Accounting und Controlling

Auswirkungen von CEO Wechseln auf den Unternehmenserfolg (1/3)

11. Februar 2019

Bei einem CEO-Wechsel übernimmt der neue CEO die entscheidende Rolle für den Erfolg des von ihm geleiteten Unternehmens.

Mann vor GebäudeDie Erwartungen an einen neuen CEO sind meist hoch (Symbolbild)

Zwar werden ihm bei Eintritt Bandbreiten durch die Unternehmensstrategie vorgegeben, dennoch ergibt sich durch den Wechsel ein Window of Opportunity, eine Zeitspanne, in der Ereignisse besonders beeinflusst werden können. Kurzfristig betrachtet können durch eingeleitete Massnahmen des neuen CEO’s Kosten für das Unternehmen entstehen, welche sich negativ auf den Unternehmenserfolg auswirken. Längerfristig wird eine positive Auswirkung auf den Unternehmenserfolg erwartet, denn die Aufgabe des operativen Managements liegt in der Erfolgsrealisierung.

Nebst der realen unternehmerischen Leistung des CEO’s besteht allerdings noch eine weitere Möglichkeit zur Erreichung der hohen Erwartungen des Verwaltungsrats sowie der Anspruchsgruppen.  

Anwendung einer Bilanzpolitik

Durch die Anwendung einer Bilanzpolitik, auch Earnings Management genannt, kann eine Maximierung, Minimierung oder eine Glättung des Unternehmenserfolgs erreicht werden. Ermöglicht wird dies durch das Ausnutzen von Ermessensspielräumen bei Gestaltungsoptionen oder Ansatz- und Bewertungswahlrechten. Als weitere Voraussetzung für Earnings Management ist die asymmetrische Informationsverteilung zwischen der Geschäftsleitung und den Anspruchsgruppen zu erwähnen. Diese entsteht, weil das Management die Finanzzahlen vor deren Veröffentlichung kennt und entsprechend beeinflussen kann.

Durch bilanzpolitische Massnahmen können jedoch nur die Bestandesgrössen des Jahresabschlusses, d.h. Vermögenswerte und Verbindlichkeiten und damit auch das bilanzierte Eigenkapital systematisch beeinflusst werden. Die Veränderungsgrössen, Erträge und Aufwendungen, lassen sich nicht dauerhaft beeinflussen. Es kann lediglich auf deren Entstehungszeitpunkt und somit auf deren zeitlichen Verteilung Einfluss genommen werden.

Drei Techniken des Earnings Management

Earnings Management lässt sich in die drei Techniken Target Accounting, Earnings Smoothing und Big Bath Accounting unterteilen.

Target Accounting

Wenn der Konzerngewinn knapp unter den internen Zielvorgaben oder den Analystenerwartungen liegt, kann dieser nach oben gedrückt werden, um das Erfolgsziel doch noch zu erreichen.

Earnings Smoothing

Das Earnings Smoothing beschreibt hingegen die Reduktion der Varianz von Ergebnissen. Dadurch wird in einem starken Jahr der Gewinn durch bilanzpolitische Massnahmen reduziert, Gewinne somit in die nächsten Jahre geschoben und als Resultat daraus eine Gewinnglättung erreicht.

Big Bath Accounting

Beim Big Bath Accounting werden durch die Geschäftsleitung buchhalterische Entscheidungen getroffen, um in einer Periode den Unternehmenserfolg durch hohe Abschreibungen sowie Rückstellungen stark zu reduzieren und eine Steigerung zukünftiger Unternehmenserfolge zu erreichen. Am häufigsten sind dies Abschreibungen auf den Goodwill-Positionen sowie die Bildung von Restrukturierungsrückstellungen. In den Folgejahren können die Rückstellungen wieder aufgelöst werden und erhöhen somit zukünftige Erfolge.

Zusätzlich können durch gezielte Periodenabgrenzungen zukünftige Kosten in einer Periode verbucht werden. Dies hat den Effekt, dass die Kosten in zukünftigen Jahren nicht mehr so hoch ausfallen, die zukünftigen Unternehmensergebnisse weniger stark belastet und somit aufgebläht werden. Ein längerfristiges „Schönrechnen“ ist durch den alleinigen Einsatz dieses Instruments allerdings nicht möglich. Zwar lassen sich die totalen Periodenabgrenzungen durch die Differenz zwischen Jahresergebnis und dem operativen Cashflow ermitteln. Jedoch besagt die Theorie, dass die totalen Periodenabgrenzungen den Cashflow korrigieren und summiert über die gesamte Lebensdauer eines Unternehmens den Wert von null ergeben. Folglich gleicht sich die Differenz zwischen dem Jahreserfolg und dem Cashflow über die Jahre hinweg aus.

In einer Fortsetzung erfahren wir mehr über die Anwendung des Big Bath Accountings bei CEO-Wechseln und zu den Entscheidungsgründen für das Betreiben von Earnings Management.

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Weiterführende Literaturhinweise und Quellenangaben:

Sidiropoulos, P. (2014). Die Big Bath Methode – Creative Accounting Teil 1. 

Ronan, J., & Yaari, V. (2007). Earnings Management: Emerging Insights in Theory, Practice, and Research (Springer Series in Accounting Scholarship). New York: Springer.

Pfaff, D. & Ising, P. (2010). Earnings Management: Erscheinungsformen und Aufdeckungsmöglichkeiten.

Meyer, C. & Menghini, C. (2014). Präferenzen zur Steuerung des Unternehmenserfolgs.

Zimmermann, R. C. (2008). Abschlussprüfer und Bilanzpolitik der Mandanten (1. Aufl.). Wiesbaden: Gabler GWV Fachverlage GmbH.

Stahl, S. & Appelkvist, M. (2014). CEO Succession and Big Bath Accounting.

Stenberg, K.E. & Kalvenes, P. (2016). Earnings management during CEO turnovers.

Murphy, K.J. & Zimmerman, J.L. (1993). Financial performance surrounding CEO turnover. Journal of Accounting and Economics, 16, 273–315.

Meyer, C. & Halberkann, J. (2012). Goodwill-Impairment: Auswirkungen des Impairment-only-Ansatzes.

Baetge, J., Thiele, S. & Kirsch, H. (2004). Bilanzanalyse (2. Aufl.). Düsseldorf: IDW-Verlag GmbH.

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