Unternehmensführung

CEO Interview: Comparis Erfolgsrezept

17. Dezember 2018

Das Online-Vergleichsportal comparis.ch hat heute erheblichen Einfluss auf die Entscheidungen zahlreicher Konsumenten, sei es bei Versicherungen, Finanz-, Telecom- und Vorsorgeprodukten. Zudem hat comparis.ch die grösste Marktplattform für Immobilien in der Schweiz. Comparis-CEO Paul Kummer war zu Gast an einem Herbstgespräch der Kalaidos Fachhochschule, wo er Einblicke in die Strategie des Unternehmens gab.

Comparis-CEO Paul Kummer und René Weber, Rektor Kalaidos FH Wirtschaft beim Herbstgespräch

Paul Kummer, CEO Comparis-Gruppe, im Gespräch mit René Weber, Rektor der Kalaidos FH Wirtschaft, bei einem Herbstgespräch-Anlass der Kalaidos FH Ende November 2018 (Foto: Kalaidos FH).

Wir haben für Sie ausgewählte Fragen unseres Rektors zu einem Interview zusammengestellt.

Kurz und knapp – was ist Comparis?

comparis.ch ist heute weit mehr als das Vergleichsportal comparis.ch. Wir sind eine schweizweit etablierte Marke mit diversen Dienstleistungen, die von verschiedenen eigenen Firmen erbracht werden. In einem ersten Schritt bieten wir unseren Kunden Informationen und Tipps, in einem zweiten einen konkreten Vergleich von Bank- und Versicherungsprodukten, Immobilien, Autos und vielem mehr. In einem dritten Schritt können User bei unseren Partnerservices individuelle Dienstleistungen beziehen zum Beispiel sich eine Hypothek vermitteln lassen.

Unser grosser Bekanntheitsgrad widerspiegelt sich in unseren Zahlen von rund 88 Mio. Website-Besuchen und einer Milliarde Seitenaufrufen im Jahr 2017. Unter den Online-Vergleichsdiensten in der Schweiz hat comparis.ch einen Marktanteil von 85 Prozent, gemessen am Website-Traffic.

Nutzen Sie als Privatperson comparis.ch?

Als Privatperson nutze ich unseren Immobilienfinder, weil ich wissen möchte, welche Immobilienpreise in der Umgebung eines Objektes bisher gezahlt wurden und aktuell verlangt werden. Dort informiere ich mich auch allgemein über den Immobilienmarkt. Dieses Jahr habe ich nach einem Vergleich auch meine Autoversicherung gewechselt und recht viel sparen können.

Auf comparis.ch werden unter anderem Marronistände, Kinos, Glühwein und anderes verglichen. Was kommt als nächstes? Eine Fachhochschule? Wie wird auf comparis.ch bewertet?

Der Vergleich von Glühwein ist eher ein Scherz und soll die Aufmerksamkeit auf uns lenken. Wir bauen Vergleiche nur, wenn eine grosse Nachfrage besteht. Im Vergleichsranking können unsere Partner ihre Platzierung nicht erkaufen. Die Reihenfolge in der Anzeige ist von den Anbietern nicht beeinflussbar und stützt sich auf objektive Kriterien wie Produktmerkmale, Kundenzufriedenheit und Preis.

Manchmal schaffen es Schaufensterprodukte mit niedrigem Preis in den Vergleichen recht weit nach oben. Aber der Kunde bekommt dabei mitunter nicht das, was er sich wirklich wünscht. Wir versuchen diese Produkte schon heute zu identifizieren. Künftig werden wir nebst dem Preis auch ein grösseres Augenmerk auf die effektiven Ausstattungsanforderungen des Konsumenten an ein Produkt legen. So können wir dem User das für ihn gesamthaft am besten passende Produkt zuoberst anzeigen. Für uns zeigt sich ganz klar, dass Kundenbindung durch Vertrauen langfristig am lukrativsten ist. Deshalb stellen wir unsere Angebote für Kunden transparent zusammen und zeigen alle Angebote in den Vergleichen an; egal ob die Dienstleister mit uns zusammenarbeiten oder nicht.

Wie verdient comparis.ch sein Geld?

Ein Konsument, der sich bei einem Vergleich für bestimmte Produkte interessiert, gibt auf comparis.ch seine Adresse und Personalien an und beauftragt uns, bei den gewünschten Anbietern eine Offerte anzufordern. Dazu haben wir mit den meisten Banken und Versicherungen elektronische Schnittstellen. Die Anbieter bezahlen uns pro Offertanfrage eine Vergütung; unabhängig davon, ob ein Geschäft zustande kommt oder nicht. In diesem Sinn handelt es sich nicht um eine Provision, sondern um Marketing. Provisionen entstehen ausschliesslich bei den Dienstleistungen unserer Partner-Services etwa beim Abschluss einer Hypothek.

Wir vermitteln die Kundendaten zudem ausschliesslich an die vom Konsumenten ausgewählten Anbieter und verkaufen sie nicht weiter. Datenschutz ist ein zentraler Punkt für unsere Glaubwürdigkeit. Deshalb halten wir uns an die Anforderungen des Datenschutzgesetzes.

Wie entwickelt man heute schon neue Produkte im Hinblick darauf, dass man vielleicht in zehn Jahren keine Autoversicherung mehr braucht?

Wir wissen nicht, ob Einzelpersonen in Zukunft noch Versicherungen für Produkte abschliessen müssen. So könnte es gut sein, dass Versicherungen künftig bei selbstfahrenden Autos, Carsharing oder der Autovermietung für Privatpersonen überflüssig werden, da die Dienstleister direkt haftbar sind. Wenn man aufgrund der rasanten Weiterentwicklung beim Thema Datenanalyse das Risiko für einen individuellen Schaden immer besser ausrechnen kann, braucht es allenfalls zudem keine Versicherung mehr, sondern nur noch einen Sparplan.

Was die Weiterentwicklung von Comparis betrifft: Wir lassen uns aus einer guten internationalen Vernetzung mit FinTechs und Online-Vergleichsdiensten für die Zukunft inspirieren. Interessante Geschäftsmodelle oder Produktinnovationen probieren wir selbst aus. Eine Testphase dauert bei uns zehn Wochen. Die Hälfte der Ideen wird danach verworfen. Weitere 25 Prozent fallen nach einem halben Jahr weg. Was bis dahin gut gelaufen ist, wird weiter verfolgt. Im Moment arbeiten wir beispielsweise an der Weiterentwicklung von Produkten im Gesundheitswesen. Darunter fallen etwa ein Medikamenten-, Spital-, Ärzte- und Spitexvergleich. Wir investieren einen grossen Teil unseres Betriebsgewinnes in solche Projekte.

Wie wird ein Unternehmen wie comparis.ch geführt und was ist für Sie wichtig?

Meine Kernaufgabe ist es, gute Rahmenbedingungen für motivierte Mitarbeitende zu schaffen. Dazu gehören Feedbacks in den Bereichen, wo Innovation eine wichtige Rolle spielt. In den etablierten Geschäftsbereichen hingegen ist auch die Prozessoptimierung ein wichtiger Fokus von mir. Wir haben zudem heute ausschliesslich Grossraumbüros: Mitarbeitende aus Marketing, Produktentwicklung, Softwareentwicklung und Data Analytics lösen dort als lokale Teams gemeinsam eine Aufgabe.

Vielen Dank für Ihre Einblicke in das Geschäft von comparis.ch!

Erfahren Sie, was Adecco Schweiz-CEO über die Zukunft der digitalisierten Arbeitswelt denkt.

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