Accounting und Controlling

Auswirkungen von CEO-Wechseln auf den Unternehmenserfolg (3/3)

26. Februar 2019

Ein Zusammenhang zwischen CEO-Wechseln und Earnings Management konnten Forscherinnen und Forscher bereits in diversen Ländern bestätigen.

Mann vor FensterEin "Window of Opportunity" für einen neuen CEO (Symbolbild)  

In Bezug auf Schweizer Unternehmen konnte keine zugängliche Studie gefunden werden, die das Thema Earings Management in Kombination mit Big Bath Accounting, Goodwill-Impairment und Restrukturierungsrückstellungen untersucht und einen Zusammenhang dieser Faktoren mit einem CEO-Wechsel unterstellt.

Durch Analysen im Rahmen einer Bachelorarbeit zur Erlangung des akademischen Grades Bachelor of Science FH in Business Administration mit Vertiefung in Banking und Finance konnte lediglich bei den im Swiss Leader Index enthaltenen Schweizer Grossunternehmen Tendenzen für Earnings Management gefunden werden. Als mögliche Gründe dafür werden höhere Goodwill-Positionen und eine höhere CEO-Fluktuation vermutet. Klein- und Mittelunternehmen befinden sich oft in Familienbesitz, was ein Grund für eine geringere Anzahl von CEO-Wechsel sein könnte.

Grosser Spielraum für Earnings Management

Ein grosser Spielraum für Earnings Management ist vor allem bei der Folgebewertung der Goodwill-Position zu finden. Möglich macht dies eine Reihe von verdeckten Bewertungswahlrechten wie beispielsweise in Bezug auf zukünftige Cashflow Prognosen, Umstrukturierung von Cash Generating Units oder weiteren Schätzungen. Zusätzlich ist zu erwähnen, dass die Goodwill-Positionen der 30 grössten Schweizer Unternehmen im Verhältnis zur Bilanzsumme, seit der Einführung des Impairment-Only-Ansatzes im Jahr 2005, steigend sind. Dies lässt Spielraum für Milliardenabschreibungen zu, wie es im Jahr 2015 nach dem CEO-Wechsel bei der Credit Suisse zu sehen war.

Wirtschaftlichen Gründe für das Betreiben von Earnings Management

Die Entscheidung für das Betreiben von Earnings Management wird aus wirtschaftlichen Effizienzüberlegungen oder aus persönlichen, opportunistischen Überlegungen des Managements getroffen. Die wirtschaftlichen Gründe sind im Bereich des strategischen Managements zu finden und haben zum Ziel, den Firmenwert zu erhöhen. Wirtschaftliche Gründe sind beispielsweise geplante Börsengängen oder Unternehmensfinanzierungen, Firmenzusammenschlüsse, Bilanzbereinigungen in Verlustjahren oder die Nutzung von steuerlichen Vorteilen. Der opportunistische Ansatz wird aus reinem finanziellem Eigeninteresse des Geschäftsführers oder der Geschäftsführerin getroffen. Hierbei stehen die Themen Insider-Trading, Management Buyouts und als Hauptgrund die gesamte Management-Entlohnung im Vordergrund. Gerade die Entlohnung mittels Boni oder Aktienprogrammen bieten hohen Anreiz für Earnings Management.

Fazit

Aufgrund der Analysen sind sowohl die Ermessensspielräume bei der Folgebewertung des Goodwills als auch der gesamte Impairment-Only-Ansatz zu hinterfragen und weiter zu untersuchen. Ebenfalls ist den Verwaltungsräten eine sorgfältige Auswahl der Performance-Kennzahlen zu empfehlen, welche als Basis für die Entlohnung des CEO’s dienen.

Lesen Sie weitere Blogbeiträge der Blogreihe und erfahren Sie mehr zu den drei Techniken des Earnings Management und welche Auswirkungen der CEO-Wechsel auf den Unternehmenserfolg hat.

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Weiterführende Literaturhinweise und Quellenangaben:

Stahl, S. & Appelkvist, M. (2014). CEO Succession and Big Bath Accounting.
Meyer, C. & Kuster, O. (2008). Einflussfaktoren auf das Goodwill Impairment nach IFRS.
Kirsch, H. (2017). IFRS-Abschlussanalyse (4. Aufl.). Berlin: Erich Schmidt Verlag.
Credit Suisse Group AG. (2017). Annual Report 2017.
Watts, R.L. & Zimmerman, J.L. (1990). Positive Accounting Theory: A Ten Year Perspective. The Accounting Review, 65 (1), 131-156.
Ronan, J., & Yaari, V. (2007). Earnings Management: Emerging Insights in Theory, Practice, and Research (Springer Series in Accounting Scholarship). New York: Springer.
Sidiropoulos, P. (2014). Die Big Bath Methode – Creative Accounting Teil 1 
Dechow, P.M., Sloan, R.G., & Sweeney, A.P. (1996). Causes and consequences of earnings manipulation: An analysis of firms subject to enforcement actions by the SEC. Contemporary Accounting Research 13 (1), 1–36.
Healy, P.M. (1985). The effect of bonus schemes on accounting decisions. Journal of Accounting and Economics, 7 (1-3), 85-107.
Holthausen, R.W., Larcker, D.F. & Sloan, R.G. (1995). Annual bonus schemes and the manipulation of earnings. Journal of Accounting and Economics, 19 (1), 29-74.
Murphy, K.J. (1999). Executive compensation. In O. Ashenfelter & D. Card (Hrsg.), Handbook of Labor Economics (3. Bd., S. 2485-2563). Amsterdam: North Holland.

Themen: Accounting und Controlling, Banking und Finance

Autor: Tim Holinger

Datum: 26. Februar 2019

Schlagworte: CEO, Bilanz, Big Bath

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