Banking und Finance

Facebooks neue Währung (2/2)

18. September 2019

Facebook und seine Partner wollen mit Libra nicht die Welt verbessern - zumindest nicht nur. Die neue Währung Libra bietet insbesondere dem Social Network viele neue Möglichkeiten um Geld zu verdienen.
Libra Teil 2

Warum Libra ein gutes Geschäft für die Betreiber werden kann

Bisher dient Facebook zum Austausch von Informationen. Wenn jedoch im Ökosystem des Social Networks nun auch Geld versendet werden kann, dann hebt das dessen Attraktivität und mehr Nutzer werden mehr Zeit darauf verbringen. Dies wiederum erhöht die Werbeeinnahmen von Facebook. Auch wenn die Gebühr für Transaktionen mit Libra gering ausfallen wird, stellt sie dennoch eine Einkunftsquelle für die Partner der Libra Association dar.

Die in der Libra Reserve gebunkerten Finanzmittel werfen Zinserträge ab. Das deutsche Nachrichtenmagazin Focus stellt dabei eine einfache Rechnung auf: Kauft jeder der 2,7 Milliarden Facebook-Nutzer 10 Libras, dann wandern 27 Milliarden Euro in den Libra Reserve Fonds. Bei einer eher konservativ berechneten Rendite von 3 Prozent ergeben sich dadurch immer noch 810 Millionen Euro im Jahr. Facebook verspricht zwar, Libra komplett anonym nutzen zu können und selbst keinen Zugriff auf die Transaktionsdaten zu haben. Allerdings lehrt die Vergangenheit, welchen Wert solche Versprechungen haben - Stichwort Cambridge Analytica.

Warum Banken grosse Bedenken in Bezug auf Libra hegen

Libra hat jedenfalls das Potenzial, die gesamte Finanzwelt zu verändern. Zunächst könnten Banken Marktanteile im Zahlungsverkehr verlieren. Das ist dann der Fall, wenn Bankkunden in grossem Ausmass Guthaben von ihren Bankkonten in die Libra-Welt transferieren. Viele der genannten Gründungsmitglieder haben bereits heute eine marktbeherrschende Stellung in ihrem Bereich. Würden diese Unternehmen eng zusammenarbeiten, dann würden sie diese Stellung weiter ausbauen. Durch Libra könnten aber auch staatliche Währungen ihre Bedeutung verlieren. Wenn Facebook eine Kryptowährung ausgibt, wird der Konzern zu einer Zentralinstanz ähnlich wie eine Fed oder eine EZB.

Auch die Politik sieht Hürden

Politiker aus aller Welt warnen deshalb bereits vor Libra. Es sollten möglichst verhindert werden, dass im Geldsystem der Wilde Westen zurückkehrt. Facebook könnte auch Unmengen an Staatsanleihen horten und sich so zu einem grossen Gläubiger von Staaten entwickeln. Wenn von den 2,7 Milliarden Facebook-Nutzern nur 100 Millionen mitmachten, hätte Libra schon mehr Kunden als der gesamte deutsche Bankenmarkt. Auch aus Grossbritannien oder Frankreich kommen grosse Bedenken und die klare Forderung nach schneller Regulierung von Kryptowährungen. Dass der Politik nicht mehr allzu viel Zeit bleibt, einen adäquaten rechtlichen Rahmen zu geben, zeigt China. Dank Wechat Pay oder Alipay hat dort das Mobiltelefon den Geldbeutel mehr oder minder ersetzt.

Fazit
Facebook beweist mit der Präsentation der neuen Währung viel Mut. Geld basiert schliesslich auf dem Vertrauen seiner Verwender. Mit dem ist das Social Network aber in der Vergangenheit mehr als sorglos umgegangen. Wenn die Vorteile des digitalen Geldes, wie hohe Usability und geringe Kosten, die Milliarden aktiver Facebook-Nutzern jedoch überzeugt, dann kann Libra recht schnell zu einer globalen Parallelwährung avancieren. Nicht nur Finanzdienstleister werden dadurch um Teile ihres Geschäftes fürchten müssen. Auch das Währungsmonopol von Staaten steht auf dem Spiel.


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