Unternehmensführung

Arbonia: Führung und Digitalisierung

09. September 2019

Die Arbonia AG ist ein Schweizer Gebäudezulieferer und in den Bereichen Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik, Sanitär, Fenster, Aussen- und Innentüren tätig. Fabienne Zürcher, Leiterin Corporate Communications & Investor Relations, gibt Auskunft über aktuelle unternehmerische Herausforderungen und Perspektiven der börsenkotierten Firma, die im In- und Ausland rund 8‘400 Personen beschäftigt.

Baustelle eines Wohnblocks

Das Schweizer Unternehmen Arbonia liefert zahlreiche Bau- und Ausrüstungsteile für Gebäude (Bild).

Kalaidos Blog: Was sind für Ihr Unternehmen gegenwärtig die grössten Herausforderungen, mit denen Sie in Ihrer Führungstätigkeit konfrontiert sind?

Fabienne Zürcher: Die Herausforderungen für die Führung der Arbonia sind vielfältig: In den vergangenen Jahren wurde viel Zeit und Management-Kapazität in die Restrukturierung und Neuausrichtung der Arbonia gesteckt. In dieser Zeit hat die Arbonia sich sowohl von bestimmten Geschäftsaktivitäten getrennt, als auch in die verbleibenden Geschäftsfelder investiert und diese mit Akquisitionen gestärkt. Zugleich wurden Produktionsstandorte in der Schweiz geschlossen und die Fertigung an ausländische Standorte mit niedrigeren Lohnkosten verlagert. Dieser Prozess ist heute weitestgehend abgeschlossen und die Arbonia ist finanziell und geschäftlich wieder in einer guten Position. In den Fokus rücken daher heute unternehmerische Themen der Bauindustrie. Wie wird beispielsweise das Wohnen in der Zukunft aussehen und welche Produkte sind hierfür notwendig? Eine andere grosse Herausforderung ist die Digitalisierung, die auch vor der Baubranche nicht Halt macht.

Lassen sich daraus unternehmerische Chancen machen, wenn ja welches ist der richtige Umgang?

Ja, gerade die Digitalisierung ist eine Herausforderung, die das Management fordert, aber gleichzeitig auch eine Menge Potenzial für die Zukunft bietet. Hier sollte man zwei Dinge strikt trennen: Auf der einen Seite die Entwicklung von neuen Produkten und auf der anderen Seite die Entwicklung von digitalen Geschäftsprozessen, bis hin zu einer digitalen Transformation des gesamten Unternehmens. Auf der Seite der Produkte sind logischerweise unsere einzelnen Divisionen und deren Entwickler gefordert, um bestehende Produkte an die sich ändernden Bedürfnisse anzupassen. Hier wäre beispielsweise unsere Partnerschaft mit KIWI zu nennen, mit denen die Division Türen erstmals eine komplett integrierte, digitale Zugangslösung für Wohnungstüren anbieten kann. Die Komplexität des Themas Digitalisierung macht hingegen eine andere Herangehensweise notwendig: Die Arbonia Gruppe entwickelt und implementiert dazu eine eigene Digitalisierungsstrategie. Mit diesem Know-How kann der Konzern dann die Divisionen bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer eigenen Strategie unterstützen.

Welche Aspekte werden für die Führung von Unternehmen in Zukunft an Bedeutung gewinnen?

Ein sehr wichtiger Aspekt für die Führung von Unternehmen in der Zukunft wird die schnelle und agile Führung des Unternehmens sein. Der Aufstieg der amerikanischen Internet-Konzerne zeigt, dass vor allem ein bewegliches, also ein anpassungsfähiges Unternehmen in der Lage ist, die Konkurrenz zu schlagen. Apple, Facebook, Amazon und Alphabet haben ein rasantes Wachstum hinter sich und sind in weniger als 20 Jahren zu den wertvollsten Firmen der Welt aufgestiegen. Sie haben mit ihren schnellen Innovationszyklen etablierte Konzerne wie beispielsweise General Electric weit hinter sich gelassen.

Welche Kompetenzen werden in diesem Umfeld für die Führungskräfte in Ihrem Unternehmen besonders wichtig sein?

Mit der sich beschleunigenden Veränderung der Gesellschaft geht nicht nur eine Veränderung der Kundenbedürfnisse einher, sondern auch eine der Mitarbeiterbedürfnisse. Ein typischer Mitarbeiter verbringt heute nicht mehr sein ganzes Berufsleben in einem Betrieb, sondern möchte konstant mit spannenden Aufgaben gefordert und gefördert sein. Wenn das Unternehmen ihm dies nicht bieten kann, wechselt er halt den Arbeitgeber. Daher sollten die Führungskräfte der Zukunft neben ihrer fachlichen Kompetenz auch anpassungsfähig sein und sich nicht vor neuen Arbeitsmethoden verschliessen. Dies setzt Neugier und die Bereitschaft voraus, die Veränderung der geschäftlichen Prozesse und der Führungskultur selbst zu gestalten.

Wie unterstützen Sie Ihre Führungskräfte, damit diese die künftigen Herausforderungen möglichst erfolgreich bewältigen können?

Die Arbonia Gruppe unterstützt ihre aktuellen und zukünftigen Führungskräfte unter anderem sowohl durch innerbetriebliche, als auch durch ausserbetriebliche Weiterbildungen.

Wie entwickelt sich dabei aus Ihrer Sicht die Bedeutung der Weiterbildung für Führungskräfte - direkt am Arbeitsplatz oder in externen Weiterbildungen?

Während innerbetriebliche Weiterbildung natürlich wünschenswert ist, gibt es doch Herausforderungen und damit verknüpftes Know-How, dass nicht im Unternehmen vorhanden ist. Die Arbonia Gruppe fördert ihre Führungskräfte auch durch interne Weiterbildung. Jedoch sind gerade Entwicklungen in den jeweiligen Aufgabengebieten der Führungskräfte natürlich stark durch externe Faktoren beeinflusst. Hier ist es sinnvoll, dass sich - auch angehende - Führungskräfte extern weiterbilden und so Wissen und Erfahrungen in das Unternehmen hereintragen. Möglicherweise nimmt hier die Wichtigkeit von externer Weiterbildung zu, die Weitergabe von Wissen und Erfahrungen innerhalb des Unternehmens wird aber weiter sehr wichtig bleiben und kann durch keine Schulung ersetzt werden.

Vielen Dank für die Einblicke in das Unternehmen Arbonia!

Thema: Unternehmensführung

Autor: Alexander Saheb

Datum: 09. September 2019

Schlagworte: Unternehmensführung, Unternehmensstrategie

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