HR und Leadership

Wie "Führen lernen" funktioniert

23. September 2019

Es gibt sie, die Naturtalente, die instinktiv führen und dabei vieles richtig machen. Doch die meisten Chefs müssen lernen, wie Führung funktioniert. Was heisst Führen lernen? Wie verändert sich die Führung in der neuen Arbeitswelt? Welche Führungskompetenzen sind zukünftig gefragt? Wie unterstützen Unternehmen ihre Führungskräfte beim Lernen? Welche Lernmethoden versprechen einen nachhaltigen Transfer in die Praxis? Und wie kann künstliche Intelligenz Führungskräfte beim Lernen unterstützen? Damit beschäftigt sich der Führungsratgeber „Führung lernen“, den die Kalaidos Fachhochschule für die Schweizer Kader Organisation SKO verfasst hat.

Einige wichtige Aussagen aus der Publikation haben wir hier für Sie zusammengefasst:

Führen wird anspruchsvoller

Die Anforderungen an die Führungskraft sind mannigfach und hoch. Wer in der Arbeitswelt 4.0 erfolgreich führen will, muss sich in einem dynamischen, vernetzten und virtuellen Umfeld sicher bewegen können. Die Auflösung von Hierarchien unterstützen, die Autonomie und Selbststeuerung von Teams fördern und gleichzeitig Mitarbeitende binden. Wenn Führen anspruchsvoller wird, muss Führen neu gedacht und neu gelernt werden.

Führen ist lernbar

Ob man von einem Tag auf den andern zum Chef befördert wird oder langsam in eine Führungsrolle hineinwächst – Fakt ist: Führen lernen ist ein fortwährender Prozess und Führen kann man lernen. Führen lernen bedeutet, sich bewusst zu verändern, sich Neues anzueignen und Anderes zu verlernen. Das betrifft die persönliche Haltung und Einstellung ebenso wie eigene Verhaltens- und Kommunikationsweisen.

Was Führungskräfte lernen müssen

Angesichts des schnellen Tempos, der geforderten Flexibilität und des erhöhten Drucks scheint es, dass Führungskräfte Übermenschen sein müssen: Sie sollen nicht nur Chef, sondern auch Coach, Integrationsfigur und Visionär sein. Dies verlangt einen erklärenden sowie gleichzeitig inspirierenden und sinnstiftenden Führungsstil.

Weniger Hierarchien, mehr netzwerkartige und virtuelle Formen der Zusammenarbeit gehen einher mit geringerer Kontrolle und weniger Vorgaben seitens der Führung. Das heisst, Führungskräfte müssen lernen loszulassen und ihren Mitarbeitenden Handlungsspielräume gewähren. Ausserdem gilt es, starke Beziehungen im Team zu fördern sowie verbindliche Werte und Regeln für die Zusammenarbeit zu etablieren. Führungsmethoden, die sich durch solche horizontale und kooperative Führungselemente auszeichnen, sind beispielsweise Digital Leadership, Shared Leadership oder Holacracy.

Ein Trend in der Führungskräfteentwicklung geht dahin, die Kunst des Führens auf eine begrenzte Anzahl unternehmensspezifischer Kompetenzen und Werte wie Vertrauen oder Risikobereitschaft einzugrenzen, die durch möglichst präzise Verhaltensbeschreibungen operationalisiert werden.

Wie Führungskräfte am besten lernen

Belegt ist, dass Führungskräfte, die an Entwicklungsmassnahmen teilnehmen, sich hinsichtlich ihres Wissens und Verhaltens deutlich entwickeln. Insbesondere der transformationale Führungsstil hat sich als trainierbar erwiesen: Die Leistung und Veränderungsbereitschaft der Führungskräfte nehmen zu und je nachdem wie motiviert die Teilnehmenden sind, hat das Gelernte unmittelbar nach dem Training auch ein Jahr danach noch eine positive Wirkung.

Zu den Erfolg versprechenden Lernmethoden gehören Trainings, Einzel-Coaching sowie Selbst- und Fremdfeedback. Neben diesen eher klassischen Methoden führen nachweislich auch die moderneren Methoden Peer-Coaching, Mentoring sowie Job Rotation und herausfordernde Aufgaben zu positiven Lerneffekten.

Auch KI-Systeme können beim Führen lernen helfen. Sie stellen beispielsweise fest, dass eine Führungskraft Wissenslücken hat, ja sogar, dass neue Aufgaben auf sie zukommen werden, auf die sie mit ihrem bestehenden Skills-Set noch nicht optimal vorbereitet ist. Oder sie können als Chatbot oder virtueller Coach auf ganz spezifische Bedürfnisse der Führungskräfte eingehen, das heisst, individualisierte Lerninhalte anbieten, vermitteln und überprüfen.

Wie Führungskräfte Ihre Lernfähigkeit erhöhen

Bei aller Unterstützung dürfen Führungskräfte nicht vergessen, selbst aktiv und bewusst zu ihrem eigenen Lernprozess beizutragen. Beispielsweise indem sie nach Lernchancen Ausschau halten, Feedback zu ihrem Führungsstil einholen, sich in Selbst-Reflektion üben, eine offene, neugierige Haltung einnehmen und Wissen in Netzwerken austauschen. Nicht zuletzt zählt auf dem Weg zu einem angestrebten (Lern-)Ziel die Fähigkeit, innere und äussere Widerstände oder Hindernisse wirksam zu überwinden – und das ein (Führungs-)Leben lang.

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Streben Sie eine anspruchsvolle Führungstätigkeit an? Dann kommen Sie um die kritische Auseinandersetzung mit Ihren persönlichen, sozialen sowie methodischen Fähigkeiten nicht herum. An diesem Punkt setzt der Studiengang CAS FH in Leadership & Management an: Schritt für Schritt werden zentrale Führungskompetenzen und -wissen reflektiert und aufgebaut.

Thema: HR und Leadership

Autor: Irene Willi

Datum: 23. September 2019

Schlagworte: Führungskraft, Führung, Lernformen, Leadership

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