Banking und Finance

Facebooks neue Währung (1/2)

16. September 2019

Libra soll 2020 als neue Währung für die ganze Welt kommen. Gemäss Mark Zuckerberg sollen durch die Einführung von Libra Transaktionsgebühren sinken und 1,7 Milliarden Menschen ohne Bankkonto Zugang zur Finanzwelt erhalten.
Libra
Kürzlich hat Mark Zuckerberg seine Pläne für eine neue digitale Währung präsentiert. Gemeinsam mit gewichtigen Partnern wie Visa, Mastercard, Paypal oder auch Booking.com, Spotify, Uber und Vodafone will Facebook der Welt Zugang zu einer globale Parallelwährung verschaffen. Die neue Kryptowährung namens Libra soll den Geldtransfer dabei so einfach wie das Versenden von Textnachrichten machen. Um das neue Zahlungsmittel nützen zu können, soll lediglich ein Smartphone notwendig sein.

Wie Libra funktionieren soll

Wie das neue Geld beziehungsweise die finanzielle Infrastruktur von Libra funktionieren soll, ist in einem umfangreichen Whitepaper nachzulesen. Kurz gefasst basiert Libra wie auch andere Kryptowährungen auf einer Blockchain. Dies ist eine Art digitales Kassabuch, in der jede Transaktion fälschungssicher abgelegt ist, Sender und Empfänger aber anonym bleiben. Um Kryptowährungen verwenden zu können, muss der Nutzer ein digitales Wallet auf seinem Smartphone oder seinem Computer installieren. Facebook hat ein Tochterunternehmen namens Calibra gegründet, welches ein solches Programm anbietet. Es kann direkt in WhatsApp oder dem Facebook-Messenger integriert werden. Libra soll aber auch mit anderen Wallets funktionieren.

Stablecoin soll für nachhaltige Sicherheit sorgen

Der wesentliche Unterschied zu bestehenden Kryptowährungen ist die Bindung an wichtige etablierte Währungen wie Dollar, Euro oder Yen. Bei Libra handelt es sich also um einen so genannten Stablecoin. Anders als bei Bitcoins, deren Menge begrenzt ist, kann die Währung nicht von den Nutzern durch das so genannte Schürfen gewonnen werden. Wer einen Libra erwerben will, der muss den Gegenwert dafür in einer Fiatwährung wie Euro oder Dollar in einen Rücklagenfonds der Libra Reserve einzahlen. Experten rechnen damit, dass der Wert eines Libra in etwa dem eines Dollars entsprechen wird. Die Libra Reserve wird durch die in Genf ansässige Libra Association kontrolliert. In dieser Non-Profit-Organisation sind neben Facebook bisher 27 andere Gründungsmitglieder vertreten. Bis zum Launch von Libra sollen es 100 Partner werden, von denen jeder 10 Millionen US-Dollar einbringen muss. Gemeinsam bestimmen die Mitglieder der Libra Association, wie das in die Libra Reserve geflossene Geld veranlagt werden soll, um den Kurs von Libra möglichst stabil zu halten. Die Partner betreiben aber auch jene Rechner, auf der die Libra-Blockchain läuft.

Fazit
Libra soll Geldtransaktionen für alle einfacher machen. Mit wenigen Klicks kann man weltweit Geld versenden. Etwas später werden Zahlungen im Restaurant oder Geschäft möglich sein. Die neue Währung soll aber auch gleich einen ganzen Strauss globaler Probleme lösen. Den Menschen, die über kein Bankkonto verfügen, könnte Libra einen Zugang zum Finanzsystem bieten. Immerhin 1,7 Milliarden Menschen, also etwa 31 % der Weltbevölkerung haben kein Bankkonto. Eine Milliarde davon besitzt aber ein Mobiltelefon und immerhin 480 Millionen haben Zugang zum Internet. Dies würde den Entwicklungsländern ein zusätzliches Wachstum bescheren. Besonders, weil viele Kleinst- und Kleinbetriebe dadurch Zugang zu einem Kredit erhalten würden. Gleichzeitig soll Libra Überweisungen schneller und vor allem billiger machen. Facebook zufolge betragen die Gebühren für internationale Überweisungen über 7 Prozent. Wie viel die Transaktionen mit Libra kosten sollen, ist noch nicht bekannt. Sie sollen allerdings transparent und fair sein, wie man auf Seiten der Libra Association betont.

Themen: Banking und Finance, Digitalisierung

Autor: Kevin Schneebeli

Co-Autor: Prof. Dr. Bernhard Koye

Datum: 16. September 2019

Schlagworte: Blockchain, Bank, Bank-IT

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