Banking und Finance

Plattformen im Private Banking (2/2)

09. Oktober 2019

Im ersten Teil dieser Beitragsreihe sind wurde die Thematik Plattformen im Private Banking aufgenommen. Im heutigen Beitrag werden die vorgenannten Aspekte weiter beleuchtet und vertieft behandelt.

Banking der Zukunft

Plattformen im Private Banking (Symbolbild)

Individualität geht nicht verloren

Aktuell sieht man der Plattform-Thematik im Private Banking noch eher skeptisch entgegen. Der zweifellos wichtige Erfolgsfaktor des engen und individuellen Kundenkontakts bliebe allerdings aufrechterhalten, sofern ein Berater seine Kunden bei der Nutzung der Plattform im jeweils gewünschten Umfang online wie offline unterstützt, gegebenenfalls weiterbildet und ihnen hochwertige Informationsversorgung, Reporting, Dokumentenverwahrung usw. gewährleistet.

Disruptives Geschäftsmodell

Ob sich ein solch disruptives Modell aus einer klassischen Privatbank herausbilden wird, scheint fraglich, da sich das bestehende Bankgeschäftsmodell damit selbst gefährden würde. Dies erklärt möglicherweise den hohen, eingangs genannten Anteil an Privatbanken, die erwarten, dass neue, auch branchenfremde Wettbewerber in ihren Markt eintreten und signifikante Marktanteile erobern werden. FinTech-Experten gehen davon aus, dass etablierte Plattformen mittel- bis langfristig versuchen werden, ihre Datenführerschaft auch in der Finanzbranche zu monetarisieren. Vor dem Hintergrund der „Winner-Takes-it-All“ Logik von Plattformen eine durchaus lukrative Vorstellung für etwaige Early Mover.

Datenaggregation zur Betrachtung der gesamten Vermögensstruktur als erster Schritt

Ein sinnvoller erster Schritt auf einem Mittelweg durch das Spannungsfeld disruptiver Plattformaufbau einerseits und evolutionäre Optimierung bzw. Digitalisierung des bestehenden Geschäftsmodells andererseits, könnte für Privatbanken darin bestehen, ein digital aggregiertes Informationsangebot über einen grossen Teil kundenrelevanter Vermögens- und Marktdaten zu erstellen. Ziel wäre es, Transparenz über die gesamte Vermögensstruktur, inkl. Vermögen bei anderen Banken zu schaffen und mit Prognose- und Planungsdaten sowie Simulationsmöglichkeiten und ggfs. weiterführenden, relevanten Informationsangeboten anzureichern. Kunden sollten dabei flexibel in der Lage sein, ihrem Berater Daten zugänglich zu machen, da eine solche Vergrösserung der Informationsbasis Beratungsmöglichkeiten und -qualität fördern würde.

Mehrwert aufgrund Ausbaufähigkeit¨

Zudem käme dies den Bedürfnissen digital-affiner Kunden entgegen und erweitert Möglichkeiten zur Kundenbindung. In einer weiteren Ausbaustufe könnten Drittanbieter spezieller Kapitalanlagen und Mehrwertservices innerhalb des digitalen Angebots präsentiert werden. Im Ziel würde eine offene Plattform mit „den besten“ Angeboten über alle für Vermögende relevanten Produkt- und Servicebereiche hinweg entstehen und vom Berater im Auftrag des Kunden orchestriert.

Fazit - über Datenaggregation zur Private Banking Plattform

Zukunftsgestaltung muss sich auch im Private Banking mit der Möglichkeit neuer Geschäftsmodelle befassen, die die Bedürfnisse Vermögender ganzheitlicher und besser abdecken. Der Blick in die Zukunft ist zwar naturgemäss hypothetisch, aber der Weg über Datenaggregation zur Private Banking Plattform zeichnet sich in ersten Ansätzen bereits ab und erscheint daher realistisch.

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