HR und Leadership

Agile Mitarbeitende bei Swisscom und Co.

03. Dezember 2018

Wie bereiten Schweizer Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für eine Transformation in ein agiles Arbeitsumfeld vor? Welches sind die wichtigsten Soft Skills, um für agile Transformationsprozesse gerüstet zu sein? Diese Fragestellungen haben Studierende der Kalaidos Fachhochschule in einer von Swisscom in Auftrag gegebenen Case Study untersucht. Visho Jesudasan, Lean Agile Leader for Organisations bei Swisscom, berichtet im Interview mit Irene Willi, Content Managerin Institut für Leadership und HR der Kalaidos Fachhochschule, welche Erkenntnisse die Case Study hervorbrachte und wie diese in seinem Arbeitsumfeld zum Tragen kommen. Handlungsempfehlungen für die Vorbereitung von Mitarbeitenden auf ein agiles Arbeitsumfeld Die Handlungsempfehlungen für die Vorbereitung von Mitarbeitenden auf ein agiles Arbeitsumfeld werden in der Case Study anhand von zwei Use Cases mit fiktiven Personen und dem Einsatz von Storytelling verdeutlicht (Bild: VerfasserInnen der Case Study).

Herr Jesudasan, Sie sind Auftraggeber der Case Study - wie sind Sie auf diese Fragestellungen gekommen?

Die Swisscom setzt bei der Entwicklung von Innovationen auf ein agiles Arbeitsumfeld, wobei der Mensch im Fokus steht. Die Transformation hin zur Anwendung von agilen Arbeitsmethoden bringt eine grosse Herausforderung mit sich: den Verlust von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so gut wie möglich zu verhindern. Da die agile Arbeitsweise von einer bestimmten Gruppe von Menschen einfacher adaptiert wird, können einige Mitarbeitende nämlich aus dem Raster fallen und fühlen sich nicht als Teil dieser Organisation. Die Beantwortung der Fragestellung bezüglich der Vorbereitung der Mitarbeitenden auf ein agiles Arbeitsumfeld und den wichtigsten Soft Skills soll dazu beitragen, wie dieses Problem bei uns in der Tribe ( = Abteilung mit mehreren agilen Teams) anzugehen ist.

Und wie bereiten Schweizer Unternehmen ihre Mitarbeitenden auf agiles Arbeiten vor?

Die Ergebnisse der qualitativen Interviews, welche die Studierenden mit neun Experten für agile Transformationsprozesse in Schweizer Unternehmen (Swisscom, Swiss, Didacware, Avaloq, ETH, SBB, Elesta GmbH, Axa,Anonym) geführt haben, zeigen, dass die Vorbereitungen für die Transformation in ein agiles Arbeitsumfeld innerhalb der verschiedenen Unternehmen ähnlich ablaufen. In einem ersten Schritt werden in Schulungen und Workshops den betroffenen Mitarbeitenden das Basiswissen vermittelt. Wichtig dabei ist, dass die Vorteile und die Stärken des agilen Arbeitens hervorgehoben werden und zwar nicht aus Sicht des Managements, sondern aus Sicht der Mitarbeitenden. Die Möglichkeit für die Mitarbeitenden mehr Verantwortung zu übernehmen, mehr Autonomie zu erhalten und an ihren Skills zu arbeiten, sollte viel mehr als potenzielle Einsparnisse thematisiert werden. Ebenso entscheidend ist, dass alle vom Gleichen reden und man möglichst rasch ins „Doing“ kommt. So werden in einem zweiten Schritt mit Unterstützung von internen oder externen Experten Übungen durchgeführt, die den Mitarbeitenden ein Gefühl für das agile Arbeitsumfeld vermitteln.

Die wichtigsten Soft Skills für eine erfolgreiche Transformation in ein agiles Arbeitsumfeld sind den Befragten zufolge Teamfähigkeit, Mut und Offenheit. Aus einer kleinen Übung mit vordefinierten Soft Skills resultiert, dass die Eigenverantwortung, Engagement/Eigeninitiative, Transparenz und Kommunikationsfähigkeiten ebenfalls sehr wichtig sind.

Warum sind gerade Teamfähigkeit, Mut und Offenheit in einem agilen Arbeitsumfeld so wichtig?

Teamfähigkeit hat laut den Befragten einen so hohen Stellenwert, weil man in einem agilen Arbeitsumfeld die Probleme als Team löst und nicht auf sich alleine gestellt ist. Es gibt sozusagen keine Einzelkämpfer mehr. Dadurch, dass keine klassische Hierarchie mehr besteht, ist es umso bedeutungsvoller, dass die Zusammenarbeit innerhalb des Teams funktioniert.

Agiles Arbeiten heisst unter anderem, Fehler machen zu dürfen. „Fail often, learn faster“ war eine häufige Aussage in den Interviews. Eine Fehlerkultur zu leben setzt voraus, dass die Mitarbeitenden den Mut aufbringen, Fehler zu begehen. Ausserdem sollen sie sich nicht davor scheuen, nachzufragen, wenn sie etwas nicht verstehen oder ein Problem nicht lösen können.

Nur wer Offenheit und eine Neugier gegenüber Veränderungen mitbringt – so die Befragten – wird sich den Vorteilen eines agilen Arbeitsumfelds bewusst. Damit verbunden sei zudem eine gewisse "Learner-Haltung.“

Aus meiner Sicht ist allgemein das wichtigste Element der agilen Arbeitsweise die Feedback-Schleife: Das Team muss sich und den Output ständig hinterfragen und falls notwendig Anpassungen vornehmen. Dafür sind genau die Skills Mut, Offenheit und Teamfähigkeit sehr wichtig.

Man darf aus diesen Erkenntnissen jedoch nicht schliessen, dass gewisse Menschentypen besser mit agilen Transformationsprozessen umgehen als andere. Es ist hauptsächlich eine Frage des Wollens, Könnens und Dürfens der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wie lauten die wichtigsten Handlungsempfehlungen und welche konnten Sie auf Ihr Arbeitsumfeld übertragen?

Es ist schwierig, eine oder zwei Handlungsempfehlungen herauszupicken, da je nach Maturität der Arbeitsweise und Fortschritt in der Transformation andere Schwerpunkte angegangen werden müssen. Allgemein lässt sich aber die Kommunikation sicher als sehr wichtig einstufen. So muss das Management klar, offen und transparent gegenüber den Mitarbeitenden kommunizieren. Es empfiehlt sich, vorab ein Kommunikationskonzept zu erstellen. Aufgabe des Managements ist aufzuzeigen, weshalb ein Wandel in ein agiles Arbeitsumfeld in der aktuellen Marktlage notwendig ist. Ausserdem müssen der Nutzen und die Vorteile aus Sicht der Mitarbeitenden nachvollziehbar sein und es gilt, eine positive Grundstimmung zu erzeugen. Dies kann durch Aufzeigen von Erfolg-Stories aus abgeschlossenen Transformationen innerhalb des Unternehmens geschehen. Um den Mitarbeitenden Orientierung zu geben, muss der Fahrplan der Transformation aufgezeigt werden. Darüber hinaus sollte das Management in der Lage sein, eine neue Unternehmenskultur zu bilden, welche eine solche Arbeitsmethode zulässt und diese vor allem auch vorlebt.

Allgemein ist aber sicher, dass wir bei uns im Tribe Teamfähigkeit, Mut und Offenheit fördern und die Mitarbeitenden an diesen Soft Skills arbeiten lassen.

Herr Jesudasan, herzlichen Dank für das Interview.

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Die VerfasserInnen der Case Study, Burak Besler, Angelica Glaus, Daniel Gyger, Christian Hobi und Stefan Iten, absolvieren den Studiengang Bachelor in Business Administration FH an der Kalaidos Fachhochschule Wirtschaft AG.

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Thema: HR und Leadership

Autor: Irene Willi

Datum: 03. Dezember 2018

Schlagworte: Agilität, Unternehmenskultur, Kommunikation

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