Banking und Finance

Aktienhandel ohne Price-Tag

16. Oktober 2019

Die Challengerbank Revolut bietet ihren Kunden seit einiger Zeit die Möglichkeit, Aktien gratis zu handeln. Für traditionelle Banken sind dies alles andere als gute Neuigkeiten.
Aktienhandel zum Nulltarif
Aktienhandel ohne Price-Tag (Symbolbild)

Aktienhandel – ein lukratives Geschäft

Der Aktienhandel gehört noch immer zu den lukrativen Geschäftsfeldern von Banken. Alleine für den Kauf respektive den Verkauf von Wertschriften können kundenseitig Gebühren von bis zu 3% des Transaktionsvolumens anfallen. Selbst die Automatisierung im Rahmen der Digitalisierung noch der Markteintritt von Günstiganbietern wie Swissquote haben in der Vergangenheit etwas daran geändert.

Aktienhandel zum Nulltarif

Ein Fintech Unternehmen unternimmt nun jedoch einen weiteren Anlauf, den Wertpapierhandel zu revolutionieren. Die britische Challengerbank Revolut bietet ihren Kunden seit einigen Wochen die Möglichkeit, US-Aktien zu kaufen und verkaufen. Vorerst ist das Angebot auf ihre zahlenden Metal-Kunden aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), dem die Schweiz nicht angehört, beschränkt. Gemäss Aussagen von Revolut ist aber geplant, dieses Angebot später auf alle Kunden, auch jene in der Schweiz, auszuweiten.

Gratis-Aktienhandel – keine neue Idee

Die Idee, ein Gratis-Aktienhandel anzubieten, ist nicht neu. In den USA offeriert das Fintech-Unternehmen Robinhood seit 2014 den kostenlosen Kauf und Verkauf von Wertschriften. Zunächst auf ETF beschränkt, können heute Kunden auch global Aktien handeln. Robinhood finanziert sich dadurch, dass Kundenguthaben kurzfristig risikolos angelegt werden und dass Exklusivverträge mit Banken zur Durchführung der Aufträge abgeschlossen werden. Dies spült Robinhood als Broker pro Auftrag einige wenige Basispunkte der Gesamtsumme in die Kasse. Wie Revolut das neue Angebot finanziert, lässt sich bislang noch nicht erkennen.

Kundentreue bewahrt Banken bislang vor abwandernden Kunden

Traditionelle Bankhäuser werden diese Entwicklung mit Interesse und gewisser Nervosität beobachten. Die hiesigen Finanzinstitute profitierten bislang vor allem davon, dass ihre Kunden kaum bereit waren, ihr Depot zu einem günstigeren Mitbewerber zu Transferieren. Selbst wenn sich dabei teilweise Tausende Franken pro Jahr sparen liessen. Unter anderem liegt das auch daran, dass Anlegern der Depotbankwechsel mit unverhältnismässig hohen Gebühren erschwert wird. Je nach Bank können hierbei Wechselgebühren von bis zu CHF 200.- pro Position anfallen.

Schweizerinnen und Schweizer wohl kaum wechselbereit

Andererseits sind Schweizerinnen und Schweizer allgemein nicht bekannt für ihre Bereitschaft, den Anbieter ihres Vertrauens zu wechseln. Neben Swissquote sind in den vergangenen Jahren verschiedene Low-Cost-Anbieter auf den Markt gekommen, zuletzt auch die niederländische Degiro mit Tiefstgebühren. Allerdings ist es ihnen nicht gelungen, den breiten Markt für sich zu gewinnen.

Fazit
Diese Anbieter haben jedoch allesamt ein gemeinsames Problem: Sie wenden sich mit ihrem Angebot an traditionelle Anleger, welche die Reputation ihrer Bank über den reinen Kostenfaktor stellen. Neue Fintech-Unternehmen wie Revolut dürften sich aber vor allem aus längerfristiger Sicht, eine ganz andere Ausgangslage schaffen. Sie bieten ein umfassenderes Banking-Angebot und haben vor der Lancierung ihres Gratis-Handel-Angebots bereits Millionen von Bankkunden zu sich gelockt. Es ist gut möglich, dass die traditionellen Banken ihre hohen Gebühren noch einige Jahre aufrechterhalten können. Doch der Trend läuft nun auch in diesem Bereich in eine diametral andere Richtung.

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