Banking und Finance

Plattformen im Private Banking (1/2)

07. Oktober 2019

Gemäss aktueller Umfragen gehen Privatbanken künftig von starken Veränderungen ihres Geschäftsmodells aus. Bislang haben Investitionen in die Digitalisierung des Private Banking jedoch kaum transformativen Charakter. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob eine Private Banking Plattform denkbar wäre.

Plattformen im Private Banking
Sind digitale Plattformen in Private Banking und Wealth Management sinnvoll? (Symbolbild)

Veränderung des Geschäftsmodells im Private Banking

Ein Grossteil der Privatbanken erwartet im Zuge der Digitalisierung laut einer aktuellen Befragung eine starke Veränderung des eigenen Geschäftsmodells. Dabei gehen diese Banken davon aus, dass neue, branchenfremde Wettbewerber in den Private Banking Markt eintreten und signifikante Marktanteile erobern werden. Dennoch liegt der Schwerpunkt der Investitionstätigkeit von Privatbanken im Kontext Digitalisierung bislang auf der Optimierung und Weiterentwicklung der IT, der Automatisierung sowie der Verbesserung des Kundenerlebnisses – und damit vor allem auf der Optimierung des bestehenden Geschäftsmodells.

Plattform- oder Marktplatzmodelle sind noch nicht Standard im Private Banking

Trotz des verspürten Veränderungsdrucks sind neue Geschäftsmodelle, wie z.B. Plattform- oder Marktplatzmodelle selten Teil der Zukunftsdiskussion im Private Banking. Dies steht im Gegensatz zur allgemeinen Debatte und zu anderen Branchen, wie auch zum Retail Banking. Zwar bieten einige Privatbanken mittlerweile Robo Advice und digitale Vermögensverwaltung an, jedoch stellt dies aus Sicht des klassischen Geschäfts eher einen Vorstoss in Richtung Affluent Banking mit standardisierten bzw. automatisierten Angeboten dar, als ein neues Private Banking Modell. Grössere Vermögen und die Bedürfnisse von (U)HNWI sind für standardisierte Kapitalanlagelösungen schlicht zu komplex.

Wer keine Plattformstrategie hat, hat keine Strategie…

… heisst es auf dem diesjährigen Platform Economy Summit Europe in Frankfurt. Ob dem so ist, sei dahingestellt. Jedenfalls ermöglicht die Digitalisierung, durch vernetzte Wertschöpfung ganze Bedürfniskategorien, wie Gesundheit, Mobilität oder Wohnen, mit einem Leistungsprogramm vollumfänglich zu bedienen. Dies ist insbesondere bei Marktplatz- und Plattformmodellen der Fall, die Produkte und Services verschiedenster Anbieter in einer Kundenschnittstelle zusammenführen, grosse Datenmengen aggregieren und damit ihr Leistungsprogramm laufend verbessern und weiterentwickeln. Ausgangspunkt unternehmerischen Gestaltens ist dabei nicht mehr Produktkompetenz, sondern tiefes Verständnis einer bestimmten Bedürfniswelt des Kunden auf der Basis entsprechender Daten und das Management von Wertschöpfungsnetzwerken.

Wenig spricht dagegen, dass sich Vermögende durch ein distinktives Set an Bedürfnissen auszeichnen und dass dieses über Kapitalanlage und Vermögensverwaltung hinausgeht. Neben Steuergestaltung, Güter-/Erb-/Stiftungs- etc. -recht, Unternehmensnachfolge, Versicherung bzw. Risikoprävention und illiquiden Vermögensgegenständen, wäre beispielsweise an Philanthropie, Concierge Services, Finanzbildung, Online Reputation Management, Austausch mit Gleichgesinnten in Kunden-Communities oder persönliche Sicherheit zu denken. Einige Institute beobachten steigendes Kundeninteresse an solchen Mehrwertservices und bauen ihre Angebote und Kooperationen dementsprechend aus – eine umfangreiche Abdeckung der Bedürfnisse in dieser Lebenswelt im Sinne einer Plattform gibt es jedoch nicht.

Fazit - Wege zu einer Private Banking Plattform

Die möglichen Vorteile einer Private Banking Plattform im Vergleich zur klassischen Privatbank sind idealerweise für Kunden und Betreiber (hohes Skalenpotenzial, grosses Datenvolumen, keine Legacy Systeme, ohne Banklizenz reduzierte regulatorische Komplexität, etc.) durchaus erkennbar. Mit Verweis auf vertrauensvolle persönliche Beziehungen zwischen Kunden und Beratern als differenzierendem Kern des Wertversprechens Privatbank, sehen Private Banker in Plattform-Modellen typischerweise jedoch eher Investitionsruinen. Dieser zweifellos wichtige Erfolgsfaktor wird im nächsten Beitrag dieser Reihe vertieft behandelt – bleiben Sie dran.

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