Banking und Finance

Missverständnis Agilität

23. Oktober 2019

Man kann es nicht mehr hören: Jeder möchte heute „agil“ sein. Agilität wird seit einiger Zeit als Heilmittel für so ziemlich alles im Unternehmen gesehen.
Agilität als Rezept für eine gesteigerte Mitarbeiterzufriedenheit?

Postit mit Aufschrift Agile, Scrum, Lean

Missverständnis Agilität (Symbolbild)

Agilität - die Antwort auf alle Fragen?

Beispielsweise denken viele, dass Agilität automatisch zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit führt, da agile Strukturen viel Selbst- und Mitbestimmung erlauben. Oder aber Agilität grössere Gewinne generiert, da so Ergebnisse schneller präsentiert werden können. Beides ist so natürlich nicht richtig.

Auf der anderen Seite ist der Begriff „agil“ durch die inflationäre Nutzung durchaus negativ aufgeladen. Ganz im Sinne von: „Agilität ist doch nichts Neues, das machen wir ja bereits seit einiger Zeit“. Agilität ist schon fast zum Unwort verkommen. Dementsprechend hört man in einigen Konzernen schon zynisch: „Da sind wir ja mal richtig schön agil gewesen“. Agilität also als Synonym für Planlosigkeit und Chaos. Auch das ist natürlich nicht korrekt.

Agilität und ihre Umsetzung

In Wirklichkeit ist das Problem nicht die agile Arbeitsweise, sondern deren schlechte Umsetzung in den Unternehmen. Es fehlt ein Verständnis für Agilität als Denk- und Führungsmuster. Methodiken wie Scrum stehen für sich allein und werden nicht sinnvoll in die Unternehmensstruktur eingebettet. Da kann man nur schlechte Erfahrungen sammeln.

Was bedeutet Agilität?

Agilität ist ursprünglich als Reaktion auf langsame, bürokratische Organisationen, um den veränderten Marktbedingungen in einer VUCA-Welt zu begegnen. Das grossartige einiger agiler Methoden ist, dass kontinuierlich produktiv nutzbare, hochwertige Ergebnisse ausgeliefert werden.
Agilität fokussiert dauf:

  • Kunden in einen Entwicklungsprozess einzubinden.
  • Prozesse ganz und gar auf den Nutzer auszurichten.
  • Mit Hilfe von Iterationen, kurzen Entwicklungsperioden, schnelle, greifbare Zwischenergebnisse zu schaffen.

Muss ein Unternehmen zwingend agil sein?

Blinder Aktionismus ist beim Thema Agilität nicht zu empfehlen. Im Zweifel sollten sich Unternehmen und die Führungskräfte fragen ob der Nutzer oder der Kunde diese ständige Einbindung verlangt und sie meinem Unternehmen die entsprechenden Vorteile liefert. Das führt zu einer anderen Frage: Braucht ein Unternehmen überhaupt eine Veränderung und wenn ja, was möchte damit bewirkt werden?

Fazit
Für ein Unternehmen ist es primär wichtig herauszufinden, welche Prozesse agil gestaltet werden können – und welche nicht. Einfach nur zu versuchen, alle Prozesse agil zu machen, kann schwerwiegende Folgen haben und zum Scheitern ganzer Unternehmensphasen führen. Es gibt viele Gründe agil zu arbeiten. Wenn man sich dafür entscheidet, dann sollte dies richtig gemacht werden. Agilität ist kein Selbstzweck und es macht natürlich keinen Sinn agil sein zu wollen, nur um dann lustige Bilder mit Post-its auf der Unternehmens-Website zu zeigen.

Thema: Banking und Finance

Autor: Kevin Schneebeli

Co-Autor: Prof. Dr. Bernhard Koye

Datum: 23. Oktober 2019

Schlagworte: Agilität, Lean Management, Prozess

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