Wirtschaftspsychologie

Humor in der Führung

26. September 2018

Sei es die neueste Hollywood-Komödie oder ein Spieleabend mit Freunden – Lachen und Humor sind oftmals fester Bestandteil unserer Freizeitaktivitäten. Wie sieht es aber mit Humor am Arbeitsplatz aus? Ist es angebracht oder sogar sinnvoll, wenn Führungskräfte scherzen? Ist eine spassbefreite Führungskraft eine schlechtere Führungskraft? Alexander Pundt geht diesen Fragen in seinem Artikel «Scherze im Arbeitsalltag: Wann Humor zum sinnvollen Führungsinstrument wird» nach. 

Humor als Instrument in der Führung
Leistet Humor einen wichtigen Beitrag zu einer guten Führung? (Symbolbild)

Humor im Büroalltag

Während Humor oft und gerne zu unserem Freizeitverhalten gehört, ist die Wirkung von Humor im Arbeitsalltag oft unklar und umstritten. Vorgesetzte können durch den Einsatz von Humor sympathisch und charismatisch wirken. Der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen und wir empfinden Scherze der oberen Etage als unangebracht oder sogar verletzend. Die hierarchischen Unterschiede sowie das Machtgefälle zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden stellen für den Einsatz von Humor besondere Herausforderungen dar.

Was bedeutet Humor in der Führung?

Pundt versteht unter Humor in der Führung ein freiwilliges Sozialverhalten, dessen Kern in einer spielerischen Aktivität der Führungskraft besteht. Spielerisch deshalb, weil Humor einen leichten, wenig ernsthaften Charakter hat und oft mit einem Spiel der Gedanken verbunden ist (z. B. Wortspiele). Das Verhalten wird dabei mit der Absicht ausgeführt, Mitarbeitende zu erheitern. Führungskräfte «müssen» Humor nicht als Führungsinstrument anwenden, da dies nicht zum klassischen Rollenverständnis gehört. Je nachdem, welche Art von Humor die Führungsperson einsetzt, können die Effekte sehr unterschiedlich sein. Pundt unterscheidet zwischen sozialem und aggressivem Humor. Beim sozialen Humor bringt die Führungskraft die Mitarbeitenden zum Lachen und scherzt mit ihnen. Beim aggressiven Humor hingehen macht er/sie sich über die Mitarbeitenden lustig, verspottet sie ohne Rücksicht auf ihre Gefühle. Wird sozialer Humor eingesetzt, kann sich die Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden verbessern. Aggressiver Humor hingehen hatte den gegenteiligen Effekt, das Verhältnis verschlechterte sich. Sozialer Humor kann entsprechend ein sinnvolles Führungsinstrument sein, das positive Effekte auf die Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden aufweist. 

Kann man Humor lernen?

Da der Einsatz von (sozialem) Humor durchaus ein positives Führungsinstrument sein kann, stellt sich die Frage, ob Humor ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal ist oder erlernt werden kann. Philip Vernon und seine Kollegen kommen in ihrer Studie zum Schluss, dass Humor in der Tat mit stabilen Persönlichkeitsmerkmalen in Verbindung steht. Diese Zusammenhänge können Humor aber nicht vollständig erklären. Willibald Ruch und Paul McGhee (2014) setzten sich mit der Frage nach der Wirksamkeit von Humor-Trainingsprogramme auseinander. Dabei zeigte sich, dass eine spielerische Haltung zum Leben und Humor in der Tat trainiert werden können. Vor allem der soziale Humor wird durch gezieltes Training gefördert. Führungskräfte können durch Trainings ihre humorvolle Seite stärken und Humor (wieder) erlernen. 

Sollen nun alle Führungskräfte scherzen?

Humor kann zwar ein sinnvolles Führungsinstrument sein kann, muss es aber keinesfalls. Nicht jeder Führungskraft liegt es, Humor angemessen und beziehungsfördernd einzusetzen. Zudem ist es möglich, gute Führung auch ohne Humor zu erreichen. Weiter gilt es auch kulturelle Unterschiede zu beachten (vgl. Yang, Kitchen und Bacouel-Jentjens, 2015). Führungskräfte sollten je nach kulturellem Kontext die Art oder Häufigkeit des Einsatzes von Humors anpassen. In gewissen Kulturen ist Humor ein gutes Instrument um positive Emotionen und eine gute Beziehung zu fördern. In anderen Kulturen wiederum wird dies besser mit mehr Wertschätzung erreicht. Nichtsdestotrotz: Humor kann einen wichtigen Beitrag zu einer guten Führung und einem starken Verhältnis zu den Mitarbeitenden leisten.

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Weiterführende Informationen und Quellen:

Inju Yang, Philip J. Kitchen & Sabine Bacouel-Jentjens (2015): How to promote relationship-building leadership at work? A comparative exploration of leader humor behavior between North America and China. The International Journal of Human Resource Management. doi: 10.1080/09585192.2015.1089065

Pundt, A. (2016). Scherze im Arbeitsalltag: Wann Humor zum sinnvollen Führungsinstrument wird. Wirtschaftspsychologie aktuell, 1, 50-53.

Ruch, W. & McGhee, P. E. (2014). Humor intervention programs. In A. C. Parks & S. M. Schueller (Hrsg.), The Wiley Blackwell handbook of positive psychological interventions (S. 170-193). New York: Wiley.

Vernon, P.A., Martin, R. A., Schermer, J. A. & Mackie, A. (2008). A behavioral genetic investigation of humor styles and their correlations with the Big-5 personality dimensions. Personality and Individual Differences, 44, 1116-1125.

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