HR und Leadership

Job-Rotation bei der Baudirektion Zürich

14. November 2018

Dass Job Rotation hilft, neue Sichtweisen zu erlangen, ist in der Theorie bekannt. Die Baudirektion des Kantons Zürich hat den temporären Stellenwechsel in die Praxis umgesetzt und als festen Bestandteil in ihr Förderprogramm für Fach- und Führungskräfte eingebaut. Während einer festgelegten Zeit arbeiten Fach- und Projektspezialisten in einer anderen Institution/Unternehmung, um die daraus gewonnenen Impulse und Erkenntnisse in Form von Optimierungen im eigenen Bereich einfliessen zu lassen.

Michael Steiner arbeitete im Rahmen des Förderprogramms der Baudirektion Zürich temporär für Hafen City Hamburg

Michael Steiner arbeitete im Rahmen des Förderprogramms der Baudirektion Zürich temporär für die Hafen City GmbH in Hamburg (Symbolbild)

CAS FH in Fach- und Selbstkompetenz BD Akademie, Baudirektion Kanton Zürich ist ein Förderprogramm der Baudirektion des Kantons Zürich, das explizit auf die Weiterentwicklung von Fach- und Projektspezialisten ausgerichtet ist. Das Programm dauert insgesamt 24 Monate. Es setzt sich aus zwei Kernelementen zusammen: den Praxismodulen und den Theoriemodulen. Die Kombination von Praxis und Theorie ist eine der Stärken des CAS FH BD Akademie.

Austausch von Fachwissen und Erfahrungen sowie Ausbau des persönlichen Netzwerks

Job Rotation, beziehungsweise der temporäre Stellenwechsel, findet in den Praxismodulen statt. Hier sammeln die Teilnehmenden Erfahrungen in Partnerorganisationen. Dabei kann es sich um öffentliche Institutionen oder Unternehmen aus der Privatwirtschaft handeln. Die Praxismodule bieten eine Plattform, um Fachwissen und Erfahrungen auszutauschen, sowie die Möglichkeit, das persönliche Netzwerk auszubauen. Zudem fördern sie den Perspektivenwechsel. Sie werden auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmenden und der jeweiligen Organisation ausgerichtet. Jedes Modul folgt zuvor erarbeiteten Fragestellungen und Zielen, die für die Baudirektion von Relevanz sind.

Seit 2013 haben 26 Teilnehmende das Förderprogramm abgeschlossen, weitere 14 absolvieren es zur Zeit. 57 Partnerorganisationen haben die Umsetzung aktiv unterstützt, indem sie einen Einblick in ihren Arbeitsalltag gewährten und so den Perspektivenwechsel ermöglichten. Michael Steiner begann die Weiterbildung 2016 und wird sie dieses Jahr abschliessen. Hier sein Erfahrungsbericht:

"Am Förderprogramm reizte mich der Mix von Praxismodulen bei Partnerorganisationen und theoretischen Ausbildungsmodulen. Ich durfte das Programm 2016 beginnen und werde es in diesem Dezember abschliessen. In Erinnerung bleiben vor allem die beiden Praxiseinsätze:

1. Hafen City GmbH in Hamburg: fachlicher Perspektivenwechsel ausserhalb der Komfortzone

Meinen ersten Praxiseinsatz absolvierte ich während rund 3 Monaten bei der HafenCity GmbH in Hamburg. Die Idee zu diesem Praxiseinsatz wurde zusammen mit meinem Chef des Amts für Raumentwicklung (ARE) entworfen. Ich erhoffte mir, durch die Mitarbeit in einer Arealentwicklungsgesellschaft und aus dem Vergleich der deutschen Bau- und Planungsgesetzgebung mit dem Zürcher Recht auch einen fachlichen Erkenntnisgewinn für das ARE generieren zu können.

Neue Arbeitskolleginnen und -kollegen, eine fremde Stadt, ein anderes Landesrecht: Die interdisziplinäre Zusammenarbeit an vorgängig definierten Projekten war fordernd. Gleichzeitig stellte sich dadurch aber der erhoffte Kompetenz- und Erfahrungsgewinn sehr schnell ein... Einen bleibenden Eindruck hinterliess die Professionalität der Unternehmensorganisation und Abwicklung des HafenCity-Projekts sowie der Bezug zur aktuellen Lehre und Ausbildung.

Da unsere zwei Kinder noch nicht schulpflichtig waren, kam meine Familie mit nach Hamburg. Ein unvergessliches Erlebnis und intensives Eintauchen in diese dynamische Stadt! Ich werde nie vergessen, wie ich jeden Morgen mit dem Velo an der Elbphilharmonie vorbei zur Arbeit fuhr und wie der frische Westwind von der Elbe her jeweils gerochen hat.

2. Innovationspark Zürich: Ich wechsle fachlich die Seiten

Mein zweiter Praxiseinsatz führte mich für zwei Monate zur Geschäftsstelle des Innovationsparks Zürich. Da ich in den letzten rund fünf Jahren bei der Schaffung von Planungsrecht für den Innovationspark Zürich mitwirkte, war ich mit den planungsrechtlichen sowie politischen Aspekten bereits vertraut. Entsprechend interessierte mich, mit welchen Herausforderungen die Geschäftsstelle in der Aufstartphase (2016 – 2018) bzw. beim anstehenden Übergang zur operativen Phase (ab 2019) konfrontiert ist. Mein Fokus lag auf den Fragen, wie robust die planungsrechtlich getroffenen Lösungen sind und wo wir uns im ARE diesbezüglich noch verbessern können.

Besonders geschätzt habe ich, dass mir Vertrauen entgegengebracht und Verantwortung übertragen wurde. Ich durfte konkrete, in sich abgeschlossene Themen mit diversen interessanten Fragestellungen und komplexen Bezügen eigenständig bearbeiten. Während meiner Zeit bei der Geschäftsstelle war ich Teil eines hoch motivierten und begeisterungsfähigen Teams. Es herrschte eine ansteckende Aufbruchsstimmung. Der Aufstart des Innovationsparks Zürich mit all seinen komplexen Zusammenhängen ist professionell organisiert und das Team vermittelt mit den vorhandenen Ressourcen auf kreative Weise ein Raumbild.

Mein gewonnener Mehrwert – es bleibt im Fluss

Zu Beginn der BD-Akademie hatte ich mir vor allem Zielsetzungen in der Methodenkompetenz gesetzt. Aus fachlicher und methodischer Sicht konnte ich in den Ausbildungsmodulen, aber auch gerade im Austausch mit den temporären Arbeitskolleginnen und -kollegen aus den Partnerorganisationen sowie den Mitabsolventen der BD-Akademie enorm profitieren.

Im Rahmen der zweijährigen Ausbildung musste ich mich auch immer wieder mit meiner Selbstkompetenz auseinandersetzen. Durch den Perspektivenwechsel konnte ich mich selbst und auch meine Rolle bei der Baudirektion unter diversen Gesichtspunkten spiegeln. Das führte wiederum zu neuen Ideen und Inputs. Und nicht zuletzt vergrösserte sich mein Pflichtenheft bzw. mein Aufgabengebiet im angestammten Job.

Was bleibt, sind zahlreiche Erinnerungen an eine unvergessliche, spannende aber auch herausfordernde Zeit mit vielen schönen und interessanten Begegnungen."

Michael Steiner, Amt für Raumplanung

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Das Programm der BD-Akademie wurde von der Kalaidos Fachhochschule validiert und als CAS (Certificate of Advanced Studies) akkreditiert.

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