Banking und Finance

Methoden zur Geschäftsmodellinnovation (1/2)

27. November 2019

Obschon der Geschäftsmodellinnovation zahlreiche Vorteile und hohe Komplexität anzurechnen sind, existieren heute kaum Methoden und Tools, diese systematisch und durchgängig zu planen, entwickeln und umsetzen zu können. Welche bewährten Methoden sich in Bezug auf die Innovation von Geschäftsmodellen strukturiert kombinieren lassen, um bestehende Geschäftsmodelle zu visualisieren, Ideen für neue Geschäftsmodelle zu generieren und diese zu implementieren, erfahren Sie in dieser Beitragsreihe.
Geschäftsmodellinnovation

Geschäftsmodellinnovation (Symbolbild)

Methoden zur Visualisierung und Bewertung Geschäftsmodells

Die Ausgangsbasis zur Entwicklung eines neuen Geschäftsmodells bildet die Visualisierung und anschliessende Bewertung des bestehenden Geschäftsmodells mittels Stresstests.
Grafische Darstellung des aktuellen Geschäftsmodells
Je nach gewünschtem Detaillierungsgrad kann das Geschäftsmodell anhand des Business Model Navigator Konzepts der Universität St. Gallen, als auch anhand der weltweit bekannten Methode des Business Model Canvas von Alexander Osterwalder und Yves Pigneur erfolgen.

Der Business Model Navigator beschreibt das Geschäftsmodell aus einer Metaperspektive unter Verwendung von vier Dimensionen:

  • Wer sind die Zielkunden?
  • Was ist der Nutzen?
  • Wie wird der Nutzen geschaffen und geliefert?
  • Wie verdient das Unternehmen Geld?

Die Methode ist weniger detailliert als das Business Model Canvas und eignet sich als Einstieg in das Thema, insbesondere auch dann, wenn ein Unternehmen noch nie mit Geschäftsmodellinnovation in Berührung gekommen ist oder der zeitliche Rahmen für die Durchführung einer Analyse sehr eng gesetzt ist.

Business Model Canvas

Für einen tieferen Einblick in das Geschäftsmodell ist das Business Model Canvas-Konzept die Methode der Wahl. Spätestens jedoch wenn es um das Design eines neuen Geschäftsmodells oder um das Testing geht, sollte man mit dem Business Model Canvas arbeiten. Es ist etwas umfassender als das vorgenannte 4 Dimensionen-Konzept und erlaubt einen höheren Komplexitäts- und Detaillierungsgrad. Es beschreibt das Geschäftsmodell in neun Blöcken, welche sowohl die Angebotsseite (Kundensegmente, Wertversprechen, Kundenkanäle, Kundenbeziehungen, Einnahmenstruktur) als auch den Bereich der Infrastruktur (Schlüssel-Ressourcen, -Aktivitäten, -Partner, Kostenstruktur) abdecken.

Stresstest: Wo besteht Handlungsbedarf?

In einem weiteren Schritt werden auf Basis der Visualisierung des Geschäftsmodells die einzelnen Bereiche bewertet, Stärken und Schwächen herausgearbeitet und kritische Faktoren identifiziert. Das Geschäftsmodell kann jedoch nicht isoliert von seiner Umwelt betrachtet werden. In der Umfeldanalyse werden daher relevante Trends in den Bereichen Markt, Branche, Technologie, Gesetzgebung und Gesellschaft mittels Mitarbeiter- und Expertengesprächen sowie Primär- und Sekundärrecherchen erhoben und deren Auswirkungen auf das Geschäftsmodell analysiert.

Fazit
Egal, welche Kreativitätstechniken zum Einsatz kommen, um Geschäftsmodell-Alternativen zu generieren – die wichtigste Methode im Prozess der Geschäftsmodellinnovation ist das Trial and Error Testing. Im nächsten Beitrag dieser Reihe werden weitere Methoden gezeigt und konklusionsartig zusammengefasst, sodass Orientierung entstehen kann. Bleiben Sie dran.

Verwandte Artikel