Banking und Finance

Hebel in der Versicherungsindustrie (4/4)

11. September 2019

Im aktuellen „Innovations-Wirrwarr“ fällt es auch der Versicherungsindustrie zunehmend schwieriger, ihre eigene IT zu verstehen. Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass sich neun von zehn Managern wünschen, dass sich die eigenen IT-Systeme wieder besser durchschauen lassen. Die „Blackbox IT“ sorgt also allgemein für Frust. Wer seine IT-Systeme modernisieren will, sollte deshalb künftig lernen, selbst zu programmieren, sich von Standard-Software zu verabschieden und Microservices als Kernbaustein einer neuen IT-Architektur ernsthaft zu prüfen.
IT-transalation

Eine gemeinsame Sprache entwickeln (Symbolbild)

„Knacknuss IT“

Wie sehr Versicherer derzeit mit ihrer IT hadern, zeigt eine aktuelle Umfrage von Camunda, an der sich mehr als 100 Führungskräfte und Projektleiter aus der Versicherungsindustrie beteiligt haben. Man wünscht sich neben einer leichter zu verstehenden IT vor allem Anwendungen, die sich einfach anpassen lassen und dabei unterstützen, neue Produkte zu entwickeln. Als schwierig gilt zudem, dass die meisten Unternehmen der Branche an wenige Releasezyklen pro Jahr gebunden sind und selbst Teilprogramme nur schwer anpassen können. Vielmehr gelten selbst für kleinste Änderungen feste Termine, an denen die IT aktualisiert werden kann.

Grosssysteme aufbrechen

„Monolithen“ in der IT stellen die Gesamtwirtschaft und konkret die Versicherungsindustrie einerseits vor technische Probleme. Sie können sich gerade bei Standard-Software kaum selbst darum kümmern, wenn sie etwas anders machen wollen – und zumindest die Fachbereiche sind stets dazu gezwungen, für jede Kleinigkeit einen „Change Request“ bei der IT zu stellen. Andererseits bringt die veraltete Technologie auch organisatorische Probleme mit sich, weil häufig eine gemeinsame Sprache fehlt. Techniker denken in Datenbanken, Code und wie Informationen von A nach B gelangen.

Fachabteilungen wie das Underwriting, das Schadenmanagement oder das Controlling dagegen denken in ganz eigenen Terminologien. Sie verstehen nicht, dass eine auf den ersten Blick simple Anpassung IT-technisch enorme Aufwände nach sich ziehen kann. Umgekehrt wissen die IT-Spezialisten nicht immer sofort, warum bestimmte Änderungen unumgänglich sind.

Es fehlt an Übersetzung

Die Schwierigkeit besteht darin, die fachliche und die technische Welt zusammenzuführen. Darum tendieren immer mehr Versicherungsunternehmen dazu, die in grossen System-Suiten eingebaute Logik aufzuteilen und in einzelne Dienste zu verlagern, welche jeweils für spezielle Aufgaben konstruiert werden. Beispielsweise legt ein Dienst neue Anfragen an, ein weiterer berechnet die Prämien, der nächste nimmt Schäden an und wieder ein anderer löst Zahlungen aus. Ein „Workflow-System“ kümmert sich darum, dass diese „Microservices“ miteinander harmonieren. So lassen sich nahezu alle Vorgänge im Unternehmen automatisieren. Selbst komplizierte Abläufe können dadurch abgebildet werden, dass Workflow-Systeme Regeln einhalten, welche etwa gesetzlich vorgegeben oder fachlich erforderlich sind.

Fazit - Gemeinsame Sprache entwickeln

Werden Ereignisse, Aufgaben und Entscheidungen in einer gemeinsamen Sprache zusammengefasst, lässt sich auf den ersten Blick erkennen, was genau in einem Vorgang geschehen soll. Workflow-Systeme führen die so modellierten Prozesse zudem tatsächlich aus. Fachabteilungen sind so in der Lage, auch komplexe Vorgänge abzubilden, ohne die IT-Kollegen über alle fachlichen Details aufklären zu müssen. Es reicht oft, über die einzelnen Aufgaben zu sprechen, welche in der Folge von der IT als individueller Microservice programmiert werden. Der CAS Digital Insurance der Kalaidos FH vermittelt in diesem Kontext notwendiges Wissen und hilft bei der Entwickelung strategischer Erfolgspositionen entlang branchenspezifischer Wertschöpfungselemente.

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