HR und Leadership

Mehr Begeisterung für künstliche Intelligenz

18. November 2019

Noch vor kurzem befürchteten Arbeitnehmende durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) ihren Job zu verlieren. Nun scheint der Wind in eine andere Richtung zu drehen. Immer mehr Mitarbeitende erkennen das Potenzial von KI. Vielerorts ist gar eine Begeisterung für die neue Technologie spürbar. Diese deutliche Veränderung in der Wahrnehmung von KI in der Arbeitswelt gehört zu den Hauptergebnissen einer internationalen Studie von Oracle, die in Zusammenarbeit mit dem Forschungsunternehmen Future Workplace mit über 8‘000 teilnehmenden Personalern, Vorgesetzten und Mitarbeitenden durchgeführt wurde.

Die Akzeptanz von künstlicher Intelligenz nimmt zu.

Die Akzeptanz von Künstlicher Intelligenz nimmt zu (Symbolbild)

Künstliche Intelligenz bietet Chancen für Mitarbeitende

Der Einzug von KI in den Unternehmen schreitet stetig voran: Während noch vor einem Jahr nur jeder Dritte bei der Arbeit in irgendeiner Form mit künstlicher Intelligenz involviert war, trifft dies 2019 für jeden Zweiten zu – so die aktuelle Studie von Oracle. Als "aufregend", "optimistisch" und "dankbar" bezeichnen 65 Prozent der Studienteilnehmenden die Zusammenarbeit mit Robotern bzw. Chatbots. Diese optimistische Grundhaltung betrifft nicht nur die Anwendung von KI. Knapp die Hälfte der Befragten glauben, dass KI in Zukunft auch Chancen für Arbeitnehmende bietet. Dazu gehören: neue Fähigkeiten zu erwerben, eine strategischere Rolle wahrzunehmen und mehr Freizeit zu gewinnen. Das ist ein grosser Sprung von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das Vertrauen in die künstliche Intelligenz nimmt zu

Das Verhältnis zwischen Mitarbeitenden und Vorgesetzten scheint sich zugunsten der Roboter zu bewegen. So geben knapp zwei Drittel der Befragten an, eher einem Roboter als dem eigenen Vorgesetzten zu vertrauen. Gut vier von fünf Befragten denken, dass Roboter in der Lage sind, bestimmte Arten von Arbeiten besser als ihre Vorgesetzten zu erledigen. Die Hälfte haben schon einmal einen Roboter statt ihren Vorgesetzten um Rat gefragt.

Die traditionelle Rolle der Führungskraft wird in Frage gestellt

Offensichtlich gehört die Rolle des allwissenden Vorgesetzten und Problemlösers der Vergangenheit an: Roboter übertreffen laut der Studie menschliche Chefs deutlich, wenn es gilt, unvoreingenommene Informationen bereitzustellen,  Probleme zu lösen und für die Einhaltung von Arbeitszeiten zu sorgen. Dagegen sind Vorgesetzte besser als Roboter darin, die Gefühle ihrer Mitarbeitenden wahrzunehmen, sie zu coachen und eine positive Arbeitskultur zu schaffen.

Besorgnis über Komplexität und Datensicherheit verhindert vollständige Akzeptanz von KI

Eine vollständige Akzeptanz gegenüber der künstlichen Intelligenz ist trotz der Erwärmung für KI und deren positiven Auswirkungen auf die Arbeitnehmenden noch nicht garantiert. Eine Mehrheit der Befragten findet es schwierig, mit dem Tempo des technologischen Wandels bei der Arbeit mitzuhalten. Die Anwendung von KI gestalte sich als zu komplex. Viele bevorzugen die Zusammenarbeit mit Menschen gegenüber der Interaktion mit einer Maschine. Auch stehen zahlreiche Bedenken im Raum: die Furcht vor Datenlecks in den Unternehmen und der Verlust an Privatsphäre der Arbeitnehmenden.

Fazit

Die zunehmende Begeisterung für die Anwendung von künstlicher Intelligenz ist eine gute Nachricht sowohl für Führungskräfte als auch Mitarbeitende. Dank der KI können Vorgesetzte von administrativen Tätigkeiten wie Planung, Budgetierung und die Erstellung von Berichten entlastet werden. Sie gewinnen mehr Zeit und Energie für unerlässliche Führungsaufgaben wie die Entwicklung von Strategien und Talenten, die direkte Kommunikation mit ihren Mitarbeitenden, den Aufbau von neuen Fähigkeiten und leistungsstarken Teams.

Dennoch: Um den besten Nutzen aus der KI zu gewinnen, gibt es noch viel zu tun – nicht nur für die KI-Experten sondern auch für das HR und die Führungskräfte. Es gilt, die Komplexität zu reduzieren, einfachere Benutzeroberflächen herzustellen und individualisierte Schulungen für Anwender/innen anzubieten. Arbeitgeber müssen Ethik-Regeln zur Entwicklung und Nutzung der künstlichen Intelligenz aufstellen und ihren Arbeitnehmenden erklären. Zudem müssen Mitarbeitende die Möglichkeit haben, Sicherheitsbedenken bezüglich Unternehmens- oder persönlichen Daten anzusprechen. Wollen Unternehmen Innovationen vorantreiben und neue Märkte erschliessen, heisst es, sich schnell zu bewegen und die Akzeptanz von KI zu fördern.

Quellen und weiterführende Informationen

Oracle & Future Workplace (2019): AI@Work Study: From Fear to Enthusiasm – Artificial Intelligence is Winning more Hearts and Minds in the Workplace.

PWC (2017). Sizing the prize. PwC’s Global Artificial Intelligence Study: Exploiting the AI Revolution.

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