Wirtschaftspsychologie

Konsumwahn mit Folgen

29. April 2019

Wir Schweizerinnen und Schweizer verbrauchen dreimal so viele Ressourcen, als global verfügbar sind. Sabine Lerch von der Stiftung Biovision zeigt auf, warum dies uns alle betrifft und was wir spielerisch, einfach und mit Genuss dagegen machen können.

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Unser tägliches Konsumverhalten – und die weitreichenden Konsequenzen (Symbolbild)

Unser Essen und das Ausland

Ein grosser Teil der Umweltbelastung, die wir täglich verursachen, fällt nicht in der Schweiz an: 86 Prozent des Bodens, der für unseren Konsum gebraucht wird, befindet sich im Ausland. Lange Transporte und der damit verbundene Ausstoss von Treibhausgasen heizen den Klimawandel weiter an.

Was wir täglich essen und trinken, spielt dabei eine zentrale Rolle. Gut ein Drittel unserer Umweltbelastung geht auf das Konto der Ernährung. Vor allem der Genuss von tierischen Produkten fällt ins Gewicht. Er macht rund 70 Prozent der Treibhausgasemissionen unseres Essens aus. Weltweit werden im Durchschnitt 41.3 kg Fleisch pro Jahr gegessen. In der Schweiz bringen wir es auf stolze 51 kg pro Jahr und Kopf.

Zusätzlich verschwenden wir in der Schweiz jährlich 2’500’000’000 kg geniessbare Lebensmittel. Sie gehen vom Acker bis zum Teller verloren oder landen im Abfall. Der grösste Teil des Foodwastes, rund 45 Prozent, fällt bei uns zu Hause an: Wir kaufen zu viel ein, «vergessen» Lebensmittel im Kühlschrank oder werfen Essensreste fort.

«CLEVER – spielend intelligent einkaufen»

Unser Planet stösst an seine Grenzen. Damit wir in Zukunft zehn Milliarden Menschen ernähren können, braucht es eine Veränderung hin zu mehr Nachhaltigkeit – und zwar jetzt. Neben der Politik und der Wirtschaft sind dafür auch die Konsumentinnen und Konsumenten in der Verantwortung. Viele möchten sich beim Einkaufen umweltfreundlicher und fairer verhalten, wissen aber zu wenig darüber, wie sie ihr Verhalten in die richtige Richtung verändern können. Hier hilft die Stiftung Biovision mit der interaktiven Ausstellung «CLEVER – spielend intelligent einkaufen» und dem spielerischen Onlineshop «CLEVER Online». Während einer spielerischen Shopping-Tour kann man das eigene Konsumverhalten unter die Lupe nehmen und erhält gleichzeitig wertvolle konkrete Tipps.

Tipps für den eigenen Alltag

Weniger ist mehr!
Planen Sie Ihre Einkäufe und kaufen Sie nur, was Sie brauchen. Wichtig dabei: Niemals hungrig einkaufen. Behalten Sie den Überblick über Ihre Vorräte. Kleinere Portionen kochen und Resten aufwärmen oder kreativ wiederverwerten hilft ebenfalls gegen ungewollten Foodwaste.

Essen Sie öfter mal vegetarisch
Die Produktion von tierischen Produkten, also auch von Milchprodukten und Eiern, verbraucht viele natürlichen Ressourcen. «Weniger» ist hier die Lösung, 2-3 Mal pro Woche reicht. Entdecken Sie vegane oder vegetarische Gerichte, teilen Sie Ihr Steak mit dem Tischnachbarn oder ersetzen Sie einen Teil des Hackfleischs in der Lasagne mit viel Gemüse.

Kaufen Sie saisonal und regional ein
Durch den Konsum von saisonalen und regionalen Produkten können Transportwege eingespart, die Lagerdauer und somit auch die Lagerschäden verringert werden. Weitere Vorteile sind die Frische und die Unterstützung der regionalen Landwirtschaft. Geniessen Sie im Herbst und Winter Äpfel, Kürbis, Nüsslisalat oder Grünkohl. Der Frühling beginnt mit Rhabarber, im Sommer folgen Tomaten und verschiedene Beeren. Weitere Inspiration finden Sie in unserem Saisonkalender.

Wählen Sie Produkte mit nachhaltigen Labeln
Mittlerweile gibt es sehr viele Label, und die Anzahl nimmt immer weiter zu. In diesem Label-Dschungel den Durchblick zu behalten ist nicht immer einfach. Unser Labelglossar hilft Ihnen hier weiter. Mit dem Kauf von Bio-Produkten leisten Sie einen konkreten Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität. Bio-Bauern fördern durch vielfältige Kulturen, den konsequenten Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und eine strikt biologische Düngung die Vielfalt von Tieren und Pflanzen und schützen unsere Böden.

Meiden Sie Produkte mit Palmöl
Die Produktion von Palmöl ist sehr problematisch, für die Plantagen werden Regenwälder gerodet und Moore trockengelegt. Oft konsumieren wir Palmöl unbewusst: Es steckt u. a. in Margarine, Schokolade, Backwaren, Süssigkeiten, Kosmetika oder Waschmitteln. Wenn Sie Ihren Palmölkonsum möglichst unter Kontrolle halten möchten, lesen Sie das Kleingedruckte, kochen Sie selber und lassen Sie bei Kosmetika und Waschmitteln Vorsicht walten.

Das tägliche Konsumverhalten hat nicht zu unterschätzende Konsequenzen. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass Konsumentinnen und Konsumenten genau hier ansetzen können: Für eine bessere Ernährungssicherheit, mehr Nachhaltigkeit und eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung.

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Weiterführende Informationen und Quellen:

Thema: Wirtschaftspsychologie

Autor: Sabine Lerch

Datum: 29. April 2019

Schlagworte: Konsum, Nachhaltigkeit, Umwelt

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