Banking und Finance

New Banking - mehr als eine App

28. Oktober 2019

Millionen Kunden schenken neuen Fintech-Angeboten ihr Vertrauen. In einigen Märkten wie dem Markt UK haben die neuen Wettbewerber bereits zweistellige Prozentanteile der Branchenumsätze erobert. Doch ist das schon die beschworene Banken-Disruption?Bankdienstleistungen auf Basis von IT-Infrastrukturen – Banking-as-a-ServiceNew Banking - mehr als nur eine App (Symbolbild)

Wer verdient Geld?

Sicher, die Erfolgsgeschichten und Entwicklungen der neuen Unternehmen sind beeindruckend:

  • Die Rekord-Fundings und -Bewertungen sowie immer grösseren internationalen Expansionsschritten bei N26 (nach der letzten Finanzierungsrunde über 260 Millionen Euro lag die Bewertung bei 2,3 Milliarden Euro),
  • Übernahme der MHB-Bank durch Raisin,
  • Kooperationen, wie die zwischen der solarisBank und Alipay bei der Abwicklung chinesischer Payments im deutschen Handel.

Doch so sehr diese Beispiele auch schillern mögen und eine neue Finanzwelt heraufbeschwören, so wenig entsprechen sie den tatsächlichen Marktanteilsentwicklungen und -prognosen. Selbst im Spitzensegment der Konsumentenkredite dürften 2020 lediglich 5,5 Prozent erreicht werden, bei Girokonten gerade 0,5 Prozent. Zudem stellt sich dann noch die grosse Frage nach dem Cashburn.

Neu vs. traditionell

Die Smartphone-Bank N26 erwirtschaftet zwar mit jedem ihrer Kunden (vor allem über den Zahlungsverkehr und die Kontoführung) wohl Erträge von bis zu 25 Euro pro Jahr und hält den Cashburn begrenzt, von den Umsätzen und Marktanteilen sowie dem Angebotsspektrum einer traditionellen Retailbank ist sie aber trotz dynamischer Entwicklung noch weit entfernt. Mal ganz zu schweigen von den doch erheblichen Problemen, die sich hier im Kundenservice und im Datenschutz höchst öffentlichkeitswirksam aufgetan haben – und die hinsichtlich einer Massenkunden-Kompatibilität des Angebots doch Zweifel aufkommen lassen.

Robo Advisory

Der Robo Advisor Scalable Capital hat zwar die Milliardenmarke der Assets under Management durchbrochen und die Kundenanzahl massiv ausgebaut, verbrennt aber ebenfalls noch Kapital (4,8 Millionen Euro im Jahr 2017). Gleichzeitig ist andernorts in der Fintech-Arena der Konsolidierungsdruck spürbar. So verschmelzen Banken und Technologieunternehmen zur B2B-Banking-Plattform und bieten gemeinsam Banking-as-a-Service-Lösungen an.

Eines scheint klar: Der Big Bang der Banken-Disruption und die Neudefinition von Finanzdienstleistung werden nicht durch die nächste neue App oder das nächste solitäre Angebot ausgelöst. Nach der Zerlegung des Bankings in seine mehr oder weniger profitablen Bausteine muss nun das Neudenken von Finanzdienstleistungen in ihrer Gesamtheit folgen.

Plattformen

Die eigentliche Disruption wird hier von schlagkräftigen Plattform-Playern kommen. In China ist beispielsweise WeChat einschliesslich des Payment-Angebots auf der Überholspur, weil Tencent in der App schlichtweg alle Facetten des Nutzeralltags begleitet. Ein Wechsel in eine andere App? Unnötig! Auch Apple der Plattformwelt zuordnet werden. Der US Tech-Gigant baut sein Payment-Angebot mit der eigenen (physischen und virtuellen) Kreditkarte in den USA aus und konkurrieren mit einem Portfolio an perfekt designten und integrierten Services (Zahlungen, Cashback, Kreditfunktion) künftig stärker mit dem Bankensektor. Die Zukunft wird zeigen, wie sich die Apple-Welt hier in ihrer Gesamtheit weiterentwickelt.

Fazit – Mobility nur eine weitere Phase

Denn Mobility wird auch nur eine Zwischenstation von der stationären Bank der Vergangenheit zur unsichtbaren Bank mit Services rund um unser aller Leben sein. Wir brauchen also nicht die einhundertste App fürs iPhone, um irgendeine Spezialanwendung besser durchführen zu können, sondern Banken oder Anbieter von Finanzdienstleistungen, die sich für den Kunden unsichtbar in dessen Alltag integrieren und sein Leben mit ihren Servicebausteinen angenehmer machen.
Die Zukunft des Bankings gehört den Plattformen. Genau hier liegt die Aufgabe für klassische Banken ebenso wie für deren Herausforderer.

Thema: Banking und Finance

Autor: Kevin Schneebeli

Co-Autor: Prof. Dr. Bernhard Koye

Datum: 28. Oktober 2019

Schlagworte: Technologie, Digital, Change

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