehmen mit homogenen Kundenbedürfnissen profitieren von diesem Ansatz, da mit der Erstellung eines „Customer Experience Design“ für jede einzelne Kundengruppe jene Transparenz geschaffen werden kann, die es möglich macht, die Bedürfnisse und den erwarteten Nutzen der verschiedenen Kundengruppen zu identifizieren.

Kreative Imitation bestehender Geschäftsmodelle

Über 90 Prozent aller Geschäftsmodellinnovationen beruhen laut einer Studie der Universität St. Gallen auf der Rekombination von 55 Geschäftsmodell-Patterns. Durch kreative Imitation werden diese Geschäftsmodell-Muster systematisch mithilfe von Pattern Cards und dem Business Model Navigator auf das eigene Unternehmen angewendet.

Dabei kann man entweder nach dem Similarity Prinzip vorgehen und jene Pattern Cards auf das eigene Geschäftsmodell anwenden, die diesem am ähnlichsten sind. Oder aber man wählt nach dem Contrasting Prinzip Pattern Cards, die mit dem eigenen Geschäftsmodell sehr wenig zu tun haben. Das mag bei manchen Pattern Cards gänzlich aussichtslos wirken, bei anderen jedoch entstehen Geschäftsmodelle mit hohem Innovationsgrad. Bei dieser Methode ist daher ein Ansatz gefragt, der grundsätzlich alles für möglich hält.

Fazit
Kostengünstige Geschäftsmodell-Prototypen in Verbindung mit den richtigen Kunden und die kontinuierliche Testung anhand von Hypothesen bilden die entscheidende Grundlage für die erfolgreiche Geschäftsmodellinnovation. Es ist daher von äusserster Wichtigkeit, in diesen Phasen vom Prototypen weg zu denken.

Thema: Banking und Finance

Autor: Kevin Schneebeli

Co-Autor: Prof. Dr. Bernhard Koye

Datum: 02. Dezember 2019

Schlagworte: Innovation, Geschäftsmodell, Entwicklung

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