HR und Leadership

Modell des motivierten Unternehmens (1/3)

02. Oktober 2019

„Wie kann ich mein Team bloss mehr motivieren…? Ich habe schon alles versucht, Teambuilding Events, Friday Beer, Bonuszahlungen, kostenloses Obst in der Küche… Aber irgendwie scheint sich nie etwas wirklich zu ändern…“ Diesen oder sehr ähnliche Sätze höre ich nur allzu oft von Unternehmern, die eigentlich gerne morgens ins Geschäft kommen würden, um ein motiviertes, diszipliniertes und eigenverantwortliches Team vorzufinden. Woran liegt es also und was kann man anders tun?

Was motiviert Mitarbeitende wirklich?

Was motiviert Mitarbeitende wirklich? (Symbolbild)

Zunächst möchte ich einmal kurz auf den Unterschied von intrinsischer und extrinsischer Motivation zu sprechen kommen. Kennen Sie eventuell schon, aber dennoch hier eine kurze Definition: 

  • Intrinsisch heisst, dass wir von uns aus motiviert sind, keine weitere Hilfe benötigen, da wir unsere Befriedigung und Freude aus dem Verrichten der Tätigkeit selber ziehen.
  • Extrinsisch im Gegenzug dazu heisst, dass es Faktoren gibt, die sich unserer Kontrolle meist entziehen, die uns zu motivieren versuchen, etwas Bestimmtes zu tun. Es handelt sich also um eine externe Quelle, die uns eine gegebene Aufgabe schmackhaft machen soll. 

Warum Manager oft zur Rübe oder Peitsche greifen

Nun ist es so, was dem einen eine Freude ist, ist des anderen sein Kreuz. Aber nehmen wir als Beispiel die Erstellung einer Analyse mittels Excel-Tabellen. Für mich persönlich eine Freude und es weckt sofort meine intrinsische Begeisterung. Andere benötigen in diesem Fall sicherlich eine vorgehaltene Mohrrübe, um sich an das Excel Sheet zu setzen. Oder eben die Peitsche. Die Rübe steht für finanzielle Anreize, ein Lob oder zum Beispiel Auszeichnungen und Titel. Dagegen stellt die Peitsche im besten Falle die Kritik des Chefs dar, oder gar eine angedrohte Kündigung. Das also, Rübe und Peitsche, sind extrinsische Hilfsmittel, um von anderen Personen das zu erreichen, was wir wollen. Das Knifflige dabei ist allerdings, dass die entstandene Motivation sich nicht um die Sache selber dreht, sondern vielmehr um das Erreichen der Rübe oder das Verhindern der Peitsche.

Aber jenseits von Rübe und Peitsche, von extrinsischen Hilfsmitteln also, wie soll man es denn sonst anstellen, seine Mitarbeitenden für ihre Arbeit zu begeistern…? Die Antwort ist ganz einfach: Es geht nicht. Entweder die Arbeit motiviert sie, oder eben nicht.

Es gibt zwei alternative Wege die man einschlagen kann: Entweder unmotivierte Mitarbeitende durch extrinsische Faktoren beeinflussen oder ein Team aus intrinsisch motivierten Mitarbeitenden aufbauen. Der zweite Weg ist ohne Frage der langfristig bessere, aber er ist eben auch ein langer. Deshalb wählen auch heute noch viele Manager den Weg Nummer eins. Ein Problem daran ist zum Beispiel, dass sich extrinsische Motivatoren schnell abnutzen und die Mitarbeitenden wieder in Demotivation verfallen, dafür aber die Kosten steigen. Ein weiterer negativer Effekt ist, dass extrinsische Motivation die kognitiven Fähigkeiten des Menschen einschränkt. Kognitive Fähigkeiten umfassen im weitesten Sinne alles was mit Denken, Verstehen und Wissen zu tun hat. Welcher Unternehmer möchte diese Fähigkeiten also ernsthaft eingeschränkt wissen…?

Wie man die Motivation im Team aufbaut und hält

Wollen Sie mit Ihrem Team langfristige gute Resultate erzielen, geht es nur über den zweiten Weg: ein Team aus motivierten Mitarbeitenden aufbauen. Dazu reicht es aber nicht, motivierte Mitarbeitende einzustellen, sondern es ist notwendig, ein Arbeitsumfeld aufzubauen, das die richtigen Mitarbeitenden anzieht und die Motivation im Weiteren nicht zerstört. Wie macht man also das?

Wie Daniel Pink in seinem Klassiker „Drive“ beschrieben hat, fusst intrinsische Motivation auf drei Säulen: Beweggrund, Autonomie und Kompetenz. Wie sind diese zu verstehen und wie können Unternehmen diese zusammen mit der extrinsischen Motivation zunutze machen, um ein dauerhaft motiviertes Team aufzubauen? Im unteren Modell zum motivierten Unternehmen habe ich die elf intrinsischen und die drei extrinsischen, das heisst insgesamt 14 Disziplinen zusammengetragen, die den bestmöglichen Effekt haben, ein dauerhaft motiviertes Team aufzubauen und zu halten. 

Modell des motivierten Unternehmens

Modell des motivierten Unternehmens (Grafik: Jörg Lahmann)

Intrinsisch

Beweggrund: Wir brauchen einen Grund, warum wir etwas machen. Das kann Spass sein, aber auch aus anderen Motiven bestehen wie helfen, aufbauen, lernen, gewinnen etc.

  • Warum – Der Existenzgrund des Unternehmens
  • Leitprinzipien – Die drei bis sieben Eigenschaften, die die Unternehmenskultur definieren
  • Polarstern – Das langfristige Ziel des Unternehmens
  • Kommunikation – Die Weitergabe von Informationen im Unternehmen

Autonomie: Das heisst, einen Gestaltungs- oder Entscheidungsfreiraum zu haben. Sind wir dessen beraubt, verlieren wir schnell die Motivation an den Dingen. Das sogenannte Micro-Management ist der Killer jeder intrinsischen Motivation.

  • Was – Was das Unternehmen macht
  • Organigramm der Verantwortlichkeiten – Struktur, Stellen, Verantwortungen
  • Leadership – Fünf verschiedene Führungsstile und ihre Auswirkungen
  • Prioritäten – Autonomie und Fokus für 90 Tage

Kompetenz: Ein gewisses Mass an Kompetenz muss vorhanden oder schnell zu erreichen sein, um Motivation aufrechtzuerhalten. Die eventuelle Anfangsmotivation in Dingen, in denen wir schlecht sind, hält meist nicht lange vor.

  • VWK – Verstehen. Wollen. Können.
  • Einstellungen – Wie stellt man wen ein.
  • Fortbildung – Nur wer sich bildet, bleibt kompetent.

Extrinsisch

Auch extrinsische Motivatoren haben einen positiven Effekt, vor allem Anerkennung und das Umfeld. Bei Vergütungen gilt die Regel „weniger ist mehr“.

  • Anerkennung – Worte, die motivieren
  • Vergütung – Der Effekt des Geldes
  • Umfeld – Ein schöner Fleck zum Arbeiten

Wie schon gesagt, kein einfacher oder schneller Weg, aber einer der sich lohnt. Am Ende steht ein motiviertes Team, das einfacher zu managen ist, effektiver und produktiver ist. Mit einem Satz, es macht Spass. Es erfordert allerdings ein Umdenken, dass Motivation nicht ein Schalter ist, den man umlegen kann, sondern eine Reise, die seine Zeit braucht, und die auch nie zu Ende sein wird.

Begleiten Sie mich auf der Reise? Im zweiten Artikel geht es um Autonomie: Prioritäten setzen für die nächsten 90 Tage.

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Quellen und weiterführende Informationen

Pink, D. (2012). Drive: The Surprising Truth About What Motivates Us. New York: Riverhead Books. 

Thema: HR und Leadership

Autor: Jörg Lahmann

Datum: 02. Oktober 2019

Schlagworte: Teamerfolg, Teamkultur, Teamentwicklung, Führung

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