Banking und Finance

Entwicklungen im FinTech Markt

05. November 2019

Die Schweizer FinTech-Landschaft hat den Schritt vom Hype in die Realität geschafft. Ende des vergangenen Jahres gab es 356 Jungunternehmen im Bereich der Finanztechnologie. Ein Jahr zuvor waren es noch 220. Zudem floss 2018 ein Rekordwert an Kapital in die junge Branche. Darunter befinden sich sehr erfolgreiche, stark wachsende Gesellschaften.
Make, Buy or Partner – Financial Technology
Entwicklungen im FinTech-Markt (Symbolbild)

Die Start-ups stehen hierbei stellvertretend dafür, was die Digitalisierung der Finanzindustrie bedeuten kann. Sie nahmen einen uralten Prozess und digitalisierten ihn, indem sie mit überschaubaren Ressourcen eine benutzerfreundliche Plattform bauten. Dadurch schufen sie nicht nur ein neues, einfacheres Kundenerlebnis. Indem sie mithilfe von Technologie Schritte und Drittparteien aus den Prozessen herausnahmen, sorgten sie für Transparenz und senkten die Kosten.

Schnellboote vs. Supertanker

Während sich die Schnellboote des Finanzplatzes prächtig entwickeln und in neue Gewässer vordringen, sind die alten Supertanker – Banken und Versicherungen – vor allem mit sich selbst beschäftigt. Die Regulierungskosten steigen, die Zinsen bewegen sich nahe dem Rekordtief, die Margen sinken, und der Wettbewerbsvorteil Bankgeheimnis gegenüber dem Ausland ist längst dahin. Die Zahl der Finanzhäuser sinkt seit zehn Jahren.

Die Digitalisierung, die ein Ausweg aus dem schleichenden Niedergang sein kann, steht zwar auf der Prioritätenliste der meisten Bank-CEOs ganz oben, doch ein Tanker lässt sich eben nur behäbig steuern. Viele schaffen es bis heute nicht, eine simple, benutzerfreundliche Mobile-Banking-App aufzusetzen. Sie schlagen sich mit einer veralteten IT und einer Filialstruktur herum, die entweder von Grund auf modernisiert oder zurückgebaut werden muss.

Hilfe von den Start-ups

Dabei spielt die Digitalisierung nach Schweizer Modell zumindest momentan noch für die Banken. Die Regulierung setzt die Hürde für Neueinsteiger hoch. Der Schweizer Markt ist klein, sodass Start-ups, die sich an ein breites Publikum wenden, es schwer haben, schnell gross zu werden. Schweizer wechseln nur sehr selten die Bank, die Bereitschaft, Tech-Unternehmen wie Google, Amazon oder Facebook Geld anzuvertrauen, ist gering. Die meisten Fintech-Unternehmen in der Schweiz bieten ihre Dienste direkt den Banken an, die dadurch die Möglichkeit erhalten, relativ günstig und rasch ihr Angebot transparenter, günstiger und benutzerfreundlicher zu gestalten. Zwar ist seit Anfang des Jahres die neue Banklizenz „light“ in der Schweiz in Kraft. Doch es muss sich erst noch zeigen, ob FinTech-Start-ups nun mehrheitlich danach greifen.

Enger Spielraum

Denn der Rahmen ist eng gesteckt, es dürfen nur Publikumsgelder unter 100 Mio. CHF angenommen werden, Anlage und Verzinsung sind untersagt. Zudem müssen ähnliche regulatorische Vorgaben wie für Banken erfüllt werden. Manches Start-up, das auf eine Bankeninfrastruktur angewiesen ist, kooperiert da lieber mit einer Bank – wie es beispielsweise die Mobile-Banking-App Neon mit der Hypothekarbank Lenzburg tut.

Fazit - Die Blockchain erhebt sich

Aktuell profitierten vor allem die Fintech-Start-ups aus dem Bereich der Blockchain-Technologie. Sie sprossen in den vergangenen zwei Jahren wie Pilze aus dem Boden und bilden mit 34% mittlerweile das Gros der Szene. Ihnen bietet die Ausgabe einer eigenen Kryptowährung (Initial Coin Offering, ICO) einen Finanzierungsweg, vorbei an den traditionellen Wagniskapitalgebern. 2017 kam durch ICOs in der Schweiz eine Fabelsumme zusammen. Dann brachen die Kryptowährungen ein, und mit ihnen das ICO-Kapital.

Viele in der Blockchain-Szene sehen darin ein heilsames Gewitter, das seriösen Projekten den Durchbruch in den Mainstream ebnen soll. So haben als Erste die Blockchain-Start-ups Alethena und Mt Pelerin ihre Aktien auf die Blockchain gebracht, Tokenisierung heisst hier der Fachausdruck. Das Liechtensteiner Start-up Crowdlitoken ist gerade dabei, selbst eine Obligation auf der Blockchain zu emittieren. Damit will es zum Pilotprojekt an der Swiss Digital Exchange (SDX) werden, einer neuen Tochter der Schweizer Börse.

Themen: Banking und Finance, Digitalisierung

Autor: Kevin Schneebeli

Co-Autor: Prof. Dr. Bernhard Koye

Datum: 05. November 2019

Schlagworte: FinTech, Digitalisierung, VUCA

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