Accounting und Controlling

Rechnungslegung für Schweizer Bergbahnen

23. September 2019

Die finanzielle Führung der Schweizer Bergbahnbranche ist aufgrund zahlreicher Eigenheiten anspruchsvoll: Besonders Saisonalität, ungewisse Wetterbedingungen und Währungsstärke zählen dazu. Hinzu kommt der steigende Finanzierungsbedarf aufgrund veralteter Infrastrukturen. Den volatilen Erträgen stehen lange Investitionszyklen und hohe Fixkosten gegenüber. Aktionäre und Banken, aber auch die Standortgemeinden sind auf eine transparente finanzielle Berichterstattung angewiesen.

Schilthornbahn

Bergbahnen sind nicht nur bautechnisch herausfordernd. (Symboldbild)

Untersuchungsergebnis zur Finanzberichterstattung von Bergbahnen

Eine Untersuchung der Finanzberichterstattung von 52 Bergbahnen hat zu folgenden Ergebnissen geführt:

  • Branchenkennzahlen: Der klassische Verkehrsertrag durch Ticketeinnahmen macht durchschnittlich 73% des gesamten Umsatzerlöses einer Schweizer Bergbahn aus. Durch abnehmende Einnahmen aus dem Wintersportgeschäft sinkt die Profitabilität vieler Bergbahnen. Die finanziellen Kennzahlen fluktuieren in Abhängigkeit der unternehmensspezifischen Umstände. Der Kapitalumschlag hängt stark von Unterhaltskosten und Auslastung der Anlagen sowie der Zentralität des Gebiets ab. Ein hoher ganzjähriger Auslastungs- und Modernisierungsgrad schlagen sich positiv auf Eigenfinanzierung und Kapitalrentabilität nieder. Nur für 56% der Schweizer Bergbahnen konnte die Kapitalrentabilität überhaupt ermittelt werden, weil nicht alle Bergbahnen Geldflussrechnung und Sachanlagespiegel publizieren. Die Kapitalrentabilität ist zudem nahezu durchgehend zu tief für ein längerfristiges, profitables Fortbestehen.
  • Rechnungslegung: 90% der untersuchten Bergbahnen präsentieren ihre Abschlüsse nach OR, 8% nach Swiss GAAP FER und 2% nach IFRS. In diesem Zusammenhang ist wichtig zu wissen, dass das OR – im Gegensatz zu Swiss GAAP FER und IFRS – keinen Sachanlagespiegel verlangt. Bei Swiss GAAP FER werden die Sachanlagen über die effektive Nutzungsdauer abgeschrieben. Die Aktivierung und Abschreibung aller wesentlichen Einzelteile wird separat vorgenommen. Im OR hingegen sind eine vorsichtigere Abschreibung und damit die Bildung von stillen Reserven zulässig. Eine Geldflussrechnung ist im OR nur erforderlich für grössere Unternehmen, die einer ordentlichen Revision unterliegen.

Investoren benötigen aussagekräftige Jahresrechnungen

Bergbahnen sind für die Standortregionen von grosser Bedeutung, weil sie die für den Tourismus wichtige Infrastruktur zur Verfügung stellen. Gleichzeitig profitieren die Hotels und weitere Betriebe von modernen Bergbahnbetrieben. Ob sie damit wie jüngst von der Politik gefordert zum Service Publique gehören und staatlich unterstützt werden sollen, sei dahingestellt. Auf jeden Fall benötigen Aktionäre, Banken und Standortgemeinden für ihre Entscheidungsfindung eine aussagekräftige Jahresrechnung. Dies ist heute nur in Ausnahmefällen gegeben, insbesondere bei Anwendung von Swiss GAAP FER und IFRS. Ansonsten fehlen dem Bilanzleser mit der Geldflussrechnung und dem Sachanlagespiegel, aber auch den Informationen des Lageberichts zentrale Elemente.

Wie kann die Situation ohne grosse Mehrkosten für die Bergbahnen verbessert werden?

Es besteht daher ein Handlungsbedarf. Die Frage ist, wie die Situation verbessert werden kann, ohne dass den Bergbahnen Vorschriften gemacht werden, deren Umsetzung kostspielig ist. Im Vordergrund stehen nach OR erstellte Jahresrechnungen. Hier sollten die wichtigsten Bestandteile der Sachanlagen separat bilanziert werden und deren Abschreibung über die betriebswirtschaftliche Nutzungsdauer erfolgen. Damit wären allerdings stille Willkürreserven nicht mehr zulässig. Weiter sollte (freiwillig) ein Sachanlagespiegel in den Anhang zur Jahresrechnung aufgenommen und in jedem Fall eine Geldflussrechnung erstellt werden.

Fazit

Die Verbesserung der Transparenz der Finanzberichterstattung durch die Umsetzung der oben aufgeführten Punkte muss in erster Linie durch den Verwaltungsrat jeder Bergbahn und in Kenntnis der spezifischen Gegebenheiten erfolgen. Natürlich können auch die Aktionäre, die Banken und die Standortgemeinden gleiches verlangen, zumal diesbezüglich ein Handlungsbedarf besteht, wie die Untersuchung gezeigt hat.

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Quellen und weiterführende Informationen

Eberle, R., Maron, N. (2019). Rechnungslegung für Schweizer Bergbahnen – Vorschläge für eine transparentere Berichterstattung. Expert Focus, 6-7/2019, S. 447-453.

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