HR und Leadership

Ethische Digitalisierungsstrategie

29. Juli 2019

Kein Zweifel, die Digitalisierung darf von Schweizer Unternehmen nicht verschlafen werden, denn die Mitbewerber aus digitalaffineren Kulturen verschlafen die Chancen der Digitalisierung keinesfalls. Insbesondere China hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 Weltmachtführer in der Künstlichen Intelligenz (KI) zu sein. Dies ganz nach dem Slogan "Wer die künstliche Intelligenz beherrscht, beherrscht die Welt." Dies bedeutet, auch die Schweizer Firmen und Mitarbeitenden müssen am Ball bleiben und die Digitalisierung aktiv mitgestalten. Doch ab welchem Punkt entwickelt sich die Digitalisierung vom Wirtschaftsmotor und der Unternehmenssicherung hin zum Risiko für unsere eigene Existenz?

Ab welchem Punkt entwickelt sich die Digitalisierung vom Wirtschaftsmotor und der Unternehmenssicherung hin zum Risiko für unsere eigene Existenz?

Übernehmen Sie Verantwortung für die digitale Transformation in Ihrem Unternehmen (Symbolblid)

Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zur Entwicklung der Arbeitsplätze in Deutschland zeigt auf, welche Berufsgruppen durch die digitalen Medien und der KI ersetzbar sind. Die wesentliche Schlussfolgerung kann auch auf die Schweiz übertragen werden: Schon jetzt könnten 15 Prozent aller hiesigen Jobs durch die Digitalisierung wettgemacht werden. Die im April 2019 veröffentlichte OECD-Studie zum Thema Digitalisierung stellt dar, dass in den kommenden 15 bis 20 Jahren europaweit rund 14 Prozent aller Berufe durch die Digitalisierung wegfallen werden. Ausserdem wird davon ausgegangen, dass von den weiterhin bestehenden Berufsbildern jedes dritte durch die Digitalisierung stark verändert wird.

Nicht verwunderlich ist, dass Tätigkeiten mit einem hohen Routineanteil zu einem sehr hohen Prozentsatz von der KI übernommen werden kann. Denn gerade diese Aufgaben erfüllt die KI schneller, präziser und günstiger als wir Menschen.

Chancen und Herausforderungen in der Digitalisierung

Unter dem Strich werden durch die Digitalisierung wesentlich mehr qualifizierte Stellen entstehen als wegfallen. Diesbezüglich offenbart eine Studie des McKinsey Global Institutes, dass aufgrund der Digitalisierung in der Schweiz pro Tag im Schnitt 1217 Stellen gestrichen und im Gegenzug 1331 neu geschaffen werden. Im Datenvergleich dieser Studie wird aber auch ersichtlich, dass seit dem Jahr 2016 rund ein Drittel der Stellenverluste auf Betriebsschliessungen zurückzuführen sind. Welcher Anteil dieser Betriebsschliessungen wäre wohl durch eine gezielte Digitalisierungsstrategie zu vermeiden gewesen? Welchen Einfluss haben bei diesen Schliessungen unzeitgemässe Geschäftsprozesse und Mangel an digitalem Know-how?

Wie weit darf die Wirtschaft in ihrem berechtigten Wunsch nach Optimierung und Kostenersparnis gehen? Wo ist die Schwelle, an der diese Bestrebungen die firmeneigene Marktfähigkeit gefährdet? Wieviel von dem, was machbar ist, sollte auch wirklich umgesetzt werden? Im Endeffekt darf nicht vergessen werden, dass die Existenzen von Mitarbeitenden und Unternehmen voneinander abhängen und dass die Wirtschaft von ihren Kunden und Kundinnen lebt. Wenn die Angst vor Veränderungen, Stellenverlust oder allgemein vor der Zukunft um sich greift und damit verbunden ein Vertrauensverlust im Hinblick auf die wirtschaftliche Sicherheit entsteht, wird erfahrungsgemäss nicht mehr neu investiert.

Digitalisierungsstrategie: Wie Sie Verantwortung für Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeitenden übernehmen

Welche Schritte soll Ihr Unternehmen im Hinblick auf die Digitalisierungsstrategie vornehmen, um weder von der Entwicklung noch von den Mitbewerbern überrollt zu werden?

  1. Entscheidend ist, dass alle von den Veränderungen betroffenen Personen die Digitalisierung ihrem Umfeld entsprechend konstant und aktiv mitgestalten. Dies ohne in blinden Aktionismus zu verfallen. Dazu bedarf es einer offenen und zukunftsgerichteten Haltung und einem Rundumblick.
  2. Überprüfen Sie den Digitalisierungsgrad Ihres Unternehmens, wie auch den Ihres Umfeldes. Passen Sie Ihre Digitalisierungsstrategie auf eine ressourcengerechte und schrittweise Umsetzung an.
  3. Binden Sie betroffene Personen so früh wie möglich in die Gestaltung Ihrer Digitalisierungsstrategie ein und kommunizieren Sie offen über die anstehenden Veränderungen. Reden Sie mit Ihren Mitarbeitenden auf allen Hierarchiestufen. Auch und gerade wenn veränderungsbedingte Know-how-Lücken ersichtlich werden.
  4. Behalten Sie die Anschlussfähigkeit auf allen Ebenen im Blick. Falls die digitale Anschlussfähigkeit bei Ihren Mitarbeitenden nicht gegeben ist, besprechen Sie neue und weitere Optionen für den Verbleib im Unternehmen. Dazu sind Aspekte wie Weiterbildungen, digitales Upcycling, die Übernahme neuer Aufgaben/Funktionen oder auch Versetzungen zu berücksichtigen.
  5. Das Entwickeln einer Gelassenheit in Bezug auf die Veränderungen ist ebenfalls sehr wichtig. Denn Unsicherheit kommt vorwiegend von innen! Grundsätzlich können wir unseren Erfahrungen und Fähigkeiten trauen. Wir alle haben in unserem Leben schon oft bewiesen, dass wir uns an Veränderungen anpassen und diese sinnvoll nutzen können. Veränderungen sind normal.

Mit dieser Haltung und Vorgehensweise schaffen Sie Offenheit, Klarheit und Vertrauen und Sie geben Ihren Mitarbeitenden eine faire Entwicklungschance. Dies stabilisiert nicht nur Ihr Unternehmen und macht Ihre Mitarbeitenden und Ihr Unternehmen resilienter. Damit unterstützen Sie auch den Erhalt der Marktfähigkeit Ihres Unternehmens und Ihrer Mitarbeitenden.

Lesen Sie weitere Beiträge von Helena Schamberger-Fischer im Kalaidos Blog:

Resilienz in der digitalen Arbeitswelt

Digitalisierung: Kompetenzenmix und 45/50+ 

Digitalisierung und der demographische Wandel

Was die Digitalisierung mit uns Menschen macht

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Quellen und weiterführende Informationen


Wie China schon heute die Welt beherrscht, Spiegel Online AUSGABE 46/2017

DIE ZUKUNFT DER ARBEIT- OECD-Beschäftigungsausblick 2019 HIGHLIGHTS

Dengler, K. & Mathes, B. (2015). IAB Forschungsbericht - Aktuelle Ergebnisse aus der Projektarbeit des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Folgen der Digitalisierung für die Arbeitswelt - Substituierbarkeitspotenziale von Berufen in Deutschland.

Mc Kinsey Global Institute The Future of Work: Switzerland's Digital Opportunity - McKinsey OCTOBER 2018. In Collaboration with McKinsey & Company Switzerland. 

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