Banking und Finance

Open Banking (3/3)

17. Dezember 2018

Im zweiten Teil meiner Blogreihe zum Thema Open Banking habe ich auf strategischer Ebene die Ökosysteme erwähnt. Um der Frage nach dem zeitlichen Kontext, in welchem sich Open Banking im Markt etablieren wird, näher zu kommen, gilt es, diese Thematik weiter zu beleuchten. 

Digitale Ökosysteme

Plattformen für Ökosysteme existieren bereits heute. Beliebte Beispiele aus der digitalen Welt sind Airbnb oder Uber. Diese Plattformanbieter entwickeln keine neuen Produkte, sondern organisieren Transaktionen für Produkte und Dienstleistungen zwischen verschiedenen Parteien. Bezogen auf die Finanzbranche, werden sich Banken künftig vermehrt in der Rolle als Vermittler innerhalb dieser digitalen Netzwerkgebilde wiederfinden. Dabei ist ein mögliches Szenario, Finanzdienstleistungen in sogenannte Öko-Plattformen zu integrieren – viele Beispiele entstehen mit der Integration einfacher Dienste wie Zahlungsverkehr oder Kreditvergabe. Kundenprozesse können somit durchweg digital abgebildet werden und an der Kundenschnittstelle entsteht somit echter Mehrwert.

Förderung der „Client Value Proposition“

Das bereits angesprochene Beispiel der Kreditvergabe kann auch unmittelbar mit der direkten Förderung der „Client Value Proposition“ in Verbindung gebracht werden. Ein zentraler Aspekt dabei ist, dass in einem zielführenden Ökosystem immer die Kundenbedürfnisse, respektive die „Client Value Proposition“, im Vordergrund stehen. Nachstehende Abbildung zeigt die Einflussfaktoren von digitalen Ökosystemen, basierend auf der Recherche im Rahmen meiner Masterarbeit.

Einflussfaktoren von digitalen Ökosystemen

Einflussfaktoren von digitalen Ökosystemen (Bild; Quelle: Wisler, 2018)

Die grossen Internetkonzerne – GAFAs (Google-Amazon-Facebook-Apple)

Spricht man über die GAFAs, so dominieren diese aktuell die „Welt“ der digitalen Ökosysteme. Die Firma Tencent zum Beispiel hat im asiatischen Markt ein Ökosystem rund um die App „WeChat“ entwickelt. „WeChat“ zählt heute über 1 Milliarde registrierte User, welchen eine Vielzahl von integrierten Services für den Alltag angeboten wird. Neben sozialen Kanälen, können die User von „WeChat“ die App beispielsweise auch für Direktzahlungen beim Einkaufen benutzen. Unter diesem Aspekt stellt sich rasch die Frage: Wofür benötigen GAFAs Banken noch, wenn sie bereits über alternative Lösungen innerhalb ihrer Plattformen verfügen? Diese Frage wurde auch den Experten gestellt und ergab, dass die GAFAs wohl keine Interessen haben werden, Banken nach dem heutigen Verständnis nachzubauen. Sie verstehen Banken nicht als zeitnahe Geschäftsmodelle, zumal für sie die Kundendaten und deren Verarbeitung, mit dem Ziel, möglichst viele Informationen aus diesen Daten zu gewinnen, im Vordergrund stehen. Die GAFAs stellen ganz klar die Daten und Datenverarbeitung in den Vordergrund, um neue Personeninformationen zu gewinnen. Diese Informationen wiederum werden verwendet, um einzelnen Personen zusätzliche Services zur Verfügung zu stellen.

Fazit Ausgangslage mit PSD2

Bis zum 14. September 2019 müssen EU-Banken die Richtlinie PSD2 umgesetzt haben. Es bleibt also weniger als ein Jahr, um Open APIs bereitzustellen, welche die Kundendaten im Zahlungsverkehr für andere Marktteilnehmer zugänglich machen. Mit dem offenen Kontozugang müssen Banken den Zugang zu Konten sicherstellen, so dass Zahlungsinstitute ungehindert Zahlungsdienste anbieten und erbringen können. Das Rennen um die Kundenschnittstelle ist also eröffnet.

Lesen Sie weitere Teile dieser Blogserie:
Open Banking (Teil 1/3)
Open Banking (Teil 2/3)

Thema: Banking und Finance

Autor: Roger Wisler

Datum: 17. Dezember 2018

Schlagworte: FinTech, PSD2

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