HR und Leadership

Widersprüche in Teamerfolgsrezepten? (1/2)

22. Mai 2019

Was macht Teams erfolgreich? Antworten dazu liefern ein breites Spektrum an Fachliteratur und wissenschaftliche Studien. Dort finden sich aber auch eine ganze Reihe vermeintlicher „Widersprüche“:

Vermeintliche Widersprüche in Erfolgsrezepten für Teams

Vermeintliche Widersprüche in Erfolgsrezepten für Teams (Symbolbild)

Emotionale Sicherheit ist der Schlüssel, aber Harmonie ist gefährlich

Teams wird einerseits empfohlen, den erforderlichen Raum zu schaffen, damit sich jeder wohl fühlt und sein Bestes beitragen kann. In diesem Zusammenhang wird als Referenz etwa das Familienleben genannt, denn das ist die Umgebung, in der wir uns typischerweise frei bewegen und nicht gezwungen fühlen, eine Maske aufzusetzen. Eine solche Atmosphäre erlaubt es zum einen, "verwundbar" zu sein, das heisst, über Themen zu sprechen, die wirklich wichtig sind, und zum anderen zu zeigen, womit man zu kämpfen hat, und auch womit man überfordert ist. Auf diese Weise wird eine starke Basis geschaffen, um grosse Herausforderungen gemeinsam anzugehen.

Andererseits gibt es aber starke Evidenz dafür, dass das Streben nach Harmonie falsch ist. Konflikte zu vermeiden bedeutet gleichzeitig, keine schmerzhaften Entscheide zu treffen, die aber für das Weiterkommen unabdingbar sind. Es bedeutet, schwache Leistungen zu tolerieren. Und gleichzeitig wird ein Signal gesendet, dass es nicht erwünscht ist, Meinungsverschiedenheiten anzusprechen.

Teams sollten divers, aber klein sein

Wir alle wissen um die Stärke eines breiten Mix in Hinsicht auf Geschlecht, kulturellen Hintergrund, technische Erfahrungen und mehr. Auf der anderen Seite gibt es viele Indizien dafür, dass das höchste Mass an Dynamik und Kreativität bei jenen Teams zu finden sind, welche etwa fünf Mitglieder haben, nicht mehr. Viele Design Thinking Teams sind so aufgestellt. Und ich habe mehrere grosse Teams gesehen, die sich aufgeteilt haben, nachdem sie die Schattenseiten einer zu grossen Gruppe erleben konnten. Doch wie kann man – die natürlichen Restriktionen eines jeden Unternehmens respektierend – ein Team von fünf Mitgliedern zusammenstellen und gleichzeitig eine wirkliche Vielfalt schaffen?

Ein geteiltes klares Ziel ist wichtig, aber es muss auch die Freiheit bestehen, sich in unbekanntes Terrain vorwagen zu können

Erfolg kommt wenn das ganze Team am selben Strang zieht, statt Einzelspieler zu haben, die in ihren bequemen Silos an einzelnen Puzzleteilen basteln. Dagegen entstehen die grössten Innovationen nicht aus einem frühen Konsens, sondern oft eben aus "dummen" Ideen, die noch dazu „nie funktionieren werden“. Werden diese –  trotz geringer Unterstützung der Mehrheit, aber dafür mit Mut und Entschlossenheit – weiterentwickelt, haben sie das grösste Potenzial, um einen wahren Durchbruch zu bringen.

Die kurzfristige Bottom-up-Planung ist eine Voraussetzung für Genauigkeit und Buy-in, aber langfristige Top-down-Erwartungen können nicht ignoriert werden

Das Wissen darum, was möglich ist und wie, findet sich primär im Team selbst. Und angesichts der vielen Unsicherheiten im Zusammenhang mit Innovationen kann eine langfristige Planung bestenfalls indikativ sein, wenn sie nicht sogar unmöglich ist. Diese Überzeugung steht hinter Sprint-Planung, Big Room Plannings, Arbeiten in Inkrementen und anderen Elementen agiler Methoden. Ein Plan wird nur dann verabschiedet, wenn genügend Teamvertrauen vorhanden ist. Auf der anderen Seite ist es aber auch notwendig, dass strategische Unternehmensplanung und Jahresbudgets eingehalten werden und, dass das Management in der Lage ist, alle Fäden zusammenzuziehen und somit Top-down-Anforderungen und Zeitpläne zu bestimmen.

Leider gibt es keine Standardantwort, wie man mit diesen Gegensätzen und den damit verbundenen Trade-offs umgehen kann. Die Bestimmung eines optimalen Wegs hängt vor allem von Kontext, Ausgangslage, Personen und konkreten Aufgaben ab. Es gibt, wie so oft im Leben, kein Schwarz-Weiss.

Aus eigener Erfahrung aus der Arbeit mit zahlreichen Teams kann ich sagen, dass es jedoch einige Massnahmen gibt, um die Leistung in jedem Kontext zu maximieren, und die helfen, die Herausforderungen zu überwinden, welche sich aus den oben genannten "Widersprüchen" ergeben. Diese Massnahmen möchte ich mit Ihnen in Kürze in meinem nächsten Blogbeitrag:  "Teamerfolgsrezepte: Was immer wirkt" teilen.

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Thema: HR und Leadership

Autor: Dr. Alexander Roitinger

Datum: 22. Mai 2019

Schlagworte: Teamerfolg

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