HR und Leadership

Organisationsentwicklung für das Steueramt (1/2)

29. Oktober 2018

Mit der Entwicklung einer neuen Geschäftsstrategie 2018+ stellt sich das Kantonale Steueramt St. Gallen (KSTA) den zukünftigen Herausforderungen im steuerlichen Umfeld und dem Umgang mit globalen Megatrends. Ein Teilprojekt der Hauptabteilung Spezialsteuern mit zwölf neu definierten Schwerpunkten dient dabei als Basis für die Formulierung der strategischen Ziele. Gleichzeitig bildet das Teilprojekt das Schwerpunktthema der Abschlussarbeit von André Fuchs, Absolvent des Studiengangs CAS FH in Organisationsentwicklung und -beratung. In diesem ersten Teil des Interviews mit Irene Willi, Content Managerin am Institut für Leadership und HR, berichtet André Fuchs, wie er das Teil-Projekt als Hauptabteilungsleiter, Auftraggeber und Berater begleitet.

Beratungsprozess

Beratungsprozess (Graphik: Skript Bleiker, M., 2018)

Herr Fuchs, warum ist die Entwicklung einer neuen Geschäftsstrategie im Steueramt des Kantons St. Gallen ein aktuelles Thema?

Die neue Geschäftsstrategie 2018+ löst eine vor zehn Jahren entwickelte Strategie ab und ist für die Bearbeitung der zukünftigen Herausforderungen im KSTA essentiell. Im Zentrum des Handelns stehen die Bedürfnisse der Steuerpflichtigen. Diese haben sich mit der Digitalisierung verändert. Der Steuerpflichtige möchte zu jeder Zeit eine schnelle und individuelle Bearbeitung seiner Anliegen und Anfragen. Diese veränderten Kundenbedürfnisse müssen zwingend in die neue Geschäftsstrategie einfliessen.

Was die Mitarbeitenden betrifft, sollte sich die neue Geschäftsstrategie stärker an den Generationen X, Y und Z ausrichten, da bis im Jahr 2025 die meisten Baby-Boomer bereits im Ruhestand sind. Die Arbeitgeberattraktivität ist definitiv ein Schwerpunkt, um sowohl der demografischen Entwicklung als auch dem Wettbewerb zu Treuhand-, Steuer- und Beratungsunternehmen entgegenzuwirken.

Unter anderem gilt es auch, die Schwerpunktplanung der Regierung des Kantons St. Gallen zu berücksichtigen. Diese definiert diverse strategische Ziele zu Themen wie der Bildung und der Forschung, der neuen Arbeitswelt (New Work), der ganzheitlichen Gesundheitsförderung, der demografischen Entwicklung und einer umfassenden Sicherheit, um nur einige zu nennen.

Sie begleiten das Teilprojekt der Hauptabteilung Spezialsteuern. Welche Ziele sind damit verbunden?

Ziel ist eine frühzeitige Beteiligung der Führungskräfte, um das Verständnis für die neue Geschäftsstrategie 2018+ zu fördern, eine Sinngebung zu entwickeln und damit eine gemeinsame Aufbruchsstimmung für die kommenden strategischen Massnahmen zu schaffen. Es geht insbesondere darum, Antworten auf folgende Fragen zu finden: „Auf welche Veränderungen muss sich die Führung der Hauptabteilung durch die neu formulierten strategischen Ziele vorbereiten?“ und „Welche Massnahmen könnten damit ausgelöst werden?“ Ein erster konkreter Schritt dazu bildet ein Kick-off-Workshop, in welchem die zwölf Schwerpunkte der neuen strategischen Ausrichtung beurteilt und die Auswirkungen auf die Hauptabteilung analysiert werden. Die zwölf Schwerpunkte enthalten unter anderem Themen wie Digitalisierung der Arbeitsprozesse, Wirtschaftlichkeit, Think Tank, Attraktivität als Arbeitgeber, Kommunikation, Führungsentwicklung, Personalentwicklung, Teamentwicklung und Kundenorientierung.

Welche Methoden und Instrumente aus dem Unterricht haben Ihnen geholfen, das Teilprojekt erfolgreich voranzutreiben?

Die Theorie zum Beratungsprozess im Skript unseres Dozenten Marc Bleiker (2018) diente mir als roter Faden für die Gestaltung des Teilprojekts (siehe Graphik). Der Beratungsprozess startet mit der Contacting Phase, in welcher der Kontakt zwischen Auftraggeber und Berater hergestellt wird. Im Contracting werden die gegenseitigen Erwartungen abgeholt. Die Offerte und das Konzept des Beraters zeigen die Grundüberzeugungen und Prinzipien des Beraters auf und bilden die Basis für den Entscheid über die Vergabe durch den Auftraggeber. In der Vereinbarung werden die Ziele definitiv festgelegt, welche ein gleiches Verständnis für das Projekt und die gemeinsame Arbeitsfähigkeit ermöglichen.

Ferner half mir das Modell der sieben Basisprozesse der Organisationsentwicklung nach Glas (2014), die einzelnen Basisprozesse auf die Besonderheiten der Kundensituation abzustimmen wie beispielsweise die Identifikation der Ziele und Werte (Zukunftsgestaltungsprozesse), die Auswirkungen der Strategieanpassungen auf das Arbeitsklima, die Unternehmenskultur, die Beziehungen und das Vertrauen in die Zusammenarbeit (psychosozialen Prozesse) oder die Koordination der Kommunikation im Veränderungsprozess (Informationsprozess).

André Fuchs 

André Fuchs, Leiter Hauptabteilung Spezialsteuern Steueramt des Kantons St. Gallen (KSTA) und Absolvent des CAS FH in Organisationsentwicklung und -beratung.

Herr Fuchs, herzlichen Dank für das Interview.

Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews, "Organisationsentwicklung für das Steueramt (2/2)", wie André Fuchs an die Gestaltung des Kick-off-Workshops zur Neuausrichtung der Geschäftsstrategie herangegangen ist und welche Erkenntnisse er durch die Begleitung des Veränderungsprozesses der Hauptabteilung Spezialsteuern gewonnen hat.

Lesen Sie auch "Personalentwicklung für das Steueramt" von André Fuchs.

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Quellen und weiterführende Informationen

Bleiker, M. (2018). Der Beratungsprozess: Vom ersten Kontakt bis zur Evaluation. Vorlesungsskript, Kalaidos Fachhochschule.

Glasl, F., Kalcher, T., Piber, H., (2014). Professionelle Prozessberatung (3. Auflage). Bern: Haupt Verlag.

Kanton St. Gallen (2017). Schwerpunktplanung der Regierung 2017-2027. St. Gallen: Regierung des Kantons St.Gallen.

Königswieser, R. & Hillebrand, M., (2015). Einführung in die systemische Organisationsberatung (8. Auflage). Heidelberg: Carl-Auer Verlag GmbH.

Thema: HR und Leadership

Autor: Irene Willi

Datum: 29. Oktober 2018

Schlagworte: Organisationsentwicklung

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