Banking und Finance

Konzeption eines Open-Banking-Modells (2/4)

04. Februar 2019

In meinem letzten Blogbeitrag sowie der vorgegangenen Blogreihe habe ich das Thema „Open Banking“ am Ursprung beschrieben. Hierzu habe ich mich am Geschäftsmodell des St. Galler Business Modell Navigators angelehnt und die vier zentralen Dimensionen „Wer-Was-Wie-Wert“ beschrieben. Im heutigen Blogpost gehe ich auf das Referenzmodell, welches aus meiner Masterarbeit hervor gegangen ist und sich entlang der beschriebenen vier Dimensionen ausrichtet, ein.

Konzeption eines Open-Banking-Modells 

Konzeption eines Open-Banking-Modells (Symbolbild).

Kunde – Wer ist unser Zielkunde?

Erklärung gemäss dem St. Galler Business Model Navigator
Für jedes erfolgreiche Geschäftsmodell soll ein Unternehmen die relevanten Kundensegmente genau verstehen, welche adressiert werden sollen und welche nicht. Kunden stehen im Zentrum jedes Geschäftsmodells.

Bedeutung für das Open-Banking-Modell
Im Zentrum stehen die Bankkunden, welche eine Veränderung im Banking wahrnehmen. Entweder konsumieren sie direkte Online-Services bei ihrer Bank oder indirekt in einem Ökosystem via Drittanbieter. 

Nutzenversprechen – Was bieten wir den Kunden an?

Erklärung gemäss dem St. Galler Business Model Navigator
Die zweite Dimension beschreibt, was den Zielkunden angeboten wird, um deren Bedürfnisse zu befriedigen. Das Nutzenversprechen beschreibt alle Leistungen eines Unternehmens (Produkte und Dienstleistungen), die den Kunden von Nutzen sind.

Bedeutung für das Open-Banking-Modell
Im traditionellen Banken-Modell werden den Kunden die Banking-Services im direkten Kanal von der Bank offeriert. Im Open-Banking-Modell werden die Kanäle erweitert, Ökosysteme entstehen und neue Lösungen von Drittanbietern werden Kunden angeboten.

Wertschöpfungskette – Wie stellen wir die Leistung her?

Erklärung gemäss dem St. Galler Business Model Navigator
Um das Nutzenversprechen zu erzielen, soll ein Unternehmen verschiedene Prozesse und Aktivitäten durchführen. Diese Prozesse und Aktivitäten zusammen mit den involvierten Ressourcen und Fähigkeiten eines Unternehmens bilden die dritte Dimension im Design eines Geschäftsmodells. Hinzukommt die Koordination entlang der Wertschöpfungskette.

Bedeutung für das Open-Banking-Modell
Geschäftsmodelle im Open-Banking-Ansatz entstehen einerseits durch Finanzinstitute, aber auch durch Drittanbieter innerhalb eines Ökosystems. Die Wertschöpfungskette hat dabei den primären Fokus einen Kundennutzen zu erstellen, resp. sich gegenüber dem traditionellen Banken-Modell zu verbessern.

Damit Geschäftsmodell und Wertschöpfungskette funktionieren, braucht es Standards für Open APIs, Banking-as-a-Service sowie die notwendigen Technologien dazu.

Die Open APIs unterscheiden sich in:

  • APIs, durch eine Regulierung vorgegeben (wie die Zahlungsdienste der PSD2)
  • APIs, welche Banken für weitere Geschäftsmodelle zur Verfügung stellen (z.B. im Firmenkundengeschäft oder in der Vermögensverwaltung)

Ertragsmechanik – Wie wird Wert generiert?

Erklärung gemäss dem St. Galler Business Model Navigator
Die vierte Dimension erklärt, warum ein Geschäftsmodell finanziell überlebensfähig ist. Es beinhaltet Aspekte wie die Kostenstruktur und die Umsatzmechanismen. Diese Dimension beantwortet die zentrale Frage jeder Firma: Wie erzielt man mit dem Geschäft Wert?

Bedeutung für das Open-Banking-Modell
Im Open-Banking-Modell kann kein direkter finanzieller Ertrag prognostiziert werden. So wie die Auswertung der Masterarbeit ergeben hat, generiert das Modell primär einen Kundennutzen. Sind Kunden von der „Customer Experience“ der neuen Lösungen begeistert, sind sie auch bereit, etwas dafür zu bezahlen. Wenn der Kundennutzen in einem Ökosystem entsteht, werden die User die Dienstleistung als Einheit bezahlen. Die Aufteilung der Einnahmen erfolgt dann an alle Teilnehmer des Ökosystems. So wie die Auswertung ergeben hat, bedeutet Open Banking für die Banken im ersten Schritt eine Investition in ihre Plattform, bevor erste Gewinne erzielt werden können. Daher ist ein „Business Case“ aus Banken-Sicht nur schwer zu errechnen. Bei den Drittanbietern sieht es ähnlich aus, bis ihre Lösungen erste Gewinne erzielen werden. Die „Value Proposition“ der Kunden steht dabei stets im Mittelpunkt von Lösungen.

Fazit

Wie bereits angesprochen stützt das gezeigte Referenzmodell auf bereits existierende Vorbilder ab. Hierbei wirken jedoch zusätzliche Einflussfaktoren auf das Modell. Im nächsten Beitrag dieser Blogreihe werde ich diese beschreiben und näher auf die Strategie eingehen. Bleiben Sie dran.

Thema: Banking und Finance

Autor: Roger Wisler

Datum: 04. Februar 2019

Schlagworte: PSD2, Digitalisierung

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