Banking und Finance

Konzeption eines Open-Banking-Modells (4/4)

20. Februar 2019

In meinem letzten Beitrag habe ich mögliche Szenarien für die Einsetzung von Open-Banking-Modellen beschrieben. Ob Open Banking künftig als Basis für Ökosysteme eingesetzt wird oder als Treiber für Innovation dient, muss die Disziplin unumgänglich in der Geschäftsstrategie verankert werden. Ergänzend zum Open-Banking-Modell gibt es vier strategische Stossrichtungen bei der Implementierung und anschliessenden strategischen Umsetzung von Open Banking.

Open Banking – die strategischen Stossrichtungen 

Open Banking – die strategischen Stossrichtungen (Symbolbild).

Festlegung der Gesamt-Bankstrategie

Die Auswertung meiner Masterarbeit hat ergeben, dass sich Banken, welche ihre Strategie in Bezug auf Open Banking frühzeitig festlegen, einen klaren Vorteil in punkto Wissen und Erfahrung verschaffen. Diese Banken können im Hinblick auf künftige Standards für die Harmonisierung von Schnittstellen und Prozessen aktiv mitbestimmen und haben darüber hinaus die Möglichkeit, aktiv in Gremien oder Initiativen zum Thema Open Banking teilzunehmen.

Was die Umsetzung im Unternehmen betrifft, so ist Open Banking per se kein reines IT-Projekt. Vielmehr handelt es sich um ein Transformations-Projekt, welches im engen Kontext mit einer Kulturveränderung für die gesamte Organisation steht. Die Veränderung ist daher aus der Geschäftsleitung resp. dem Management heraus „top-down“ vorzuleben und in der Geschäftsstrategie als langfristige Komponente festzulegen.

Strategie für die Umsetzung

Was die Umsetzungsstrategie von Open Banking gerade in Bezug auf die Thematik der bevorstehenden API-Anbindungen betrifft, so können die möglichen Optionen, je nach strategischer Ausrichtung der Bank, in einem Quadranten abgebildet werden.

Die nachfolgende Abbildung zeigt die vier strategischen Stossrichtungen in Bezug auf die Umsetzungsstrategie von API-Anbindungen.

Die vier Umsetzungsstrategien von Open Banking (Quelle: Wisler, 2018)

Die vier Umsetzungsstrategien von Open Banking (Grafik; Quelle: Wisler, 2018)

Auf Institutsebene hat sich das Management auf eine der vier strategischen Stossrichtungen festzulegen. Zwingend gilt dies für Banken im EU-Raum, da PSD2 eine Strategieausrichtung implizit einfordert.

Digitalisierungsstrategie

Nach der Festlegung der Umsetzungsstrategie folgt aufbauend die Digitalisierungsstrategie des Kundenkanals. Das heisst konkret die kundenseitige, kanalunabhängige Informationsbereitstellung. Die Festlegung der Digitalisierungsstrategie erfolgt nach bankeninternen Ausrichtungen oder auf Basis bestehender Modelle.

Adaption des Open-Banking-Referenzmodells

Ist die Strategieausrichtung erfolgt, folgt eine Vorprojektphase mit dem Ziel, das Open-Banking-Referenzmodell individuell auf das Institut bezogen zu adaptieren. Erst, wenn alle bankinternen Interpretationen festgelegt sind, besteht ein einheitliches Verständnis am Thema Open Banking.

Fazit

Auf Basis der Auswertung aus der Masterarbeit empfiehlt sich ein zentrales Gremium, welches sämtliche bankinternen Initiativen koordiniert und Abläufe vereinheitlicht. Der empirische Teil meiner Masterarbeit bestätigt zudem die Aussagen, dass vor allem Schweizer Finanzinstitute die Digitalisierung und die radikale Öffnung der bestehenden Geschäftsmodelle aggressiver angehen sollen. Nur so kann die Zukunft der FinTech-Evolution aktiv mitgestaltet werden.

Lesen Sie weitere Teile dieser Blogserie:
Konzeption eines Open-Banking-Modells (Teil 1/4)
Konzeption eines Open-Banking-Modells (Teil 2/4)
Konzeption eines Open-Banking-Modells (Teil 3/4)

Themen: Banking und Finance, Digitalisierung

Autor: Roger Wisler

Datum: 20. Februar 2019

Schlagworte: Digitalisierung, PSD2

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